Schlieren

Für einmal wars nicht die Limmattalbahn: Autohändler liess Bäume wegen beschädigten Autos fällen

Vor dem Autohändler Auto Zürich West wurden acht Bäume gefällt.

Der Autohändler Auto Zürich West liess acht Bäume an der Zürcherstrasse fällen. Die Stadt pocht nun auf Ersatz.

Stefano Kunz’ Aussagen an der letzten Fragestunde des Schlieremer Parlaments sorgten für viele Spekulationen ausserhalb des Rates. Der CVP-Stadtrat und Bauvorstand sprach davon, dass an der Zürcherstrasse Bäume auf Privatgrund gefällt worden seien, ohne dass der Besitzer etwas davon gewusst habe. Dieser sei auf die Stadt zugekommen und habe gefragt, wo denn seine Bäume geblieben seien. Kunz’ Antwort bezog sich auf die Frage der SVP-Gemeinderätin Manuela Hemmi, wonach im Rahmen des Baus der Limmattalbahn auch Bäume gefällt worden seien, bei denen dies nicht notwendig war.

Im Austausch zwischen Kunz und Hemmi wurde es zwar nicht explizit erwähnt, impliziert wurde jedoch, dass die für den Bau der Stadtbahn verantwortliche Limmattalbahn AG das Missgeschick zu verantworten hat. Zumal in diesem Gebiet keine andere Bauherrin zahlreiche Bäume gefällt hat. Diese Annahme ist jedoch falsch, wie sich im Rahmen der Nachfrage bei den Beteiligten herausstellte.

Dem Autohändler entstanden grosse Schäden

Wie Recherchen der Limmattaler Zeitung ergaben, handelte es sich bei den besagten Bäumen um jene acht an der Zürcherstrasse 137 bis 143. Neben den Gebäuden, in denen sich verschiedene Betriebe einmieten, befindet sich ein grosser Platz, auf dem zahlreiche Autos ausgestellt sind und ein Autoturm steht. Den meisten Schlieremern dürfte er bekannt sein. Gibt man den Standort auf Google-Maps ein, sind die Bäume sogar noch zu sehen.

Diese Aufnahme von Google Maps zeigt die besagten Bäume im Jahr 2013.

Diese Aufnahme von Google Maps zeigt die besagten Bäume im Jahr 2013.

Doch wie kam es zur Fällung? Den Auftrag dazu gab Remo Baleri. Der Geschäftsleiter des Occasionshandels Auto Zürich West erklärt, dass die Bäume für sein Geschäft je länger, je schädlicher wurden. «Jährlich verzeichnete ich bei meinen Fahrzeugen Lackschäden durch herunterfallende Äste in der Höhe von rund 35 000 Franken. Das konnte so nicht mehr weitergehen.» Bei der Vermieterin der Parzelle respektive der Liegenschaftsverwalterin Livit AG habe man sich erkundigt, ob eine Fällung möglich sei, und im Anschluss an den positiven Entscheid den Auftrag an die Baum und Garten AG vergeben. «Es ist alles mit rechten Dingen zu- und hergegangen», so Baleri.

Wie es zu der Verwirrung gekommen sei, könne er sich nur damit erklären, dass die Limmattalbahn AG dasselbe Unternehmen für die Fällung der Bäume entlang der Strassenbahn-Linie beauftragt hatte wie er. Für Passanten könnte es demnach so ausgesehen haben, als sei das Unternehmen im Auftrag des Bahnbauers unterwegs.

Der Besitzer verzichtet auf eine Stellungnahme

Doch wer kontaktierte die Stadt und erkundigte sich nach dem Verbleib der Bäume? Laut Kunz ist der Liegenschaftsbesitzer tatsächlich nicht über die Fällung unterrichtet gewesen und habe bei der Stadt eine Nachfrage platziert. Der im Grundbuch eingetragene Landbesitzer ist die W. Stäubli Immobilien- und Beteiligungs-AG aus Wettswil. Mehrere Anfragen dieser Zeitung blieben unbeantwortet. Auch die mit der Liegenschaft betraute Immobilienverwalterin Livit verzichtet auf eine Stellungnahme.

Wo die Bäume waren, ist heute Schotter

Für Kunz steht fest: «Es ging nicht alles mit rechten Dingen zu und her.» Wie man weiter vorgehe, werde derzeit abgeklärt. «Es ist aber schade, dass man sich im Vorfeld nicht abgesprochen hat.» So sei es zwar das Recht von Grundbesitzern, Bäume, die nicht inventarisiert sind, zu fällen. «Doch rechneten wir und die Limmattalbahn AG mit dem Verbleib der Bäume und somit mit einer Baumallee», so Kunz. Allenfalls hätte man auf öffentlichem Grund Platz für Bäume schaffen können, wäre man über die Pläne informiert gewesen. «Dieser Zug ist inzwischen natürlich abgefahren.» Bezüglich der Verhandlungen, die derzeit zwischen den Beteiligten laufen, verrät Kunz, dass man auf eine Lösung abziele, bei der an derselben Stelle wieder Bäume gepflanzt werden. «Wir und hoffentlich auch der Liegenschaftsbesitzer sind also bestrebt, für Ersatz zu sorgen.»

Damit würden die Probleme mit den Schäden der Auto Zürich West aber wieder von neuem beginnen. Doch sorgten die Verantwortlichen von Auto Zürich West vor: So wurden die Stellen, wo die Bäume früher standen, inzwischen mit Schotter überdeckt. «Neue Bäume werden hier also keine mehr gepflanzt», sagt Baleri.

Meistgesehen

Artboard 1