Und plötzlich trugen alle rote Nasen. Nicht auf der Bühne, sondern im Publikum. Heidi Christen und Stefan Baier, die gerade mit ihrem Kinder-Ensemble den Auftritt beendeten, staunten nicht schlecht, als sie auf einmal in ein Heer von Freizeit-Clowns blickten, das ihnen zujubelte. Die Überraschung der Organisatoren des Freilufttheatertages in Dietikon war geglückt: Christen und Baier waren bereits zum 20. Mal mit ihrem «Theateria KiJuKu»-Programm zu bewundern, das Kindern und Jugendlichen zwischen 5 und 16 Jahren eine Plattform bietet. Die Clowns-Nasen waren eine Referenz an das erste Stück der Serie mit dem Titel «Kinder Clowns Spektakel».

Die Spielstätte war der Stadthausplatz, der am Samstag ganz im Zeichen der Bretter, die die Welt bedeuten, stand. Der Verein Theater Dietikon organisierte zum 27. Mal den Freilufttheatertag, an dem verschiedene Darbietungen aus der Kleinkunstszene und darüber hinaus zu sehen waren. «Viele der Künstlerinnen und Künstler entdeckte ich an der Künstlerbörse in Thun, zu der wir jedes Jahr reisen», sagte Simone Neff, Präsidentin des Vereins. Der Theatertag bedeute für sie jeweils einen schönen Ausklang des Sommers, wie sie bei ihrer Ansprache sagte. Sechs Auftritte wurden im Festzelt dargeboten: Den ersten bestritt die Theateria Dietikon.

Das Jubiläumsstück von Christen und Baier nannte sich «20 mal 20 – Theater im Quadrat» und wurde in der letzten Sommerferienwoche jeweils am Morgen in insgesamt achtzehn Stunden mit interessierten Kindern geprobt. «Mittlerweile müssen wir nicht mehr nach Ensemblemitgliedern suchen, die Anmeldungen kommen von alleine», so Christen. Dabei setzen sie und Baier nicht auf ein vorgegebenes Drehbuch, sondern entwickeln zusammen mit den Kindern ein neues, frisches Werk.

Herausgekommen ist eine «Menükarte», aus welcher das Publikum die Gänge in loser Reihenfolge wählen konnte. So wurde unter dem Titel «Regenbogen-Pizza» ein entsprechend rundes Tuch hochgehalten, unter dem verschiedene Tänze oder sportliche Einlagen präsentiert wurden. Bei den «Gefüllten Tanzpfropfen» schlüpften die jungen Darstellerinnen und Darsteller in ein Stoffkostüm, das an Mummenschanz erinnerte. Und beim Wunschpunsch äusserten alle Mitglieder in einer bunten Choreographie ihre Wünsche; von «Ich wünsche mir eine gerade Kurve» bis zu «Ich möchte fliegen können» war vieles dabei. So war der Auftritt eine Mischung aus Slapstick, Gesang und Tanz, die von einer unbändigen Spielfreude aller Teilnehmenden geprägt und mit viel Applaus quittiert wurde.

Die Vergänglichkeit des Theaters

Ein grosses Lob gab es im Anschluss vom Theateria-Team. «Dass die Kinder das Programm in so schneller Zeit erlernten und auf die Bühne bringen konnten, verdient viel Respekt», so Baier. Auf die Frage, ob denn auch Lampenfieber geherrscht hätte, antworteten zunächst alle unisono mit nein – auch kleine Künstler-Egos sind gross. Doch Baier wie Christen verrieten, dass sie auch heute noch vor jedem Auftritt nervös seien. Da brach das Eis: «Beim ersten Auftritt hatte ich Lampenfieber, danach war es aber schnell weg», sagte etwa Dominik (13). Bei Lina (11) überwog der Spass: «Ich habe mich die ganzen Ferien auf die Proben und die Aufführung gefreut.» Als «Gage» erhielten alle einen Gutschein, damit sie sich auf dem Theatertag, der mit dem Zauberer- und Comedykünstler Michel Gammenthaler seinen Höhepunkt erreichte, noch verköstigen konnten.

Etwas Wehmut machte sich danach Christen und Baier breit, die sich als Mentoren für den Theater-Nachwuchs verstehen. Schliesslich gab es nur einen Auftritt in dieser Formation. Aber beide denken bereits an das nächste Projekt, an den nächsten Auftritt. «Die Vergänglichkeit des Theaters ist gerade der Reiz, das spornt uns an», sagte Baier. Jeder Moment mit dem Publikum sei einzigartig und könne nicht wiederholt werden. Aber viele neue Momente sollen kommen.