«Es soll ein Werk sein, das nicht wieder hinfällt, wenn die Kerzen verlöschen, sondern andauern über viele Jahre.» Das waren die bewegenden Worte, die Pfarrer Ernst Sieber während der Weihnachtspredigt 1963 an die Dorfbevölkerung von Uitikon sprach. Der damalige Dorfpfarrer vertrat die Meinung, dass die wohlhabenden Einwohner doch etwas unternehmen sollten für hilfsbedürftige Kinder. Ein eigenes Haus für notleidende Kinder sollte gegründet werden.

Grundstück wurde nicht gefunden

Elsbeth Greminger, Ehefrau von Max Greminger, dem damaligen Gründer und langjährigen Vereinspräsidenten der Kinderhilfe Uitikon, erinnert sich noch gut an die Predigt im Jahre 1963. Der von Pfarrer Sieber geäusserte Wunsch habe im Dorf eine regelrechte Welle ausgelöst, sagt die 92-Jährige. «Sei es durch Lotterien, Theaterstücke oder Choraufführungen - das ganze Dorf half mit, um möglichst viel Geld einzuholen», erinnert sie sich.

Doch auch wenn schon bis Ende Mai 1964 stolze 288 Mitglieder für den Verein Kinderhilfe Uitikon gewonnen werden konnten, ein passendes und günstiges Grundstück für den Bau des Kinderhauses wurde nicht gefunden. Der Verein entschied deshalb, sich stattdessen am Kinderdorf Pestalozzi in Trogen zu beteiligen. Dort sollten Kinder aus Katastrophengebieten aufgenommen werden.

Nach und nach entstanden weitere Pläne für Hilfsprojekte. Nach der Unterstützung eines Schulhausbaus in einer Tibetersiedlung in Indien widmete sich die Kinderhilfe einem Projekt in Peru. Dort versuchten drei junge Schweizer Ärzte, in einer der ärmsten Gegenden des Landes medizinische Versorgung zu gewährleisten. Mit 100 000 Franken der Kinderhilfe Uitikon konnten im peruanischen Sandia drei Schulpavillons mit insgesamt 14 Schulzimmern erstellt werden.

Elsbeth Greminger erinnert sich daran, wie sie gemeinsam mit ihrem Mann an das Einweihungsfest reiste. «Auf der Rückfahrt wurde uns das Kinderdorf in Zarate gezeigt. Schnell dachten wir uns: Das wäre ein Projekt für Uitikon.»

Gremingers zogen um nach Peru

Die Kinderhilfe Uitikon schloss sich kurzerhand der Organisation SOS Kinderdorf an und die Gemeinde bewilligte 200 000 Franken für den Bau der Familienhäuser in Peru. Die Idee, dort eine Heimat für Kinder zu schaffen, gefiel den Uitikern. «Es schien, als würde das gewünschte Kinderhaus, das anfangs hier gebaut werden sollte, nun einen Platz im fernen Peru bekommen», so Greminger.

Gemeinsam mit ihrem Mann führte und koordinierte sie das Projekt von Anfang an vor Ort mit. Zehn Häuser für jeweils neun Kinder wurden gebaut, dazu ein Mitarbeiterhaus, ein Dorfladen und eine Wäscherei. Die Gremingers wohnten 17 Jahre in Peru und leiteten das Kinderdorf mit viel Elan.

Max Greminger sorgte für Pflegemütter und Mitarbeiter, möglichst gute Schulen, den Lebensmitteleinkauf, die Buchhaltung, die Mittelbeschaffung und die Samariterdienste. Elsbeth Greminger war Ansprechperson für alle Erziehungsprobleme - und das war bei den schwierigen Lebensgeschichten der Kinder meist gar nicht einfach. Viele kamen aus zerrütteten Familienverhältnissen. Hinzu kam die Betreuung der vielen Paten.

In Uitikon wurde derweil weiter fleissig Geld gesammelt für die Kinder in Peru. «Zu dieser Zeit war das Projekt tief verwurzelt im Dorf», sagt Greminger. «Was Pfarrer Sieber erreichen wollte, hat er definitiv geschafft», ist sich auch Luzia Huber, Mitglied des Vorstands der Kinderhilfe, sicher. Mit Sieber habe eine andere Ära in Uitikon begonnen, ergänzt Elsbeth Greminger.

Kinder bedanken sich bis heute

Die Kinderhilfe Uitikon betreut das Projekt in Peru nebst weiteren Projekten auf der ganzen Welt bis heute. Viele der damaligen Patenschaften wurden bis heute aufrechterhalten. Es sei aber schwieriger geworden, neue Mitglieder zu gewinnen, so Huber. «Den Leuten fehlt heute der Bezug zum Projekt. Früher wusste man: Die Gremingers sind vor Ort.»

