Brücken bauen – mit diesem Ziel wurde 2007 die Dietiker Dialoggruppe Christentum-Islam ins Leben gerufen. Seither hat sie mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen zum Grenzen überschreitenden Dialog zwischen Vertreterinnen und Vertretern von Katholiken, Reformierten und Muslimen beigetragen.

Nach einigen personellen Wechseln hat sich die Gruppe neu aufgestellt und ausgerichtet. Sie will sich allen in Dietikon beheimateten religiösen Gruppen öffnen und heisst nun Interreligiöse Dialoggruppe Dietikon.

«Wir haben nun fast ein Jahr intensiv daran gearbeitet, uns neu zu organisieren», sagt die Theologin Pia Maria Hirsiger, die die katholische Kirche in der Dialoggruppe vertritt. Die Arbeit der vergangenen Monate hat Niederschlag in einem Leitbild gefunden.

Dort heisst es unter anderem, dass die Angehörigen unterschiedlicher Religionsgemeinschaften «in einem regelmässigen offenen und konstruktiven Dialog Wege finden sollen, einander zu verstehen und zu schätzen und damit zu einem friedlichen Zusammenleben in unserer Stadt beitragen».

Öffnung angestrebt

Gefördert werden soll dieser Dialog durch ein Pilotprojekt, das nächsten Mittwoch startet. Im Restaurant Bären direkt beim Bahnhof wird ein Stammtisch lanciert. «Die Idee besteht darin, dass wir uns nach aussen öffnen und nicht nur innerhalb der Gruppe einen Dialog führen. Die Bevölkerung soll sehen, was wir machen», sagt Peter Müdespacher, der die reformierte Kirche in der Dialoggruppe vertritt. Der Stammtisch soll ein Mal pro Monat stattfinden.

«Uns war es wichtig, dass diese Treffen nicht in einer Kirche, einer Moschee oder anderen religiösen Räumlichkeiten stattfinden, sondern an einem neutralen öffentlichen Ort», so Müdespacher. Die Schwelle, sich am Stammtisch zu beteiligen, soll möglichst tief sein.

Was in der Runde besprochen wird, ist völlig offen. «Das hängt stark davon ab, wer miteinander am Tisch sitzt. Es müssen aber nicht zwangsläufig religiöse Themen sein», sagt Hirsiger. Diese Ansicht vertritt auch Fatih Oral von der türkischen Moschee an der Bergstrasse.

«Am wichtigsten ist die Förderung eines gegenseitigen Verständnisses und der Toleranz. Dafür braucht es eine Öffnung des Dialogs über religiöse Fragen hinweg zu kulturellen Gewohnheiten und vor allem gemeinsamen Werten», sagt er.

Ein erster Schritt des Schrankenabbaus sei die Förderung der Kommunikation mit all ihren Aspekten, um so Erfahrungen über das einem Unbekannte zu ermöglichen und somit unbegründete Ängste abzubauen. «Ich bin der Ansicht, dass gegen meinungsbildende Schlagzeilen nur ein Kraut gewachsen ist, die direkte Kommunikation mit seinen Mitmenschen», so Oral.

Aus Sicht von Hirsiger ist eine solche Ausgangslage mit offener Gesprächsrunde reizvoll. «Dadurch, dass wir keine Themen vorgeben, können sich interessante Gespräche ergeben», sagt sie.

Auch Sandra Razic, Integrationsbeauftragte der Stadt Dietikon, sieht im Stammtisch eine gute Gelegenheit für die Bevölkerung, ihre Bedürfnisse zu äussern. «Das ist aus fachlicher Sicht wichtig, weil wir ja bedürfnisgerecht arbeiten wollen», sagt sie. Sie erlebe die Dialoggruppe jedenfalls als äusserst engagiert.

Auch fachlich sei viel Wissen vorhanden. «Die Leute in der Dialoggruppe sind Schlüsselpersonen, die gut vernetzt sind. Für mich als Integrationsbeauftragte sind das wichtige Ansprechpartner», so Razic. Die Offenheit und Zugänglichkeit einer solchen Plattform seien wichtig für die Integration.

Ein Integrationsprojekt, das bereits seit rund neun Jahren existiert, das Erzählcafé, erfährt ebenfalls eine Neuerung. «Das Angebot heisst neu Café-Treff für Frauen und soll ab dem kommenden Jahr öfters durchgeführt werden», sagt Monika Hemri, die Mitbegründerin der Dialoggruppe war und seither dabei ist.

Neu werde der Café-Treff vier Mal statt zwei Mal jährlich durchgeführt. Der nächste Café-Treff findet am 30. Januar 2019 statt.