Prävention

Für Jugendtreffs ist Alkoholausschank kein Thema

Für Jugendtreffs ist Alkoholausschank kein Thema. (Symbolbild)

Für Jugendtreffs ist Alkoholausschank kein Thema. (Symbolbild)

Ein Basler Politiker möchte Alkohol in Jugendtreffs erlauben. Limmattaler Jugendarbeiter erachten den Vorstoss als wenig sinnvoll.

In der Bar, am Flussufer, im Club. Es gibt viele Orte, an denen über 16-Jährige Alkohol konsumieren dürfen.

Der Basler SP-Grossrat Thomas Gander möchte, dass dies auch in Jugendtreffs erlaubt wird, wo das Ausschenken und Konsumieren bisher verboten war.

Er erhofft sich mit einer Aufhebung des Verbots, dass die Jugendlichen nicht im Geheimen trinken und das Thema so im Jugendtreff besser thematisiert werden kann.

Im Limmattal stösst der Vorstoss auf wenig Anklang. Matthias Arn, Jugendarbeiter des Jugendtreffs Weiningen, sieht keinen Zusammenhang zwischen Verbot und Thematisierung von Alkohol.

Nur, weil im Jugendtreff kein Alkohol ausgeschenkt und konsumiert werde, heisse das nicht, dass dieser nicht angesprochen werde.

Im Gegenteil, den Alkoholkonsum zu thematisieren, sei ihnen wichtig. «Erzählen uns die Jugendlichen, dass sie am Samstag an eine Party gehen, dann fragen wir am Sonntag, wie es war und ob sie Alkohol getrunken haben», sagt Arn.

So sei man gleich mitten im Thema. Meistens würden die Jugendlichen aus eigenem Antrieb auf die Leiter zugehen und erzählen.

Die gleiche Erfahrung macht auch Claudio Lucchi von der Jugendarbeit Spreitenbach. «Oft kommen sie im Vertrauten zu uns, um über ihre Erlebnisse zu sprechen.

Zum Beispiel, dass sie plötzlich ohne ihre Kollegen dastanden oder nicht mehr nach Hause fanden.»

Ab und an komme auch ein Jugendlicher mit einer Flasche Alkohol, die zu Hause nicht gut angekommen sei, um sie im Treff zu entsorgen.

Alkohol im Jugendtreff auszuschenken, ist für Michel Duc vom Jugendzentrum Dietikon der falsche Ansatz.

«Jugendliche, die unbedingt Alkohol wollen, kommen auch sonst an diesen ran. Das wollen wir nicht unterstützen», sagt er. «Auch gibt es genug Jugendliche, die sich von Alkohol distanzieren wollen.»

Spezielle Anlässe als Ausnahme

Und nicht nur das. Für Jugendtreffs in der Region hätte der Alkoholausschank auch noch weitere Konsequenzen. Viele Jugendtreffbesucher haben noch nicht das Mindestalter von 16 Jahren erreicht, 12- bis 15-Jährige könnten an den Alkohol gelangen.

«Wir hätten einen grossen Kontrollaufwand. Wenn die über 16-Jährigen Wein oder Bier tränken, müssten wir darauf achten, dass jüngere Besucher nicht auch davon nehmen», so Arn.

Auch Franzisca Schaub von der Suchtpräventionsstelle der Bezirke Affoltern und Dietikon findet, dass ein Jugendtreff sehr vorsichtig sein sollte, wenn jüngere Jugendliche anwesend sind. «Uns ist es wichtig, dass die Jugendschutzbestimmungen klar eingehalten werden», sagt sie.

Ausserdem wolle man die weitverbreitete Haltung «Alkohol gehört dazu» nicht etablieren. In gewissen Fällen seien sie aber nicht grundsätzlich gegen den Alkoholausschank und -konsum im Jugendtreff.

«Bei speziellen Anlässen Bier und Wein an 16-Jährige auszuschenken, halten wir für möglich.» Dabei sollen die Jugendlichen aber gut begleitet werden. Gegen ein absolutes Verbot von Alkohol in Jugendtreffs ist Pascal Leuchtmann, SP-Fraktionspräsident im Schlieremer Gemeinderat.

«Ich finde, dass Alkohol in Jugendtreffs nicht verkauft werden soll. Der Konsum von Alkohol, den die Jugendlichen mitnehmen, sollte jedoch eingeschränkt möglich sein.»

Dabei sei es aber wichtig, die Altersbeschränkungen einzuhalten. Beat Kilchenmann, Präsident der SVP Schlieren, hingegen meint: «Es soll weder ausgeschenkt noch konsumiert werden.»

Es gibt Jugendtreffs, die über 16-Jährigen Alkohol ausschenken. Einer davon ist Arn bekannt. Die Nachfrage sei aber sehr gering. «Viele Jugendliche wollen härteren Alkohol», sagt er. Und diesen kriegten sie sowieso erst ab 18 Jahren.

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