Kein Bach bereitet den Fachleuten so viel Kopfzerbrechen wie der Furtbach: Er ist das am meisten belastete Gewässer im Kanton. Zur schlechten Wasserqualität kommt hinzu, dass der Furtbach bei Trockenheit kaum noch Wasser führt. Wenn dann die Landwirte, Gemüsebauern und die Golfplatzbetreiber auch noch den Furtbach anzapfen, sinkt die Restwassermenge dramatisch ab. Das macht nicht nur den Fischen zu schaffen. Auch für den Menschen sind die Salate, die mit Furtbachwasser berieselt werden, irgendwann nicht mehr gesund. Das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) sieht seit Jahren Handlungsbedarf und will die Wasserentnahme aus dem Furtbach beschränken.

Das aber bringt die Landwirtschaft in Bedrängnis, die gerade bei den immer extremeren Witterungsbedingungen auf die Bewässerung ihrer Kulturen angewiesen ist. Im Jahr 2014 haben sich rund 20 Gemüsebauern, Landwirte und der Golfplatz zur Bewässerungsgenossenschaft Furttal (BGF) zusammengeschlossen und mit den kantonalen Fachstellen nach einem Ausweg aus der Misere gesucht. Gefunden haben sie eine Lösung mit Vorzeigecharakter: Limmatwasser soll über den Hüttikerberg ins Furttal fliessen.

Zeitbedarf unterschätzt

Das Projekt ist komplex und hat sich gegenüber den ersten Plänen um zwei Jahre verzögert. Wie Wolfgang Bollack von der kantonalen Baudirektion auf Anfrage sagt, handelt es sich um das erste gemeinschaftliche Bewässerungsprojekt im Kanton Zürich, welches über das Meliorationsverfahren bewilligt wird und mit der Konzessionierung der Wasserentnahme – hier aus der Limmat – koordiniert ist. «Da Erfahrungswerte fehlten, wurde der Zeitbedarf für das Projekt generell etwas unterschätzt.»

Fest steht indes: Ein Pumpwerk bei Oetwil an der Limmat wird Flusswasser den Hüttikerberg hinauf in einen Hochspeicher befördern, also von 380 Metern über Meer auf 530 Meter. Die Pläne für das Pumpwerk wurden vom Oetwiler Gemeinderat bereits Anfang Januar bewilligt. Im Anschluss daran lagen sie bis Mitte Februar auf der Gemeindeverwaltung auf. «Aus kommunaler Sicht steht dem Pumpwerk nichts im Wege», bestätigt Gemeindeschreiber Pierluigi Chiodini.

300 Hektaren werden bewässert

Vom Hochspeicher fliesst das Wasser in freiem Gefälle über eine Hauptleitung und ein Verteilnetz ins Furttal auf 420 Meter hinunter. Die Leitungen werden in den Boden verlegt und führen zumeist durch Landwirtschaftsland. Mit dem vorhandenen Druck lassen sich die Felder von Otelfingen bis Regensdorf bewässern. Der Wasserdruck reicht zum Teil sogar für die Seitenhänge des Tals, wie den Plänen des Amts für Landschaft und Natur zu entnehmen ist. Diese Pläne liegen derzeit bei der Gemeindeverwaltung Dällikon für alle Interessierten zur Einsicht auf. Wie den Plänen ebenfalls zu entnehmen ist, bewässern die Furttaler Gemüsebauern und Landwirte zusammen eine Fläche von 300 Hektaren.

Der Hochspeicher ist denn auch für diesen Bedarf konzipiert: Er fasst 500 Kubikmeter, was erlaubt, gleichzeitig acht Bewässerungsanlagen laufen zu lassen oder, anders gesagt, 96 Liter pro Sekunde zu versprühen, bei Bedarf rund um die Uhr. «Wichtig ist, die nötige Wassermenge zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit dem gewünschten Druck zur Verfügung zu haben», ist im Projektbeschrieb zu lesen.

Der Hochspeicher auf dem Hüttikerberg wird halb im Wald gebaut. Das heisst, die Bäume auf 165 Quadratmetern müssen weichen, wobei man 90 Quadratmeter nach den Bauarbeiten wieder aufforsten wird. Die Vorteile für den Gewässerschutz wiegen hier eindeutig schwerer als der Waldschutz, wie das Amt festhält.

Bauern zahlen 3,4 Millionen

Die Landwirte und Gemüsebetriebe im Furttal müssen für das Limmatwasser tief in die Tasche greifen: Die Gesamtkosten belaufen sich auf knapp 8 Millionen Franken. Die Landwirte müssen 43 Prozent der Kosten tragen, was 3,4 Millionen Franken entspricht. Sie können mit Beiträgen von Kanton und Bund von 30 und 27 Prozent rechnen.

Bis zur Realisierung muss das Projekt ein zweiteiliges Verfahren durchlaufen: ein wasserrechtliches Konzessionsverfahren und ein landwirtschaftliches Meliorationsverfahren. Ersteres regelt die Wasserentnahme aus der Limmat und liegt im Entwurf bereits vor. Mit dem landwirtschaftlichen Meliorationsverfahren werden die Leitungen, der Hochspeicher, das Haupt- und Verteilnetz im Furttal nach Landwirtschaftsgesetz genehmigt und die Baubewilligung erteilt.

Ebenfalls zur Beurteilung liegt das Bewässerungskonzept auf, das einen möglichst rationellen und umweltschonenden Einsatz des Bewässerungswassers festhält. Dieses Konzept soll künftig für die Gemüsebauern und Landwirte des Furttals verbindlich sein, welche Mitglied der Bewässerungsgenossenschaft Furttal sind. Die Pläne und der Projektbeschrieb zum landwirtschaftlichen Meliorationsverfahren liegen noch bis zum 26. Mai auf der Gemeindeverwaltung in Dällikon auf. Läuft alles wie vorgesehen, ist nächstes Jahr Baustart. Dann könnten 2020 die ersten Furttaler Salate und Gemüse mit Limmatwasser beregnet werden.