Dietikon
Für das Niderfeld beginnt die entscheidende Phase

Der Dietiker Gemeinderat muss über den Kredit für die Entwicklung der letzten grossen Baulandreserve bis zur Baureife befinden. Das Dietiker Niderfeld ist viermal so gross wie das Limmatfeld.

Bettina Hamilton-Irvine
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Das Niderfeld zwischen Bahnlinie und Überlandstrasse im Nordwesten die Industriezone Bodacher Eigi, im Süden die Zonen Chrüz (Wohnen und Gewerbe) und Grabacher (Wohnen). Die restlichen Bereiche sind als Erholungszonen vorgesehen.

Das Niderfeld zwischen Bahnlinie und Überlandstrasse im Nordwesten die Industriezone Bodacher Eigi, im Süden die Zonen Chrüz (Wohnen und Gewerbe) und Grabacher (Wohnen). Die restlichen Bereiche sind als Erholungszonen vorgesehen.

ZVG/Zonenplan

Es ist viermal so gross wie das Limmatfeld und soll, wenn es dereinst entwickelt ist, Wohnraum für 2000 Personen und Platz für 3000 Arbeitsplätze bieten: Das Dietiker Niderfeld, gelegen zwischen Überlandstrasse und Bahngeleisen, ist ein Gebiet der Superlative.

«Wenn es auch etwas kleiner ist, so ist es doch vergleichbar mit Zürich Nord oder Zürich West», sagt Stadtplaner Jürg Bösch, der das 40 Hektaren grosse Gebiet auch schon als «einmalig» bezeichnet hat. Denn das Niderfeld ist eine der letzten grossen Flächen im Raum Zürich, die noch nicht im Bau ist.

Das soll sich jedoch bald ändern: Die Gebietsentwicklung geht jetzt in die Phase, in der die Planung konkreter wird. Bereits seit Februar 2010 ist das Niderfeld rechtskräftig eingezont und im gleichen Jahr wurde ein Europan-Wettbewerb durchgeführt, der jungen Architekten und Stadtplanern die Möglichkeit gab, neue Ideen zu entwickeln. Im September 2011 hat der Dietiker Stadtrat die Nutzungsstrategie für das Gebiet genehmigt.

Das Beste aus allen Vorschlägen

Als nächster Schritt folgt nun die Erarbeitung von städtebaulichen Studien. Laut Städteplaner Bösch ist der Start für November dieses Jahres vorgesehen. Das sogenannte Konkurrenzverfahren - nicht zu verwechseln mit einem Wettbewerb - soll die Grundlage für die Gestaltungspläne liefern.

Laut Bauordnung ist dieser Schritt nur für die beiden im Süden des Niderfeld gelegenen Bauzonen Grabacher und Chrüz verlangt. Trotzdem soll das Studienverfahren auch die dritte Bauzone Bodacher/ Eigi - sie liegt im Norden und ist eine Industriezone - einschliessen. Dies mache Sinn, da verschiedene Fragen wie Erschliessung, Verteilung oder Dichte für das Niderfeld als Gesamtes betrachtet werden müssten, sagt Bösch.

Im Rahmen des Konkurrenzverfahrens werden drei parallel arbeitende Teams städtebauliche Konzepte entwickeln. Der Vorteil gegenüber einem Wettbewerb ist dabei: Die Stadt Dietikon kann sich danach aus allen drei Vorschlägen das Beste herausnehmen.

«Kaum ein Team ist in allen Bereichen Top»

Wie Bösch erklärt, sei dies besonders wichtig angesichts der komplexen Aufgabenstellung: Denn im Niderfeld fehlt bisher das städtebauliche Muster noch komplett und die Teams werden sich mit allen relevanten Aspekten von Gestaltung über Erschliessung, Art und Mass der Nutzung bis zu Ökologie auseinandersetzen müssen. «Die Erfahrung zeigt, dass es selten ein Team gibt, das in all diesen Bereichen top ist», so Bösch.

Am Schluss wird eine Synthese aus den besten Vorschlägen der drei Teams erarbeitet. Erst danach - voraussichtlich Ende 2013 - kann die Arbeit an den öffentlichen Gestaltungsplänen in Angriff genommen werden. Sie sollen die verschiedenen Themen weiter vertiefen und insbesondere das genaue Mass und die Art der Nutzung festlegen. Definiert werden müssen dann auch weitere Aspekte wie Lärm- und Hochwasserschutz, Baufelder oder Standorte für öffentliche Nutzungen.

«So haben wir noch etwas Luft»

Das Gestaltungsplanverfahren soll bis 2016 dauern. Parallel dazu, zwischen 2014 und 2017, werden die Quartierpläne erstellt. Ab 2018 könnte dann die Groberschliessung der 1. Etappe erfolgen. Für die Planungsarbeiten bis zur Baureife des Niderfelds - dazu gehören die städtebaulichen Studien und Gestaltungspläne - rechnet der Stadtrat mit Kosten von 688 000 Franken. Der entsprechende Kreditantrag liegt nun vor und wird dem Parlament baldmöglichst zur Genehmigung unterbreitet.

Laut Bösch ist ein derart komplexes und zeitaufwendiges Verfahren üblich für die Entwicklung eines Gebiets in der Grösse des Niderfelds. «Zudem ist es wichtig», so der Stadtplaner, «dass wir für das Niderfeld, das Dietikon einst eine sehr wichtige Prägung geben wird, möglichst viele gute Ideen gewinnen können.»

Doch gerade weil der Prozess aufwendig sei, müsse jetzt mit den Planungsarbeiten begonnen werden, betont Bösch. Idealerweise soll die Baureife des Niderfelds gleichzeitig mit der Inbetriebnahme der Limmattalbahn erfolgen, die zurzeit für das Jahr 2020 geplant ist. «So haben wir bei der Planung für das Niderfeld noch etwas Luft, falls es Verzögerungen gibt», sagt Bösch.