Damals dachte kein Mitglied daran, dass die kreative Pause zum endgültigen Aus werden würde. «Wir waren voller Zuversicht, dass wir unsere Aktivität in der nächsten Saison wieder aufnehmen würden», sagt der Präsident der Theatergruppe Schlieren, Thomas Huber. Denn es sei nicht ihre Absicht gewesen, die Gruppe aufzulösen, sondern nur, eine Auszeit zu nehmen. Eine Auszeit, um durchzuatmen und über die Zukunft nachzudenken: Dem Laientheater fehlte nämlich Führungspersonal. «Einige langjährige Mitglieder haben sich damals zurückgezogen», erklärt Huber.

Im letzten Jahr, so der 46-Jährige, hätten die meisten der 24 Theatermitglieder letztlich gesagt: «Wir bekommen es nicht mehr auf die Reihe.» Denn viele der Gruppe, darunter auch Huber selber, seien stark von Beruf und Familie eingenommen und somit auch weniger bereit gewesen, Zeit für das Hobby aufzuwenden. Der Vorhang der Theatergruppe, die 1955 gegründet wurde, bleibt nun also definitiv am Boden.

«Theater ist ein wunderschönes Hobby. Aber es ist mit sehr viel Aufwand verbunden», sagt Huber, der seit 12 Jahren mitspielt. Anfang Jahr wählte die Spielkommission die Stücke aus und besetzte die Rollen; dann klärte man ab, ob, wie und in welchem Rahmen eine Inszenierung möglich ist; ab April standen regelmässige Proben und das Auswendiglernen der Rollen auf dem Programm. Die letzten drei Wochen vor der Erstaufführung, so Huber, seien jeweils die strengsten gewesen. «Aber es waren sehr schöne Zeiten, die wir gemeinsam erlebt haben», sagt er rückblickend.

Die Gruppe hatte viel zu lachen

Gerne erinnert Huber sich an seinen ersten Theaterauftritt mit der Gruppe: «Ich bekam gleich die Hauptrolle. Das war eine grosse Herausforderung.» Während zweier Stunden hatte «Henry» 540 Bühneneinsätze zu meistern. «Auf so viele kam ich später nie wieder», sagt er lachend. Die Gruppe habe ihm zu Beginn die wichtigsten Tipps und Tricks des Laientheaters beigebracht. Natürlich sei es auch vorgekommen, dass jemand einmal den Text vergass oder zum falschen Zeitpunkt auf der Bühne erschien. «Keine Aufführung war perfekt», sagt der Betriebswirtschafter. Meistens habe das Publikum den Fauxpas gar nicht bemerkt — und wenn, «wurde gelacht und verziehen.»

Viel zu Lachen gab es auch für die Mitglieder; während, vor oder nach den Proben. «Wir hatten immer viel Spass», sagt er. So etwa, als er einmal für eine Szene nur in Unterhosen gekleidet auf der Bühne erscheinen musste. Nach der Aufführung streckte ihm eine Zuschauerin eine Visitenkarte entgegen: «Sie war eine Ernährungsberaterin!», sagt Huber lachend.

Gelegentliche Treffs in Zukunft

Mit einem weinenden und lachenden Auge blickt er auf die Jahre zurück: «Wir trauern den schönen Zeiten nach.» Realistisch gesehen, sei das Beenden der Vereinsaktivität jedoch die richtige Entscheidung gewesen. Zudem ist Huber überzeugt, dass sich der «harte Kern» der Gruppe auch in Zukunft gelegentlich treffen wird: an einem Grilltag oder — wie könnte es anders sein — an einem gemeinsamen Theaterbesuch.