Birmensdorf

Für den Wirt erlischt die «Sonne» – für das Dorf nicht ganz

Daniel Ramseyer schenkt in seiner «Sonne» nur noch bis Ende Jahr Bier aus.

Daniel Ramseyer schenkt in seiner «Sonne» nur noch bis Ende Jahr Bier aus.

Nach 50 Jahren zieht sich die Familie Ramseyer aus dem Gasthaus zurück. Der Inhaber und Wirt des Gasthauses Sonne in Birmensdorf heisst seine Gäste nur noch bis Ende Jahr willkommen.

Mit Freude und Wehmut blickt Daniel Ramseyer auf die kommenden Monate. Danach werden die Liegenschaft sowie die zwei benachbarten Gebäude teilweise abgerissen und umgebaut — die 50-jährige Ära der Wirtefamilie Ramseyer wird zu Ende gehen.

Daniel Ramseyer hat die «Sonne» vor 30 Jahren von seinem Vater Gerhard übernommen. Eigentlich, so der gelernte Gastronom, habe sein Vater sich gewünscht, dass er im Betrieb mithilft. «Ich habe ihm aber gesagt, dass ich das Gasthaus alleine führen möchte», sagt der 58-jährige Aescher. Ohne jedes Wenn und Aber stimmte der Vater zu. Dennoch durfte Gerhard Ramseyer seinen Sohn in der Anfangsphase unterstützen, danach überliess er ihm das Zepter ganz.

«In all diesen Jahren habe ich viele Geschichten erlebt», sagt Daniel Ramseyer in der gemütlich eingerichteten Gaststube. So kann er sich noch genau daran erinnern, wie er am 1. Juli 1983 seinen ersten Gast empfangen hat. Oder wie er früher Hunderte von Rekrutenschülern vom Waffenplatz Reppischtal während des Ausgangs bewirtete. «Es galt, immer neue Herausforderungen zu meistern. Das war das Schöne und Spannende am Beruf», sagt Daniel Ramseyer. Auch wenn es in der Bar, im Hotel und im Restaurant von Montag bis Sonntag viel zu tun gab, war er gemeinsam mit seiner Ehefrau stets mit Herzblut bei der Arbeit. Kein Wunder hiess es denn bei den Stammgästen auch: «Komm, wir gehen zu Dani» und nicht etwa «komm, wir gehen in die ‹Sonne›.»

Das Restaurant — wenn auch redimensioniert — bleibt nach dem Umbau weiterhin bestehen. Wer es später pachten wird, das weiss Daniel Ramseyer nicht. «Eigentlich könnte ich mich dafür bewerben», sagt er mit einem Schmunzeln und fügt an: «Aber das möchte ich nicht. Ich bin jetzt offen für Neues.»

Für Ramseyer hat alles gepasst

Die Entscheidung, nach 30 Jahren kürzer zu treten, hat sich nach und nach ergeben: Vor zwei Jahren wurden die Liegenschaften an der Luzernerstrasse 3 und 5 von der Zürcher Schällibaum und Partner AG gekauft. Als deren Inhaber einmal in der «Sonne» einkehrte, hat er Daniel Ramseyer gefragt, ob er es sich vorstellen könnte, das Gebäude zu verkaufen. Ramseyer antwortete, dass er bereits mit dem Gedanken gespielt habe. «Ich habe keine Nachkommen», sagt der Wirt. Zudem wären bald kleinere Renovationsarbeiten nötig gewesen. «Es hat alles gepasst. Für mich war das eine Chance», sagt Ramseyer rückblickend.

Zwar sei es nicht einfach, nach 30 Jahren Selbstständigkeit nicht genau zu wissen, was jetzt nun geschehen soll. «Ich lasse das Ganze erst einmal auf mich wirken», sagt er. Ob Daniel Ramseyer danach wieder im Gastgewerbe Fuss fasst oder in einer anderen Branche einen Neuanfang wagt, das lässt er offen.

Sicher ist, dass ihm die Arbeit nicht ausgehen wird: Auf dem elterlichen Bauernhof in Aesch, der von der Familie Ramseyer in dritter Generation geführt wird, gibt es immer etwas zu tun. «Vom Wirt zum Landwirt», sagt der Gastronom lachend. Ganz ausschliessen will Daniel Ramseyer dies nicht: Er mag die Arbeit draussen in der Natur. «Die Pferde pflegen und das Land bewirtschaften, gefällt mir», sagt er. Doch bevor er sich mit Zukunftsfragen beschäftigt, wird er mit seiner Familie zum ersten Mal für mehr als nur eine Woche in den Urlaub fahren und die Seele baumeln lassen.

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