Uitikon

Für einmal kurz ein Häftling sein

Blick von einer Zelle in den Innenhof.

Blick von einer Zelle in den Innenhof.

Am Wochenende wurde das Massnahmenzentrum Uitikon für Jugendliche für einen Tag für alle zugänglich gemacht.

Hand aufs Herz: Niemand möchte gerne ins Gefängnis, aber eine gewisse Faszination üben die schwedischen Gardinen doch aus. Entsprechend hoch war am Samstag der Andrang in Uitikon, als das Massnahmenzentrum (MZU) für einen Tag dem breiten Publikum zugänglich gemacht wurde.

Für 39 Millionen Franken wurde das Gebäude renoviert – nun erhielt auch die interessierte Öffentlichkeit Einblicke in diesen Ort für jugendliche Straftäter. Auf den ersten Blick sehen die Gebäude nicht wie ein Gefängnis aus, besonders der neue Trakt. Gitterstäbe sind Mangelware. So können die insgesamt 64 jungen Straftäter, die dort ihren Platz finden werden, ungehindert den Himmel sehen – und von der Freiheit träumen.

Wohlfühlambiente zur Eröffnung

Die Besucher am Eröffnungsanlass stellten sich hingegen vor, wie es wohl wäre, selbst ein Häftling zu sein. «Ob man hier wohl auch einen Tunnel graben und dann ausbrechen kann?», witzelte einer der Besucher. Er und viele andere drängten sich in das Areal hinein, und irgendwie herrschte dann auch eine gewisse Überraschung, da sich die Verantwortlichen alle Mühe gaben, um ein gewisses Wohlfühl-Ambiente an der Eröffnung zu erzeugen. So es gab eine Adventsausstellung in der Gärtnerei, ein Festzelt mit allerlei Leckerbissen oder eine Buchsignierstunde.

Schlüsselanhänger als Zeitzeugen

Für Spannung sorgte eine Feuerwehrübung, aber auch die geführten Rundgänge durch die geschlossenen Abteilungen waren sehr gefragt – das Fotografieren war dort strengstens untersagt. Und so wurde dem Publikum bewusst, dass das renovierte MZU der Realität durchaus Rechnung trägt und in der Schweiz das erste seiner Art ist, das die neuen gesetzlichen Vorgaben im Massnahmenvollzug von Jugendlichen und jungen Erwachsenen erfüllt.

Die filmreife «Gefängnis-Romantik», mit der einige Besucher das Gelände betraten, ging schnell vergessen, aber schliesslich konnten unbescholtene Bürgerinnen und Bürger einmal kurz erfahren, wie es ist, hinter Gittern, oder in diesem Falle, hinter Glas zu sitzen. Zum Abschied gab es für alle Besucher noch einen «Zeitzeugen» – einen Schlüsselanhänger, angefertigt aus dem Holz des alten Parkettbodens.

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