Der Startschuss für das Weihnachtsgeschäft ist gefallen, nun beginnt die «heisse Phase». In den nächsten Wochen werden die Kassen des durch das Internet gebeutelten Detailhandels klingeln. Viele Konsumenten bevorzugen gerade im Advent den klassischen Weihnachtseinkauf – nichts geht über ein festlich geschmücktes Lokal, eine glitzernde Beleuchtung oder ein opulent gestaltetes Schaufenster. Grosse Ketten überschlagen sich diesbezüglich, doch wie ergeht es kleinen Fachgeschäften im Schatten der mächtigen Konkurrenz? Sie setzen auf Tradition, Qualität und Persönlichkeit. Fünf von ihnen im Limmattal haben wir besucht:

Heidi Fluor, Inhaberin des Spielwarenladens «Spiel & Hobby» in Dietikon, freut sich auf die kommenden Wochen. Seit mehr als zwölf Jahren leitet sie das Geschäft an der Zürcherstrasse mit viel Herzblut. Sie ist gespannt auf das Weihnachtsgeschäft – nicht nur wegen leuchtender Kinderaugen. «Es ist für uns sehr wichtig, es macht bis zu einem Drittel unseres Umsatzes aus», so Fluor. Sie spürt die Konkurrenz und kämpft gleichzeitig gegen das Vorurteil an, dass kleine Fachgeschäfte automatisch teurer seien. «Gewisse Artikel sind bei uns sogar günstiger», so Fluor. Doch nicht nur optimale Geschäftsbeziehungen zu den Lieferanten gehören zur Erfolgsformel im Dietiker Spielzeugland, auch die persönliche Beratung und ein erlesenes Sortiment. Fluor hat eine grosse Auswahl an Gesellschaftsspielen, Holz-Spielzeugen oder auch Puppen. Was man im «Spiel & Hobby» aber nie findet, sind Waffen- und Kriegsspielzeuge. «Ich kann nicht verstehen, warum ein Kind damit spielen soll», erklärt Fluor. Sie preise lieber das gute alte Chasperli-Theater an.

Im Namen der Rose könnte das Motto des Blumengeschäfts «Aloha» in Urdorf sein. Seit über zehn Jahren werden an der Bergstrasse Blumen aller Art verkauft – und besonders weisse Rosen an Weihnachten. Auch für «Aloha» seien die kommenden Wochen wichtig, wie die stellvertretende Geschäftsleiterin Sarah Führer erklärt. Die Kundschaft möchte besonders im Advent das eigene Zuhause mit dekorativer Fauna schmücken – quasi als Geschenk an sich selbst. «Wegen des schönen Wetters kam bis anhin jedoch kaum Weihnachtsstimmung auf», so Führer. Dabei strahlen die vom «Aloha»-Team selbst gemachten Adventskränze und Gestecke im Lokal um die Wette.

Auch Michael Kollmann von der Barili Vinothek in Schlieren hat sein Lokal mitten im Zentrum dezent auf den Advent eingestellt, obwohl sein Sortiment das gleiche ist wie unter dem Jahr. Die grosse Auswahl an Weinen und Spirituosen wird allerdings durch ein zusätzliches Produkt ergänzt: «Wir verkaufen in der Weihnachtszeit auch Panettone; sie sind sehr beliebt», sagt der Weinkenner lächelnd. Das köstliche Gebäck stapelt sich in einer Ecke des Raums in festlicher Verpackung.

Über das gewisse Etwas im Weihnachtsgeschäft, ähnlich wie die Panettone im Weinhandel, verfügt auch Jürg Scheller in seiner Kaffeerösterei «Caffetino», ebenfalls in Schlieren. Neben dem Duft von frisch gemahlenem Kaffee verströmt sein Lokal derzeit auch denjenigen von gebrannten Erdnüssen. «Sie sind mein absoluter Hit in diesen Wochen», erklärt Scheller. Manche Kunden kämen von weit her, um seine Nüsse zu kaufen.

Aber auch der Kaffee als Weihnachtsgeschenk werde immer beliebter. Es sei doch einfallsreicher und gesünder, frischen Kaffee, ob Bohnen oder gemahlen, zu verschenken, als einfach die übliche «Verlegenheitsflasche» Wein, wie er meint.

Im Schuss ist derzeit die Goldschmiedin Yvonne Ruwoldt. Ihr Atelier in Oberengstringen kann sich über mangelndes Interesse nicht beklagen, aber in diesem Jahr nimmt sie das erste Mal am Weihnachtsmarkt in Schlieren teil. «Ich habe dort eines der Häuschen gemietet und will auf meine Arbeit hinweisen», meint Ruwoldt. Ihr liebstes Handwerk ist etwa der Perlenschmuck, den sie nach den Wünschen der Kunden gestaltet, oder das Gravieren in Gold, Silber oder Platin – beispielsweise von Fingerabdrücken. «Gravieren lässt sich sozusagen alles», so Ruwoldt. Auch dies könne ein schönes Weihnachtsgeschenk sein.

Adventsmärkte, wie sie die Goldschmiedin an diesem Wochenende besucht, bieten ebenfalls den grossen Einkaufszentren sowie dem Internet Paroli. Auch im Limmattal wird dieses Geschäft kräftig angekurbelt. Noch heute ist etwa der bereits erwähnte «Hüslimarkt» im Schlieremer Zentrum bis 17 Uhr geöffnet. Nächsten Samstag wird dann der St.-Nikolaus-Einzug am 30. Weihnachtsmarkt von Dietikon gefeiert.

Auch in Aesch wird vom 27. bis 28. November ein Weihnachtsmärt auf dem Brunnenhof organisiert. Auf der anderen Seite des Limmattals in Oberengstringen geht am 1. und 2. Dezember der beliebte Chlausmärt über die Bühne.

Auch wenn mittlerweile einige Stimmen laut wurden, dass der Geschenkbrauch an Weihnachten unnötig sei, beweist er doch, wie enorm wichtig er in der heutigen Zeit für den Detailhandel ist.