Limmattal
Für Bauern heisst Sommer nicht Ferien – im Gegenteil

Für Landwirte ist es während der warmen Jahreszeit am strengsten – Urlaub liegt für die meisten nicht drin.

Esther Laurencikova
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Vor dem Spätherbst gibt es für ihn keine Ferien: Walter Leuzinger vom Ankenhof in Oberengstringen erntet im Gewächshaus Auberginen.

Vor dem Spätherbst gibt es für ihn keine Ferien: Walter Leuzinger vom Ankenhof in Oberengstringen erntet im Gewächshaus Auberginen.

Florian Schmitz

Sind die Ferien gebucht und die Koffer gepackt, kann es losgehen. Für die meisten Limmattaler sind längere Reisen im Sommer selbstverständlich. Anders sieht es jedoch auf den Bauernhöfen im Limmattal aus. Da im Sommer Hochbetrieb herrscht, liegen für die Bewirtschafter höchstens ein paar Ferientage drin – wenn überhaupt.

«Der Sommer ist für uns die strengste Zeit», sagt Monika Stalder, Landwirtin des Stalder-Hofs in Aesch. Ferien sind für sie dann kein Thema. Viel eher machen andere auf dem Stalder-Hof Ferien. «Wir bieten Ferien auf dem Bauernhof an, ausserdem machen wir am 1. August einen Brunch», so Stalder. Daneben müssen Tiere versorgt und die Landwirtschaftsflächen bearbeitet werden. Im restlichen Jahr könne man sich aber ein paar Ferientage gönnen. Die letzte Ferienwoche war im März. «Wir sind eine Generationengemeinschaft, wenn unser Sohn Kapazitäten hat, können wir auch ein paar Tage verreisen.»

Erst wieder im Spätherbst

In Oberengstringen sind Sommerferien für den Gemüsebauer Walter Leuzinger ebenfalls kein Thema. «Wir sind im Sommer mit der Pflege der Kulturen und der Gemüseernte beschäftigt», sagt er. Im Spätherbst sei diese beendet, dann biete sich die Möglichkeit, ein paar Tage freizunehmen. Oft helfe dann die restliche Familie aus. Das Ehepaar Anita Le Spahn und Samuel Spahn vom Biohof Fondli in Dietikon fahren nur selten gemeinsam in die Ferien. «Wir sind auch schon zusammen verreist, aber dann war die Arbeit bei der Rückkehr ziemlich stressig.» Oft können die Aushilfen nicht alle Aufgaben erledigen, die anstehen. Auch auf dem Fondlihof ist der Sommer die strengste Jahreszeit. «Wir machen meist im Winter Ferien, auch wenn ich nicht so begeistert vom Wintersport bin», sagt Le Spahn. «Eigentlich hat es uns im Sommer sowieso zu viele Leute, die unterwegs sind.»

Auch für die Familie Eichenberger-Rey in Bergdietikon ist das Verreisen im Winter einfacher. «In dieser Jahreszeit muss man eigentlich nur den Tieren im Stall schauen», so Barbara Eichenberger-Rey. Trotzdem nehme man sich auch im Sommer ein paar Tage frei. «Ein paar Tage müssen drinliegen», sagt Eichenberger-Rey. «Das tut uns gut und gibt Energie für den Alltag.» Aus dem familiären Umfeld gäbe es immer ein paar Hände, die als Aushilfe anpacken könnten.

An längere Ferien ist von Mai bis Oktober auch auf dem Familienbetrieb Bühler in Oetwil nicht zu denken. «Neben der Versorgung der Kühe fällt auch die Getreide- und Kartoffelernte in diese Zeit», sagt Landwirt Benjamin Bühler. «Trotzdem versuchen wir, im Sommer zwei bis drei Tage freizunehmen.» Im Winter sei es etwas anders, da falle vor allem Stallarbeit an. «Mit der Unterstützung unserer zwei Lehrlinge liegen dann auch ein paar Ferientage mehr drin», sagt Bühler.

Auf dem Hofbetrieb der Familie Tschanz in Geroldswil liegt derzeit höchstens ein verlängertes Wochenende drin. Eine Möglichkeit, längere Ferien zu machen, ist aber das ganze Jahr lang kaum vorhanden. «Unsere Himbeerernte geht meistens kurz vor den ersten Minustemperaturen zu Ende», sagt Andreas Tschanz. Im Winter sei man mit Schneeräumen beschäftigt, da man Winterdienst anbiete. «So sind wir eigentlich das ganze Jahr ausgelastet», so Tschanz.