Limmattalbahn
Für breite Akzeptanz ist noch viel Arbeit nötig

Die Limmattalbahn war Tagungsthema bei der Delegiertenversammlung der Regionalplanung Zürich und Umgebung. Damit das Projekt von der Öffentlichkeit akzeptiert wird, braucht es noch viel Überzeugungsarbeit, so das Fazit.

Sandro Zimmerli
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Vor allem im Zentrum Dietikons ist die Linienführung der Limmattalbahn nach wie vor umstritten. (Visualisierung)

Vor allem im Zentrum Dietikons ist die Linienführung der Limmattalbahn nach wie vor umstritten. (Visualisierung)

«Auf der Ebene der Akzeptanz für die Limmattalbahn ist noch viel zu arbeiten», lautete das Fazit von Angelus Eisinger, als er die Delegiertenversammlung der Regionalplanung Zürich und Umgebung (RZU) schloss. Der RZU-Direktor bezog sich dabei nicht direkt auf die vorhergegangene Tagung, sondern auf eine Umfrage in der Limmattaler Zeitung von letzter Woche. Die Befragten zeigten sich dort skeptisch, teilweise unwissend gegenüber der geplanten Bahn.

Doch auch in den Referaten zur Limmattalbahn, die neben den ordentlichen Geschäften den zweiten Programmpunkt der Delegiertenversammlung bildeten, wurde einige Male angedeutet, dass es noch einige Überzeugungsarbeit braucht, um das Jahrhundertprojekt in der Bevölkerung breit abzustützen. So erklärte Dietikons Stadtpräsident Otto Müller, weshalb der Stadtrat im Bahnhofbereich eine alternative Linienführung fordert. «Die Limmattalbahn ist nicht ein öV-Projekt per se, sie soll auch zur Stadtentwicklung beitragen», so Müller.

Der Dietiker Stadtrat sei der Meinung, dass die heutige Linienführung beim Bahnhof noch zu viele Kompromisse beinhalte. So würde beim heutigen Planungsstand der Kirchplatz künftig von zwei Bahnen durchschnitten. «Das ist der Bevölkerung schwierig zu vermitteln», sagte Müller. Deshalb soll die Limmattalbahn den Bahnhof nicht direkt anfahren, sondern rund 120 Meter westlich davon eine Haltestelle «Sommerau» als Hauptumsteigeknoten geschaffen werden.

Müller sagte aber auch, dass es sich dabei um einen Antrag an das Dietiker Parlament handle. «Sollte das Parlament unserer Meinung folgen, werden wir eine Projektänderung beantragen», hielt er fest.

«Eine grosse Chance für Region»

Auch Beat Isler, Stabsleiter bei der Limmattalbahn AG, wies in seinem Referat darauf hin, dass man die Planung «mit Sorgfalt und Feingefühl angehen muss». Man könne nicht auf Teufel komm raus Platz beanspruchen. Man müsse auch Kompromisse eingehen.

Bei der Linienführung liegt einer der grossen Unterschiede zwischen der Limmattalbahn und der Glattalbahn, die von den Kosten von über 600 Millionen Franken und der Streckenlänge von 13 Kilometern ansonsten miteinander vergleichbar sind, fand Kantonsplaner Wilhelm Natrup. «Die Glattalbahn hat man über ein Industriegebiet geführt. Die Limmattalbahn muss durch die Ortszentren», so Natrup.

Unbestritten war bei allen Referenten, dass die Limmattalbahn für die Region eine grosse Chance ist. Das Tagungsthema stand dementsprechend unter dem Titel «Die Limmattalbahn als Rückgrat der Siedlungsentwicklung». «Die Limmattalbahn wird einen grossen Einfluss auf die Siedlungsentwicklung haben. Sie ist eine grosse Chance zur Schaffung einer neuen Identität für das Limmattal», sagte Isler.

Heinz Schröder, Regionalplaner bei der Zürcher Planungsgruppe Limmattal, rechnete vor, dass die Einwohnerzahl im Limmattal in den nächsten 20 Jahren um rund 13 000 Personen ansteigen und der Verkehr um 30 Prozent zunehmen werde. «Diese Verkehrszunahme muss vor allem mit dem öffentlichen Verkehr bewältigt werden», sagte er. Deshalb brauche es in diesem Bereich einen Quantensprung. «Darum ist die Limmattalbahn ein wichtiges Projekt für unsere Region», so Schröder. Die Bahn bringe dem ganzen Limmattal eine bessere Entwicklung im öffentlichen Verkehr.

Was der Regionalplaner damit meinte, führte Müller aus. «Auch die Gemeinden rechts der Limmat können mit guten Busverbindungen von der Limmattalbahn profitieren», hielt er fest. Das Projekt bringe Dynamik in die Siedlungsentwicklung. Insbesondere entlang der Strecke der Bahn. Natrup sprach gar von «einem Schlüsselprojekt in einem Gebiet von nationaler Bedeutung». Die Limmattalbahn könne einen Beitrag zu einer sinnvollen Siedlungs- und Verkehrsentwicklung leisten.