Kloster Fahr

Für ein paar Gebete mit dem Putzkessel durch den Klostergang

Die Nonnen haben gestern mithilfe von Freiwilligen 200 Klosterfenster geputzt. Die Helfer machen das für ein paar Gebete der Schwestern.

Schwester Martina klatscht den triefenden Lumpen auf die Scheibe. Energisch fährt sie dem Rahmen entlang, dann kurz durch die Mitte. Manchmal lösen sich dürre Kittstreifen aus dem Rahmen, die sich in den Fasern verhaken, mal platzt etwas weisse Farbe ab. Mit einem Mikrofasertuch reibt Schwester Martina die Scheibe trocken. Acht Mal pro Fensterflügel; in acht kleine Fensterchen ist das Sprossenfenster unterteilt.

Es ist Fensterputztag im Kloster Fahr. Wie jeden Frühling werden die Vorfenster aus den Verankerungen gehoben, geputzt, und bis im Herbst eingelagert. Rund 500 Fenster gibt es im Kloster, gut 200 davon werden für die warme Jahreszeit ausgehängt. 200 Fenster auf einmal putzen; das wäre für die Schwestern im Kloster etwas viel. Deshalb greifen ihnen Mitglieder des Vereins Pro Kloster Fahr unter die Arme - finanziell und eigenhändig. Sie bezahlen die Firma, die die schweren Fensterflügel aushängt, und greifen selber zum Putzkessel.

Das geht in die Arme

Rund 15 Kilogramm wiegt ein Fensterflügel. Jeder muss auf die Böckli hochgehoben, umgedreht und wieder zur Seite gestellt werden. Das geht in die Arme, bei 200 Stück. «Es ist eine strenge Arbeit», sagt Schwester Martina. Aber eine, die halt gemacht werden müsse. Für die Hilfe der Freiwilligen seien die Schwestern deshalb sehr dankbar. «Und bei den guten Gesprächen, die man während des Putzens führt, macht die Arbeit sogar etwas Spass.»

Frieda Steiger aus Schlieren kratzt gerade eingetrocknete Mücklein aus einer Ritze. «Ich staune, wie die Schwestern diese Arbeiten meistern. Es ist recht anstrengend», sagt sie. Deshalb helfe sie gerne mit, nicht nur heute. Auch wenn Arbeiten im Weinkeller oder im Garten anstünden, komme sie her. «Das Kloster ist für mich fast wie ein zweites Zuhause», sagt Steiger. Sie hat hier die Bäuerinnenschule absolviert, und eine der Schwestern ist ihre Cousine.

Auch Monika Horner aus Höngg arbeitet gerne freiwillig mit. Schwester Martina habe ihr einmal gesagt, dass die Schwestern den Helfern als Entschädigung gerne etwas geben würden. «Aber sie hat gesagt, sie könnten nicht mehr geben, als für uns zu beten», sagt Horner und drückt den nassen Lumpen aus. Beten, das sei ihr Wert genug.

Unterschiedliche Putzmethoden

Jeder Helfer hat seine eigene Fensterputzmethode: Frieda Steiger beispielsweise braucht reines, aber ganz heisses Wasser, dazu ein Mikrofasertuch und einen Gummischaber, den sie quietschend über das Glas zieht. Monika Horner bevorzugt einen Sprutz Putzmittel im Wasser, schwört aber auch auf den Gummischaber. Ihr Mann, Franz Horner, verzichtet auf das Mikrofasertuch; er trocknete mit einem gewöhnlichen Baumwoll-Küchentuch, das er sich unter den Gürtel klemmt.

Auch wenn die Fenster mit Vorfenstern versehen sind, ist es im Winter empfindlich kalt in den Klostergängen. Diesen Winter sei es sogar so kalt gewesen, dass sich an den Scheiben Eisblumen gebildet hätten, sagt Schwester Martina. Wie alt die Fenster sind, weiss niemand so genau. Aber den Farbschichten nach zu schliessen, dürften es einige Jahrzehnte sein; die übermalten Schrauben ragen wie dicke Knubbel aus dem Holz. Die Flügel, die gesprungene Scheiben haben, oder bei denen sich der Kitt löst, werden zum Flicken aussortiert. Die intakten Fenster werden in den Seitengängen gelagert, geordnet nach Fensternummern. Das Wetter hat die Rahmen in den alten Gemäuern so verzogen, dass jeweils nur der originale Fensterflügel passt.

Ob die Fenster bei der geplanten Renovation ersetzt werden, ist noch nicht klar. «Neue Fenster waren mal ganz weit vorne auf der Liste, aber inzwischen sind sie weit nach hinten gerutscht», sagt Schwester Martina. Viele Dinge seien noch viel dringender zur ersetzen. «Da würde ein Hagelsturm nützen», sagt Monika Horner und die Frauen lachen. Ein ebensolcher Sturm habe beim Kloster Einsiedeln eine ganze Fensterfront verscherbelt. «Dort bekommen sie jetzt nigelnagelneue Fenster, ohne einen Rappen dafür in die Finger zu nehmen.»

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