Fünfmal so viel: Statt wie vorher 2 Franken kostet die sogenannte Tagesparkkarte seit letztem Juli 10 Franken pro Tag. Diese Verteuerung lässt jetzt einige Dietikerinnen und Dietiker auf die Barrikaden gehen. Vorher erstanden die Anwohner eine Zehnerkarte für 20 Franken, ein Tag kostete damit 2 Franken. Ihre Besucher konnten so relativ kostengünstig in der Blauen Zone parkieren. Dabei ist es gleichgültig, ob der Gast nur für eine oder mehrere Stunden den Platz in der Zeit zwischen 8 und 19 Uhr beansprucht.

Die Vervielfachung der Gebühr ärgert Marcel Achermann, Bewohner einer Eigentumswohnung an der Staffelackerstrasse, langjähriger Gemeinderat der SP und zwischen 1986 und 1990 Sicherheitsvorstand der Stadt: «Parkplätze mit einer Parkuhr sind günstiger als diese Tageskarte zum Preis von 10 Franken.» Tatsächlich kostet das Parkieren etwa auf dem Parkplatz der Stadthalle 5 Franken für bis zu 15 Stunden.

Die Erhöhung hatte sich bereits im November 2016 abgezeichnet. Damals beschloss der Gemeinderat die Totalrevision der Parkierverordnung. Darin wurde der Gebührenrahmen für Tagesparkkarten neu auf 10 bis 20 Franken festgesetzt. Im Mai 2017 setzte der Stadtrat die Verordnung und das Vollzugreglement per 1. Juli in Kraft. Die Karten können seither von allen Fahrzeuglenkern bezogen werden und nicht wie die früheren 10er-Karten nur von Anwohnern. Zur Verteuerung meinte die Stadt auf Nachfrage lakonisch: «Die Gebühren für die Tagesparkkarte wurden im Minimum des Gebührenrahmens festgelegt.»

Keine Rekurse

Dieser Hinweis kann Achermann hingegen nicht besänftigen. Nicht nur er, auch seine Besucher, Verwandte wie Freunde, sind verärgert, darunter ein Ehepaar, das ihn und seine Frau regelmässig zum Jassen besucht. «Bisher habe ich ihnen die Parkkarte gerne bezahlt. Dazu bin ich bei 10 Franken aber nicht mehr bereit.» Sie müssten das Problem nun selbst lösen, beschied er die Freunde. «Das kann es aber nicht sein», meint Lilly Wüest, die im selben Haus wie Achermanns wohnt. Sie hat vier Kinder und ein auch schon autofahrendes Enkelkind. Sie befürchtet, dass sie von ihnen künftig seltener besucht wird. Nachbarin Dora Wüst pflichtet ihr bei; sie hat drei Kinder und ein Göttikind, die sie bisher häufig besucht haben.

Links die aktuelle Tagesparkkarte zum Preis von 10 Franken, rechts die alte Zehner-Karte für 20 Franken.

Links die aktuelle Tagesparkkarte zum Preis von 10 Franken, rechts die alte Zehner-Karte für 20 Franken.

Worüber sich Achermann besonders ärgert: die Verteuerung sei ohne grosse Diskussion umgesetzt worden. Trotz der amtlichen Bekanntmachung sei ihm die Änderung entgangen. Auch die Gemeinderäte seien sich der Konsequenzen wohl nicht bewusst gewesen. Einer der Jassfreunde, immerhin ein alt SVP-Stadtrat, meinte: «Das kann doch nicht sein. Ich wusste nichts davon.» Als Achermann von der Verteuerung beim Nachkauf von neuen Tagesparkkarten erfuhr, war die Rekursfrist bereits abgelaufen. Nach Angaben der Stadt erfolgten auch sonst keine Rekurse.

Achermann weiss von zahlreichen anderen Dietikern, denen es ähnlich geht wie ihm und seinen Nachbarinnen. Offensichtlich sei es aber bisher nur zu mündlichen Beschwerden bei der Stadtpolizei gekommen. Er selbst bat AL-Gemeinderat Ernst Joss um Unterstützung. Dieser brachte «die starke Verteuerung» bei der Fragestunde an der November-Sitzung des Parlaments zur Sprache. Sicherheitsvorstand Heinz Illi (EVP) wusste lediglich von einigen Unmutsäusserungen aus der Bevölkerung zu berichten.

Spätestens nach der Generalversammlung aktiv

Achermann will das Thema aber nicht auf sich beruhen lassen. Noch im Laufe des Januars wird sich der Ausschuss der Stockwerkseigentümer seines Hauses über das Problem austauschen. Achermann ist sich sicher, dass die Anwohner spätestens nach der Generalversammlung im Frühjahr aktiv werden. «Unser Ziel ist es, dass die 10er-Karte zu den alten Bezugspreisen wieder eingeführt wird.» Sollte kein Gemeinderat gefunden werden, der einen Revisionsantrag im Parlament stellt, würde er in letzter Konsequenz auch Unterschriften sammeln, um eine Initiative zu lancieren. Die 500 Unterschriften würde er zusammenbekommen, ist Achermann überzeugt. Es seien so viele Dietiker betroffen.

Das liegt unter anderem daran, dass es einige Mehrfamilienhäuser ohne Besucherparkplätze gibt. Genaue Zahlen kann Hochbauvorsteherin Esther Tonini (SP) nicht nennen. In der November-Fragestunde berichtete sie aber von diversen Ausnahmegründen, warum Liegenschaftsbesitzer von der Ausweisung von Besucherparkplätzen befreit würden, etwa wenn das Ortsbild oder Platzmangel dagegen sprächen. Manchmal würden Besucherparkplätze auch Strassenbauten, etwa der Anlage von Trottoirs, zum Opfer fallen. Dann könne man den Liegenschaftsbesitzer nicht verpflichten, neue Besucherparkplätze zu erstellen. Eigentümer könnten aber auch eine Ersatzabgabe leisten. Mit Einführung der Blauen Zone vor einigen Jahren hatten Achermann und seine Nachbarn auf einen Schlag alle Besucherparkplätze ihrer Liegenschaft verloren – bei 2 Franken Tageskartengebühr war das aber allgemein akzeptiert.