In einem Geräusche-Ratequiz käme man wohl nicht auf die richtige Lösung. Ein Tumbler in der Waschküche rumpelt und brummt etwa in der Art. Hörbar, aber noch genug leise, dass man sich daneben unterhalten kann. Das ist eigentlich erstaunlich, wenn man sich die Dimensionen der Anlage im Tramdepot Oerlikon vor Augen hält: Fast 8 Meter lang, 2,5 Meter breit und etwa 2 Meter hoch ist diese neue Räder-Schleifmaschine.

Wobei: «Schleifmaschine ist die falsche Bezeichnung», sagt Projektleiter Philipp Allenbach. Es handle sich um eine Drehbank mit Hartmetallplättchen, die beim Drehen am Radreifen, der Bandage eines Rades, die Späne fliegen lassen. Allenbach: «Etwa so, wie wenn man einen Apfel schälen würde.»

Spanisches Tandem

Gerade ist eines der 36 Meter langen und 40 Tonnen schweren Cobra-Trams (60 Tonnen schwer ist es, wenn alle Sitz- und Stehplätze besetzt sind) auf die Anlage gerollt. Der spanische Zug- und Bahnzubehörbauer Talgo hat sie speziell für die Cobra-Räder gebaut. 2,2 Millionen haben die VBZ dafür gezahlt. Weltweit sind 120 ähnliche Anlagen in Betrieb. In Zürich steht aber eine Tandem-Kombination, und das gibt es in dieser Art bislang noch nirgends auf der Welt.

Die Installation kostete nochmals eine Million. Doch die Maschine kann die winzigen Dellen, die durch die Abnützung im Cobra-Radreifen entstehen, herausarbeiten – und dies erst noch gut doppelt so schnell wie die alte Schleifmaschine. Die Dellen – im Fachjargon spricht man von Polygonbildung (Vieleck) – machen sich vor allem durch ein störendes Rumpeln und Vibrieren innerhalb des Trams bemerkbar.

Alles automatisch

Beim neuen Cobra-Tram nützen sich die Räder schneller ab als jene der Tram-2000-Kompositionen, die neben den Cobra-Modellen in Zürich unterwegs sind. Grund: Weil eine Cobra nur halb so viele Räder hat wie das Tram 2000 – 12 statt 24 –, muss ein einzelnes Cobra-Rad nahezu das doppelte Gewicht tragen. Zudem ist das Cobra-Rad kleiner, was die Polygonbildung beschleunigt. «Es ist ein generelles Phänomen, dass bei Niederflurfahrzeugen die Radabnützung höher ist», erklärt Ueli Frick, Technikchef bei den VBZ. Frick betont denn auch, die Anschaffung der neuen Drehbank sei für sein Unternehmen keine Überraschung: «Wir haben von Anfang an gewusst, dass für die Instandhaltung der Cobra-Flotte eine leistungsfähige Unterflurdrehbank nötig sein wird.»

Eine Cobra muss sich der Drehbank-Prozedur unterziehen, nachdem sie etwa 30000 Kilometer zurückgelegt hat. Nur scheinbar eine grosse Distanz. Im alltäglichen Betrieb hat ein Tram so viel schon nach neun bis zehn Wochen erreicht.

Und so läuft der Drehvorgang ab: Zuerst erfasst die vollcomputerisierte Anlage Durchmesser und Profil des Rades. Und sie errechnet, wo und wie geschliffen beziehungsweise eben gedreht werden muss, um wieder ein sauberes Profil zu erhalten.

Diese Werte geben die VBZ-Angestellten ein und los gehts. Zwei Personen überwachen das Ganze. Sie entfernen die abgeriebenen Metallspäne und würden den Durchgang notfalls stoppen, falls ein Pro-blem auftauchen würde. Über Videoschirme können sie die Vorgänge am Rad mitverfolgen. Auch Cihan Oezgan, der gerade im Dienst ist, hat immer ein Auge auf den Bildschirm gerichtet.

«Gemütliche» Arbeit

Im Vergleich zur alten Schleifmaschine, die weiterhin in Betrieb bleibt, sei die Arbeit an diesem Gerät geradezu «gemütlich», sagt er. Je nachdem, ob mehr oder weniger Radbandagen abgetragen werden müssen, dauert der Vorgang zwei bis drei Stunden.

Bei jedem Durchgang wird die Bandage natürlich ein bisschen dünner. Endgültig genug ist, wenn der Radreifen-Durchmesser von 560 auf 500 Millimeter Dicke geschrumpft ist. Dann wird der Radreifen ersetzt. 15 Cobras sind bisher für eine rumpelfreie Fahrt fit gefeilt worden. Die Verantwortlichen sind zufrieden mit der Neuanschaffung.

Zufrieden mit der Cobra

Zufrieden zeigen sie sich auch mit dem Cobra-Tram – allen schlechten Schlagzeilen über Gerumpel, Türprobleme und mangelhafte Fahrersitze zum Trotz. Für Technikchef Frick sind dies Abnützungserscheinungen in einem üblichen Rahmen bei einem Fahrzeug, das lange Strecken zurücklegt. Die Cobra erfülle ansonsten alle Anforderungen, welche die VBZ gestellt hätten. Und nur die Cobra-Trams schafften, was bislang kein anderes Tram geschafft habe: «Sie sind quietschfrei.»