Nachdem der Stadtrat Ende April den Kreditantrag für den Architekturwettbewerb des Schlieremer Stadtsaals veröffentlichte, folgt nun jener für das zweite städtische Grossprojekt. Es handelt sich um den Alterszentrum-Ersatzbau, der neben dem Familienzentrum an der Badenerstrasse erstellt werden soll. Der Wettbewerb kostet 570 000 Franken. Der Stadtrat braucht jedoch erst die Zustimmung des Parlaments.

Mit diesem Geld sollen voraussichtlich sieben Teams auf dem 4000 Quadratmeter grossen Areal zirka 60 Wohneinheiten mit anderthalb bis dreieinhalb Zimmern entwerfen. In diesen Alterswohnungen wird dereinst auch Service und Pflege angeboten. Hinzu kommen 30 reine Pflegezimmer, eine öffentliche Cafeteria mit Terrasse im Stadtpark sowie Räume für Veranstaltungen und öffentliche Erdgeschossnutzungen etwa für einen Coiffeur, heisst es im Kreditantrag.

Diesem Raumkonzept geht eine rund zehnjährige Planungsgeschichte voran, die mit dem Grundsatzentscheid, das aktuelle Alterszentrum Sandbühl nicht zu sanieren, startete. Der inzwischen über 45-jährige Bau entspreche bei weitem nicht mehr den heutigen Anforderungen, lautete das Verdikt des Stadtrates damals. Zudem sei es bereits schwierig geworden, Dreibettzimmer zu belegen, da umliegende Gemeinden über ein moderneres Angebot verfügen. «Es muss möglich sein, dass Menschen ihren Lebensabend in gewohnter und liebgewordener Umgebung verbringen können», so der Stadtrat. Für die Notwendigkeit eines neuen Alterszentrums spricht auch die demografische Entwicklung. Denn bis 2020 wächst der Anteil der 65 bis 79-Jährigen um über 700 Personen an.

Offene Standort-Fragen

Dass die Stadt ihren Senioren eine moderne Wohn- und Pflegeinstitution zur Verfügung stellen muss, darüber besteht auch in der Politik Einigkeit. Mit der Altersstrategie, welche von einer eigens einberufenen Kommission erarbeitet und vom Stadtrat im August 2015 verabschiedet wurde, stösst die inhaltliche Planung auf breite Abstützung. Bezüglich des Standortes der neuen Alterseinrichtung gibt es aber noch offene Fragen.

So erteilten Stadtrat und Planungskommission den Standort-Zuschlag der Parzelle an der heutigen Badenerstrasse vor gut einem Jahr. Ist der Zentrumsplatz dereinst umgestaltet und die Tramlinie 2 bis nach Schlieren verlängert, wird das davorliegende Strassenstück vom Verkehr befreit und kann von den Bewohnern als «barrierefreie Verbindung zum Zentrum und Bahnhof genutzt werden», so der Stadtrat. Nebst diesem Vorteil fruchteten Gespräche mit den Besitzern des Geistlich-Areals auf der anderen Seite der SBB-Gleise, wo der Neubau ebenfalls hätte erstellt werden können, nicht.

Erst im April wurden Kritiker auf den Plan gerufen: Die CVP-Fraktion lancierte einen neuen Vorschlag, wonach der geplante Stadtsaal am Schlieremer Zentrumsplatz und das Alterszentrum als kombiniertes Projekt geplant werden sollten. Dies, indem im Rahmen des Architekturwettbewerbs eine Variante verlangt wird, bei der Saal und Alterszentrum im selben Gebäude am Zentrumsplatz untergebracht sind. Auf diese Weise würde weniger Grünfläche verloren gehen – die Altersheim-Parzelle an der Badenerstrasse würde so zur Erweiterung des Stadtparks werden – und es liessen sich darüber hinaus Synergien nutzen, hiess es in der CVP-Motion.

Kredite und Motion

Im Rahmen der Präsentation des Kreditantrags an das Schlieremer Parlament für den Stadtsaal-Architekturwettbewerb Ende April, sagte die Schlieremer Finanzvorsteherin Manuela Stiefel (FDP), dass eine Überweisung dieser Motion tiefgreifende Konsequenzen für die weitere Planung habe. Daher werde sich das Parlament demnächst mit allen drei Vorlagen, erst der Motion, dann den beiden Kreditanträgen, befassen und so die Weichen stellen.

Spricht das Parlament diesen Wettbewerbskredit und ebnet somit den Weg für die weitere Planung, kommen hohe Kosten auf die Stadt zu. So brachte die Machbarkeitsstudie zutage, dass für das neue Alterszentrum ein Betrag von rund 42 Millionen Franken anfällt. Allein das Gebäude schlägt mit knapp 30 Millionen zu Buche. Ob die Stadt den Bau von Investoren erstellen lassen wird, ist derzeit noch offen. Fest steht, dass der Stadtsaal, welcher rund 35 Millionen Franken kosten würde, von Investoren erstellt werden soll.