Für Cannabisproduzenten wird es eng

Limmattal 2013 flogen diverse Betreiber illegaler Hanf-Indooranlagen auf – die Polizei will die Lage weiter scharf beobachten

Sophie Rüesch
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Während Stimmen für eine Legalisierung von Cannabiskonsum und -anbau wieder lauter werden, setzt die Zürcher Kantonspolizei wie bereits 2013 auch im laufenden Jahr einen Fahndungsschwerpunkt auf die Bekämpfung von illegalen Hanfplantagen. Die Chefin der Kriminalpolizei fand dafür deutliche Worte: «Wir wollen auch nächstes Jahr unsere Augen nicht davor verschliessen, dass vor unserer Haustür illegale Drogengeschäfte in Millionenhöhe stattfinden», sagte Christiane Lentjes Meili bei der Präsentation der Kriminalstatistik diese Woche vor den Medien.

Auch im Limmattal häuften sich seit Anfang 2013 die Meldungen über aufgeflogene Indoorplantagen. Insgesamt wurden hier im letzten Jahr neun Anlagen entdeckt, die von kleinen Anzuchtsboxen bis hin zu einer Grossplantage reichten. Ein besonders grosser Fisch ging der Kantonspolizei in Urdorf ins Netz: Dort stiessen die Fahnder im vergangenen November im ersten Obergeschoss einer Gewerbeliegenschaft auf eine Indooranlage mit rund 4000 Hanfpflanzen. Gemäss Kapo-Berechnungsschlüssel hätten diese auf dem Markt zwischen 400 000 und über einer Million Franken abwerfen können. Weitere Fälle gab es 2013 in Birmensdorf, Schlieren und Dietikon.

Und auch im noch jungen Jahr wurde die Polizei bereits wieder mehrmals fündig: So wurden zwischen Januar und Anfang März in zwei Anlagen in Birmensdorf und einer in Dietikon bereits wieder mehrere hundert Pflanzen konfisziert.

«Simple infrastrukturelle Gründe»

Kripo-Chefin Lentjes Meili bestätigt auf Anfrage eine Häufung der Fälle auch im Limmattal. Konzentrierte Vorkommen von Cannabisanlagen hätten «simple infrastrukturelle Gründe», sagt sie. Im Vergleich zu ländlichen Regionen seien die Umstände für Hanfanlagen-Betreiber im Limmattal wie in vergleichbaren Regionen besonders günstig: «Die örtlich hohe Dichte an Gewerbe- und Industrieliegenschaften ist aus Produzentensicht nur schon aufgrund der Art der verfügbaren Räumlichkeiten attraktiv», so Lentjes Meili.

Zudem gebe es im Limmattal Gegenden, «in denen man als Besitzer einer Liegenschaft verhältnismässig anonym bleiben kann». Die in der Region relativ häufigen Besitzerwechsel von Liegenschaften, die zahlreichen Baustellen und das hohe Vorkommen von leerstehenden Flächen führten dazu, dass andernorts auffällige Handlungen nicht als solche wahrgenommen werden. Auch Liefer- und Lastwagenverkehr falle an solchen Orten weniger auf. «Besorgt in Gebieten mit hoher Bautätigkeit jemand eine neue Lüftung, fällt das weniger auf als in Gebieten, in denen wenig gebaut wird», erklärt Lentjes Meili. Auch gute Verkehrserschliessungen oder eine hohe Bevölkerungsdichte mit weniger Sozialkontrolle können dafür begünstigende Faktoren sein.

Fällt auffälliges Verhalten nicht auf, sind folglich auch die Chancen geringer, dass die Fahnder durch Hinweise aus der Bevölkerung auf eine mögliche Anbaustätte aufmerksam gemacht werden. Wie die Kantonspolizei beim Aufspüren der Indooranlagen vorgeht, will Lentjes Meili aus ermittlungstaktischen Gründen nicht näher erläutern. Bekannte Indizien sind jedoch auffällig hohe Strom- und Wasserrechnungen oder Geruchsemissionen, die etwa von den Nachbarn wahrgenommen werden.