Kindhausen wird keinen neuen Dorfladen erhalten. Die Idee, in der ehemaligen Volg-Filiale im Bergdietiker Weiler ein neues Geschäft mit Produkten für den täglichen Bedarf und einem Bistro zu eröffnen, fand in der Bevölkerung zu wenig Unterstützung. Die drei Dorfbewohnerinnen Lotti Blättler, Andrea Hügli und Katrin Bürchler hatten nach der Schliessung des Volgs an der Egelseestrasse im vergangenen Herbst die Gründung einer Genossenschaft initiiert. Dafür brachten sie in der Gemeinde Flugblätter mit einem Talon in Umlauf. Wer die Genossenschaft mit einer Mitgliedschaft oder einem Sponsorbeitrag unterstützen wollte, konnte den Talon ausfüllen und den Initiantinnen zuschicken.

Aufgrund des geringen Rücklaufs sind diese nun zum Schluss gekommen, «dass wir unser Projekt nicht realisieren werden und auf dieser Basis auch nicht können», wie Lotti Blättler sagt. «Wir haben 1200 Flyer verteilen lassen, es gab Berichte in der ‹Bergdietiker Ziitig› und der Limmattaler Zeitung.» Trotz dieser Aktionen war die Zahl der Rückmeldungen gering: Laut Blättler haben lediglich etwa 70 Haushalte den Talon zurückgeschickt. Zu wenig, auch wenn «die Reaktionen positiv, motivierend, erfreulich und zum Teil auch sehr rührend» waren, wie Blättler sagt. Die vielen schönen Worte hätten sie erstaunt und berührt. Und gleichzeitig sei von den 70 Haushalten auch mehr Geld zugesichert worden als erwartet.

«Das war erfreulich. Doch für die Realisierung des Projekts hätte es einiges mehr gebraucht», sagt Blättler. Mit einem Genossenschaftsanteil von 200 bis 300 Franken von annähernd jedem der rund 500 Haushalte in Kindhausen «hätten wir gut starten können.» Zudem wäre es offensichtlich gewesen, dass die Bevölkerung hinter dem Projekt stehe.

Nicht kostendeckend möglich

Denn auch langfristig wäre das Projekt laut Blättler mit der Unterstützung von 70 Haushalten nicht tragfähig gewesen. «Bei diesem geringen Interesse hätten wir zu wenig Kundschaft gehabt», ist Blättler überzeugt. Und bei einer zu geringen Nachfrage hätten die Genossenschafter immer wieder Geld nachschiessen müssen. «Das wollten wir nicht. Wir haben ein kostendeckendes Projekt geplant.» Dass der Aufruf um Unterstützung der Genossenschaft auf so wenig Resonanz gestossen ist, haben sich die drei Initiantinnen «definitiv nicht so vorgestellt». Sie seien ein wenig enttäuscht, sagt Lotti Blättler. «Auf der anderen Seite wissen wir jetzt, dass das Interesse an einer Einkaufsmöglichkeit in Kindhausen zu wenig vorhanden ist.» Dies sei in diesem frühen Planungsstadium das primäre Ziel des Aufrufs gewesen: Herauszufinden, ob überhaupt ein Bedürfnis nach einem neuen Dorfladen bestehe. Und die Bereitschaft, diesen finanziell auch mitzutragen. «Nach dieser Umfrage haben wir nun immerhin eine klare Aussage.»

Kindhausen ist zu ruhig

Mit dem Dorfladen samt Bistro wollten die drei Initiantinnen neben einer Einkaufsmöglichkeit auch wieder einen Treffpunkt für die Bewohner des Weilers schaffen. Denn mit der Schliessung verschiedener öffentlicher Betriebe wie der Post, dem Kindergarten oder dem Restaurant Egelsee ist Kindhausen in ihren Augen zu ruhig geworden.

Der Volg war deshalb «gerade für ältere Kindhauserinnen und Kindhauser auch wegen des sozialen Austauschs wichtig», sagte Blättler im vergangenen Oktober gegenüber der Limmattaler Zeitung. Diese Meinung vertrat auch Gemeindeammann Gerhard Isler in der letzten Ausgabe der «Bergdietiker Ziitig». Im Editorial schrieb er, wie wichtig Treffpunkte in «unserer weitläufigen Gemeinde» seien, und zeigte sich erfreut über das Engagement der drei Initiantinnen.