Dietikon war noch ein Dorf, als der Verkehrsverein Dietikon im Herbst 1913 gegründet wurde; nur gerade 4500 Einwohner zählte es. 100 Jahre später hat sich einiges verändert. Dietikon ist längst eine Stadt mit fast 24 000 Einwohnern, und der Verkehrsverein wurde in Stadtverein Dietikon umbenannt. Heute setzt sich der Verein auch nicht mehr hauptsächlich für die Dietiker Verkehrsanbindungen, sondern für das Ortsmuseum, für Stadtführungen und Grenzbegehungen, die Neujahrsblätter und die 1.-August-Feier ein.
Die Vereinsgeschichte liest sich gut, in den letzten 100 Jahren wurde allerlei Spannendes dokumentiert. Im Neujahrsblatt Dietikon 2013 ist die ausführliche Geschichte nachzulesen - zum Auftakt des Jubiläumsjahres erscheint hier eine kleine, unvollständige Übersicht über wichtige Leistungen und Errungenschaften des Vereins.

Die Gründung Der Verkehrsverein Dietikon (VVD) wird am 22. Oktober 1913 auf Initiative von Ingenieur Hans Koch und Postverwalter Johann Strohmeier hin gegründet. Koch wird zum Präsidenten gewählt, Strohmeier zum Aktuar. Präsident Koch schwebt unter anderem vor, das industrielle Wachstum zu fördern, die Telefongebühren zu senken und für bessere Zugsverbindungen im Limmattal zu sorgen. Die Versammlung schlägt ausserdem vor, sich für die Errichtung eines Freibades im Zentrum sowie die Herausgabe eines Dorfführers einzusetzen.

Mitglieder mit Ausflügen locken Zur Gründung des Verkehrsvereins im Jahr 1913 erscheinen 32 Interessierte. 1921 zählt der Verein bereits 100 Mitglieder. Sehr dürftig sind aber die Zahlen der Mitglieder, die die Generalversammlungen besuchen. Das Blatt wendet sich erst, als 1972 nebst der Versammlung erstmals auch eine Exkursion organisiert wird. Seither findet jedes Jahr ein Ausflug an einen historischen Ort statt. Heute zählt der Verein über 400 Mitglieder, mehr als 100 kommen jeweils an die Generalversammlungen.
Mit Blumen zu Ruhm und Ehre Bereits in den Statuten aus dem Jahr 1913 wird als einer der Zwecke des Verkehrsvereins festgehalten, «die Verschönerung des Dorfes mit den zu Gebote stehenden Mitteln anzustreben und zu unterstützen». Um diesem Zweck Gewicht zu verleihen, wird der Verkehrsverein 1928 in «Verkehrs- und Verschönerungsverein Dietikon» umgetauft. In den Jahren 1930 und 1931 werden zum ersten Mal blumengeschmückte Fenster und Balkone prämiert. Weil dem Verein aber das Geld ausgeht, fällt die Prämierung danach für 20 Jahre aus. 1951 macht sich die Kommission wieder auf, zahlreiche Balkone und Fenster zu besichtigen. 20 besonders schön geschmückte Exemplare werden ausgezeichnet und mit je zehn Franken belohnt. In den Neunzigerjahren wird die Prämierung aufgegeben, zu gross war jeweils die Enttäuschung der Nicht-Prämierten.

Kein Verkehrsverein ohne Bänkli Zum Verkehrsverein gehört das Bänkli wie das Amen zur Kirche. 1915 werden die ersten vier Ruhebänkli beim Bahnhof, auf dem Kirchplatz und beim Friedhof aufgebaut. Dafür wird sogar eigens eine «Arbeitsgruppe für Ruhebänke» gegründet, die die Bänkli über das gesamte Gemeindegebiet verstreut aufstellen lässt. Und das nicht zu knapp: 1967 beispielsweise wurden durch die Arbeitsgruppe allein entlang der Limmat 17 Bänkli errichtet. Im Jahr 1980 zählt der Verkehrsverein auf Dietiker Gemeindegebiet 273 Bänke.