Obwohl Elsbeth Greminger schon lange nicht mehr in Peru wohnt, bekommt sie bis heute Briefe der Kinder zugeschickt, mit denen sie sich bei ihr bedanken. Sechs der bereits erwachsenen Kinder aus dem Dorf besuchten sie auch schon in Uitikon. Sie haben jetzt eine Arbeit und führen ihr eigenes Leben. Es gebe nichts Schöneres als zu sehen, dass «ihre Kinder» jetzt auf eigenen Beinen stehen könnten und im Berufsleben angekommen seien, so Greminger.

Pfarrer Sieber, an der Weihnachtspredigt 1963 forderten Sie die Dorfbevölkerung von Uitikon dazu auf, etwas für hilfsbedürftige Kinder zu tun. Wie kam es zu dieser Idee? Pfarrer Ernst Sieber: Bei einem Besuch in Paris kam ich mit drei obdachlosen Kindern zurück. Mit meiner Frau hatte ich erst ein eigenes Kind, weshalb sie den Zuwachs mit offenen Armen empfing. Natürlich fragten sich die Dorfbewohner sogleich, woher ich denn plötzlich diese Kinder her hatte. Sie hatten alle keine Papiere. Durch diese drei Kinder entstand der Kontakt zu Max Greminger, dem späteren Vereinspräsidenten der Kinderhilfe Uitikon. Wie ging es weiter? Er sagte mir, wir könnten doch eine Kinderhausaktion im Dorf starten. Die Idee dahinter war, ein Haus für bedürftige Kinder in Uitikon zu eröffnen, das ihnen ein Zuhause sein sollte. So äusserte ich diesen Wunsch in meiner Weihnachtspredigt im Jahre 1963.Die Bevölkerung war begeistert von der Idee eines Kinderhauses. Jeder sammelte Geld für das Projekt. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?Die ganze Gemeinde wuchs zusammen, es war eine grosse Bewegung. Mit viel gutem Willen hat die ganze Bevölkerung mit angepackt. Die Dynamik, die dabei entstand, war riesig. Ich selbst habe mit meiner Frau einen grossen Chor zusammengestellt, mit dem wir Konzerte gaben. Die Kinderhilfe Uitikon besteht bis heute. Was bedeutet das für Sie? Ich habe fünfzig Jahre lang erlebt, dass die Bevölkerung ein offenes Herz und Portemonnaie hat, wenn Veränderungen in der Kirche zum Wohle des Menschen passieren. Weil sich die Bewohner öffneten und wussten, was sie unterstützten, gingen sie sehr praktisch und liebevoll an die Arbeit heran.

Nachgefragt

Pfarrer Sieber, an der Weihnachtspredigt 1963 forderten Sie die Dorfbevölkerung von Uitikon dazu auf, etwas für hilfsbedürftige Kinder zu tun. Wie kam es zu dieser Idee? Pfarrer Ernst Sieber: Bei einem Besuch in Paris kam ich mit drei obdachlosen Kindern zurück. Mit meiner Frau hatte ich erst ein eigenes Kind, weshalb sie den Zuwachs mit offenen Armen empfing. Natürlich fragten sich die Dorfbewohner sogleich, woher ich denn plötzlich diese Kinder her hatte. Sie hatten alle keine Papiere. Durch diese drei Kinder entstand der Kontakt zu Max Greminger, dem späteren Vereinspräsidenten der Kinderhilfe Uitikon. Wie ging es weiter? Er sagte mir, wir könnten doch eine Kinderhausaktion im Dorf starten. Die Idee dahinter war, ein Haus für bedürftige Kinder in Uitikon zu eröffnen, das ihnen ein Zuhause sein sollte. So äusserte ich diesen Wunsch in meiner Weihnachtspredigt im Jahre 1963.Die Bevölkerung war begeistert von der Idee eines Kinderhauses. Jeder sammelte Geld für das Projekt. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?Die ganze Gemeinde wuchs zusammen, es war eine grosse Bewegung. Mit viel gutem Willen hat die ganze Bevölkerung mit angepackt. Die Dynamik, die dabei entstand, war riesig. Ich selbst habe mit meiner Frau einen grossen Chor zusammengestellt, mit dem wir Konzerte gaben. Die Kinderhilfe Uitikon besteht bis heute. Was bedeutet das für Sie? Ich habe fünfzig Jahre lang erlebt, dass die Bevölkerung ein offenes Herz und Portemonnaie hat, wenn Veränderungen in der Kirche zum Wohle des Menschen passieren. Weil sich die Bewohner öffneten und wussten, was sie unterstützten, gingen sie sehr praktisch und liebevoll an die Arbeit heran.