Weiningen
Fünf «Wasserbüffel» bringen eine Innerschweizer Tradition ins Limmattal

Der Brauch, frischgebackenen Eltern einen Baum vors Haus zu stellen, ist bei uns im Gegensatz zur Innerschweiz wenig verbreitet. Dass er in Weiningen auflebt, ist fünf «Wasserbüffeln» zu verdanken.

Sandro Zimmerli
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Moritz Lüthi und Sohn Laurin posieren vor dem Geburtsbaum. zim

Moritz Lüthi und Sohn Laurin posieren vor dem Geburtsbaum. zim

Sandro Zimmerli

Übersehen kann man den Geburtsbaum nicht. Fast sieben Meter ragt er in den Himmel. Er thront förmlich über der Weininger Chüegass. Der Anblick des Geburtsbaums ist nicht nur wegen seiner Grösse speziell.

«Wasserbüffel» nennen sich Erwin Camini, Moritz Lüthi, Daniel Müller, Daniel Schwab und Tobias Stadelmann, die als «Wasserbüffel» vor allem für ihren Raclette-Abend im Schlössli Weiningen bekannt sind. Er wird am Samstag zum 10. Mal durchgeführt. Dass die fünf Freunde, die ihren Namen einem ins Wasser gefallenen Skiweekend verdanken, auch ein altes Brauchtum pflegen, dürfte weniger geläufig sein.

«Wie die Idee zu den Geburtsbäumen zustande gekommen ist, kann ich nicht mehr sagen», sagt Moritz Lüthi. Er ist erst vor wenigen Tagen zum dritten Mal Vater geworden. Sohn Laurin ist also der jüngste «Wasserbüffel»; ihm ist der Geburtsbaum an der Chüegass gewidmet. «In der Innerschweiz ist der Brauch noch weit verbreitet. Die Menge der Geburtsbäume in einem Garten lässt auf die Anzahl Mitgliedschaften in einem Verein schliessen», so Lüthi. Der Baum symbolisiere das Leben.

«Zwei der ‹Wasserbüffel› haben einen Elternteil aus der Innerschweiz, daher kommt wohl der Brauch bei uns. Ich war der Erste aus dem ‹Wasserbüffel›-Clan, der Vater wurde», sagt Lüthi. Das war vor fünf Jahren, und vom einen auf den anderen Tag stand ein Geburtsbaum in seinem Garten. «Seither hat das Baumstellen Tradition bei uns», so Lüthi.

Eine Tradition, die viel Flexibilität von den «Wasserbüffeln» verlangt. «Einige wohnen in Wohnungen. Dort kann man den Baum nicht einfach in den Garten stellen. Man muss ihn beispielsweise an der Hausfassade befestigen», erklärt Lüthi. Zudem sei das Baumstellen eine Nacht-und-Nebel-Aktion. «Als Vater kann man sich gar nicht dagegen wehren», sagt er. Auch keine Frage sei es, dass der Baumbesitzer alle Helfer zu einem Essen einlädt. Dann nämlich, wenn der Baum nach rund einem Jahr wieder abgebaut wird. «Mittlerweile sind daraus richtige Kinderfeste geworden», so Lüthi.

Das brachte die fünf Freunde auch auf die Idee, wie sie den 10. Geburtstag gebührend feiern könnten. «Wir haben lange überlegt, was wir auf die Beine stellen könnten. Weil in unserem Freundes- und Kollegenkreis viele Eltern sind, haben wir uns entschieden, etwas für sie zu tun», sagt Lüthi. Deshalb wird nächsten Samstag erstmals in der Geschichte des «Wasserbüffel»-Raclette-Abends ein Kinderhütedienst angeboten. «Michael Hunziker von der Kinderkrippe Stärneland in Geroldswil wird von 19 bis 22 Uhr auf die Kinder aufpassen», so Lüthi. Den Eltern bleibt so genügend Zeit, um sich zu verköstigen und Freunde zu treffen. Von denen kommen viele an den Raclette-Abend. «Wir verkaufen jeweils rund 250 Portionen.»

Der Wasserbüffel-Racletteabend findet am Samstag, 5. April, ab 18 Uhr im Schlösslikeller in Weiningen statt. Betreuung für Kinder zwischen ca. 3 und 10 Jahren wird von 19 bis 22 Uhr angeboten.