Bundesfeier: Eine Wand für die Akustik 1923 führt der Verein die erste Bundesfeier durch - eine Tradition, die bis heute anhält. Im Jahr 1944 geraten sich der Vorstand des Verkehrsvereins und der Männerchor Dietikon wegen des Durchführungsorts für die Bundesfeier in die Haare: Der Männerchor ist der Ansicht, dass der Gesang auf dem Schulhausplatz viel besser klinge und die Bundesfeier deshalb nicht mehr auf der Spielwiese unterhalb der reformierten Kirche stattfinden solle. Man einigt sich schliesslich darauf, die Feier auf der Spielwiese vor einer provisorisch aufgestellten Wand durchzuführen, die die Akustik des Gesangs verbessert.

200 Franken für das erste Neujahrsblatt 1948 wird an der Generalversammlung ein jährlicher Beitrag von 200 Franken genehmigt. Damit sollen die Kosten für das neu gegründete Neujahrsblatt gedeckt werden. Die erste Ausgabe mit einer Auflage von 1000 Exemplaren ist eine Abhandlung über die Landeskunde des Limmattals. Seit 1948 sind 66 weitere Neujahrsblätter erschienen.

Benzinlager und Telefonkabine Seit je her war der Verkehrsverein nicht nur um die Optimierung von Fahrplänen und ein schönes Ortsbild bemüht, sondern auch für Anliegen aus der Bevölkerung, als Vermittler zwischen Behörden und Bewohnern zuständig. Als beispielsweise 1921 im Tessin ein Benzinlager explodiert und zwanzig Menschen sterben, bohrt der Verkehrsverein so lange bei Gemeinde- und Regierungsrat nach, bis die Firma Scheller ihr Benzinlager am Bahnhof Dietikon mit baulichen Massnahmen sichern muss. Im Jahr 1937 sorgt der Verkehrsverein dafür, dass auf dem Löwenplatz die erste Telefonkabine aufgestellt wird. 35 Jahre lang kämpft der Verkehrsverein für ein Freibad - nach zähen Verhandlungen und vielen Anläufen wird 1948 das «Fondli» eröffnet.

1952 wehrt sich der VVD vehement dagegen, dass die neuen Schienen der Bremgarten-Dietikon-Bahn von der Strasse in ein Schotterbett verlegt werden. Die Anwohner befürchten, dass die Gemeinde verunstaltet werde, da Unrat wie Papierfetzen, Zigarrenstummel und menschliche Exkremente im Schotter liegen bleiben würden. Aller Protest ist aber vergebens. Weil niemand die Kosten für die Verringerung des Gefälles in der oberen Bremgartnerstrasse tragen will, wird das Kiesbett eingebaut.

Mehr Kultur statt Verkehr 2012 wird der VVD in «Stadtverein Dietikon» umgetauft. Nicht nur, weil sich die Ziele des Vereins geändert haben, sondern auch, weil der Name missverständlich war. Die Bezeichnung «Verkehrsverein» verleitete nicht zuletzt Anbieter von Verkehrslichtsignalanlagen zum Zustellen von Offerten ihrer Produkte. Nebst dem Namen wird auch das Logo ausgetauscht. Das Dietiker Stadtwappen verschwindet, an seine Stelle rückt ein Symbol mit fünf farbigen Mehrecken. Sie stehen für Tradition, Kultur, Heimat, Pflege und Gemeinschaft.

Quelle: Neujahrsblatt Dietikon 2013; 100 Jahre Verkehrsverein (Stadtverein) Dietikon, von Michael Blattmann, Georges Künzler und Lucas Neff
Jubiläumsfeier 100 Jahre Stadtverein Dietikon, 31. Juli, Kirchplatz Dietikon