Lehrlinge aus der ganzen Schweiz demonstrieren an den Swiss Skills ihr Können. Mit dabei sind auch fünf Lernende aus dem Limmattal. Mitte September reisen sie nach Bern, um dort die nationale Meisterschaft zu bestreiten. Trotz gemeinsamer Qualifizierung könnten sich die Teilnehmenden nicht stärker voneinander unterscheiden: Die Schlieremer Coiffeuse Donjeta Sahiti erfuhr über «Swiss Skills» durch Facebook. Fotos von neuen Haar-Kreationen haben die 19-Jährige ermutigt, selber etwas Neues auszuprobieren: «Wir können an der Meisterschaft ein bisschen mehr mit Farben und mit neuen Frisuren spielen, was im Alltag weniger der Fall ist», sagt sie.

Flavio Piagno, Informatiklehrling bei der Bergdietiker Firma Soudronic, hatte am Anfang keine Lust, an den «Swiss Skills» teilzunehmen. «Aber als meine Kollegen sich dafür interessierten, fand ich es auch eine gute Idee», sagt der 19-Jährige.

«Unser Lehrer hat mir dann vorgeschlagen, dass ich mich für die Meisterschaft anmelde. Ich habe meinen Vertiefungsbereich Systemtechnik ausgesucht und lernte zu Hause mithilfe von Übungsprüfungen», sagt der Informatiklehrling. Piagno musste beispielsweise einen Server aufsetzen und eine sichere Website aufbauen. «Wenn ich nicht weiter wusste, konnte ich meine Kollegen fragen.» Dann meldete er sich für die regionale Berufsmeisterschaft. Dass Piagno überhaupt daran teilnehmen konnte, war ein Glücksfall: Das Email mit der Anmeldebestätigung landete im Spam-Ordner. «Ich war nicht gründlich vorbereitet und habe die Prüfung trotzdem bestanden», sagt Piagno, der in Bremgarten wohnt.

Bei Coiffeuse Sahiti lief die Qualifizierung anders: «Ich durfte die Haare eines Models schneiden und färben. Dazu nahmen wir Vorher-und-nachher-Bilder auf und haben diese an ‹Swiss Skills› geschickt. Später erfuhr ich, dass ich qualifiziert worden war», erzählt Sahiti, die ihre Lehre beim Urdorfer Kosmetikstudio Inside Beauty Loft diesen Monat abgeschlossen hat. «Meine Chefin hat mich immer unterstützt», sagt sie. Und tatsächlich ist die Inhaberin Andrea Winkler stolz auf die Erfolge von Sahiti, die jetzt in ihrem Lehrbetrieb angestellt ist.
«Donjeta besitzt eine Auffassungsgabe und weiss, was sie will. Sie hat Freude, Talent und Biss», sagt Winkler. Die Coiffeuseinhaberin ist selber auch an den Swiss Skills dabei, allerdings beim Stand des Verbands Coiffure Suisse.

Donjeta Sahiti, Coiffeuse

«Wir können an der Meisterschaft ein bisschen mehr mit Farben und mit neuen Frisuren spielen, was im normalen Leben weniger der Fall ist.»

Donjeta Sahiti, Coiffeuse

Georg Ernst, Piagnos Lehrmeister, sagt: «Wir sind extrem stolz auf Flavio. Sein Fachwissen ist von Grund auf sensationell, denn er macht nebst der Lehre als Informatiker auch die Berufsmatur. Wir unterstützen ihn. Wenn er etwas für die Meisterschaft hier im Betrieb macht, wird die Zeit Flavio angerechnet. Er ist sehr selbstständig.»

Die drei weiteren Limmattaler Lehrlinge, die sich einen Startplatz an den «Swiss Skills» ergatterten, heissen Lucas Latache (Lüftungsanlagebauer aus Bergdietikon), Philipp Persano (Mediamatiker aus Weiningen), Tim Rhomberg (Informatiker aus Urdorf) und Julia Baumberger (Kosmetikerin aus Dietikon). Hinzu kommen einige Teilnehmer von ausserhalb des Limmattals, die hier ihre Lehre absolvieren.

«Swiss Skills» boomt

Zwischen 12. und 16. September sollen 120 000 Personen die Lehrlingsmeisterschaft besuchen. 900 Berufsleute messen sich auf dem Bernexpo-Gelände, wobei 135 Berufe vorgestellt werden. Besucher können bei 60 Tätigkeiten selber aktiv werden und diese ausprobieren. Anwesend an den sind zudem der Bildungsminister Johann Schneider-Ammann sowie seine beiden Bundesratskollegen Guy Parmelin und Ignazio Cassis, die jeweils das Patronat von Team Romandie und Team Svizzera Italiana übernehmen.
Neun Stunden lang überträgt das Schweizer Fernsehen die Meisterschaft beim Final am Samstag. Zudem ist ein einwöchiger Berufsbildungsschwerpunkt geplant. «Swiss Skills» hat schon eine eigene Hymne, komponiert von DJ Antoine. «Win It All» wird während der Siegerehrung live gespielt.