Schlieren

«Für das Zentrum ist die Eventhalle nach wie vor eine gute Idee»

Jean-Claude Perrin an dem Ort, der ihn den Grossteil seiner Amtszeit als Schlieremer Stadtrat in Atem hielt: Am Stadtplatz. «Es ist nicht zu spät für eine Zwischennutzung.»

Jean-Claude Perrin an dem Ort, der ihn den Grossteil seiner Amtszeit als Schlieremer Stadtrat in Atem hielt: Am Stadtplatz. «Es ist nicht zu spät für eine Zwischennutzung.»

Der ehemalige Hochbauvorstand Jean-Claude Perrin schlägt in der unendlichen Geschichte um den Schlieremer Stadtplatz ein neues Kapitel auf. Darin bringt er die Eventhalle wieder ins Gespräch.

Jean-Claude Perrin steht neben der Parkbank auf dem umstrittenen Schlieremer Zentrumsplatz und schaut in die Ferne. Vor ihm liegt der Ort, der ihn während eines Grossteils seiner Amtszeit als Schlieremer Stadtrat in Atem gehalten hat. «Das Land zwischen dem Parkplatz bei der Abzweigung Engstringerstrasse . . .», sagt er und zeigt in Richtung Osten, «und den alten Bauernhäusern an der Ringstrasse», sein Oberkörper wechselt die Richtung und zeigt nun gegen Westen, «hat dieselbe Fläche wie der gesamte Zürcher Bellevueplatz bis zum Opernhaus.» Man sieht dem ehemaligen SVP-Hochbauvorstand an, dass er sich ausmalt, was hier alles möglich wäre.

Herr Perrin, was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie den Schlieremer Stadtplatz sehen?

Jean-Claude Perrin: Mich stört der gegenwärtige Zustand. Ich freue mich auf den Moment, an dem er keine gesichtslose Brache mehr ist.

Stadtplaner teilen diese Meinung, wie sich kürzlich bei einer Podiumsdiskussion zur Schlieremer Stadtentwicklung zeigte. Was wünschen Sie sich fürs Zentrum?

Seit dem Stadtentwicklungskonzept aus dem Jahr 2005 weiss ich, was ich mir hier vorstelle. Schlieren soll eine Mitte bekommen, die definiert und charakterisiert. Jedermann soll wissen, dass hier Schlieren ist.

Die Idee des Bauunternehmens Halter einer Eventhalle kam nicht gut an. Die Bevölkerung favorisierte im Rahmen eines Mitwirkungsverfahrens den vergrösserten Stadtpark. Können Sie das nachvollziehen?

Es ist richtig, dass an der grossen Parkfläche festgehalten wurde. Verworfen wurde aber nicht die Idee einer zentral gelegenen Stadthalle als Ersatz für den Salmensaal, die deutliche Mehrheit stellte sich gegen eine übergrosse Eventhalle. Das kann ich schon verstehen.

Was soll denn stattdessen das Zentrum beleben?

Die Dimensionen des Halter-Projekts mit seinen 6000 Stehplätzen mögen für Schlieren sehr gross erscheinen. Aber ich bin nach wie vor der Ansicht, dass es sich dabei um eine gute Idee handelt. Dieser hätte man die Chance auf sorgfältige Ausarbeitung geben dürfen.

Wie soll die Stadt nun reagieren?

Sie hat bereits reagiert, indem sie beschloss, das Grosshallenprojekt nicht weiterzuverfolgen. Gleichzeitig hat der Stadtrat ein kleines Gremium gebildet, das die weitere Zentrumsplanung angehen soll. Mir steht es nicht zu, meinem ehemaligen Kollegium Ratschläge zu erteilen. Wichtig ist, dass keine unüberlegten Schnellschüsse gemacht werden. Solche werden nur schwerlich verkraftet.

Die Situation soll also so belassen werden, wie sie ist?

Nein. Es könnte etwas geschaffen werden, das die Zukunft nicht verbaut. Trotzdem hoffe ich, dass die Exekutive schnell abklärt, ob es einen Zentrumsbau geben soll oder nicht. Die Schlieremer müssen wissen, was auf sie zukommt, damit sie sich damit auseinandersetzen können.

Hätte Schlieren schon heute ein schönes Zentrum, wenn das Stadtentwicklungskonzept konkreter gewesen wäre?

Nein. Aufgabe des Konzepts war das Was und nicht das Wie. Hingegen wäre man vermutlich erfolgreicher gewesen, hätte man sich an das Konzept gehalten. Mit dem Grossprojekt von Halter haben wir das Konzept verlassen, waren uns aber nicht bewusst zu welchem Preis.

Was war der Preis?

Unverständnis und Ablehnung. Wir waren nicht gewappnet für die Fragen, die sich im Nachzug dieses Kurswechsels stellten. Was geschieht mit dem Mehrverkehr? Welche Konzepte bestehen in Sicherheits- und Sauberkeitsbelangen? Mit diesen Fragen wurden wir aber prompt konfrontiert, ohne dass wir Lösungsideen dazu ausgären lassen konnten.

Hätten Sie im Jahr 2005 gedacht, dass man im Jahr 2014 noch immer nicht weiss, was im Zentrum kommen soll?

Nein. Wir hatten relativ früh pfannenfertige Lösungen. Die zwei für die Gebietsentwicklung verantwortlichen kantonalen Departemente befanden sich damals jedoch in einschneidenden Umbrüchen. Die Umlegung von Abteilungen, die Wechsel von Führungspersonen und die Verlagerung von Zuständigkeiten verzögerte die Zentrumsentwicklung sehr. Zudem ist der Landabtausch zwischen Stadt und Kanton sehr aufwendig. Diese Verhandlungen sind grösstenteils noch heute nicht abgeschlossen.

Wann, denken Sie, kann mit der Umgestaltung begonnen werden?

Wenn im Jahr 2017 mit dem Bau der Stadtbahn begonnen werden soll, dann sollten auch wir in Bezug auf die Gestaltung des Verkehrskreisels in den Startlöchern stehen.

Das geht noch knapp drei Jahre. Gemeinderat Niklaus Wyss (GLP) verlangt vom Stadtrat ein professionelles Zwischennutzungskonzept. Was halten Sie davon?

Viel. Es lagen bereits Entwürfe von Zwischennutzungskonzepten vor. Diese wurden jedoch wegen der Kosten auf Eis gelegt.

War dies der einzige Grund?

Auch dass eine Zwischennutzung an diesem Ort ein departementsübergreifendes Projekt ist, erschwert die Arbeit. Man hat es unterlassen, eine sinnvolle Zwischennutzung zu gestalten. Dafür ist aber auch die fehlende Manpower mit entsprechendem Fachwissen in der Verwaltung verantwortlich.

Ist es jetzt zu spät, um bis 2017 eine sinnvolle Zwischennutzung zu gestalten?

Nein. Es braucht aber pragmatische Lösungen. Würde man nur die Rasenfläche regelmässig mähen, hätte die Fläche den Anschein eines Parks. Auch einfache Sitzgruppen würden die Aufenthaltsqualität steigern. Die Zwischennutzungen sollten aber gut ins Gesamtbild passen.

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