Bezirksgericht

Fünf Jahre für den Drogenhändler vom Dietiker Limmat-Tower – aber nicht nur wegen Rausch­gift­han­dels

Dem Angeklaten wurde auch der Kauf von einem Kilogramm Kokain in Spreitenbach zur Last gelegt. (Symbolbild)

Dem Angeklaten wurde auch der Kauf von einem Kilogramm Kokain in Spreitenbach zur Last gelegt. (Symbolbild)

Einem Autovermieter stieg der Luxus in den Kopf und das Spreitenbacher Koks in die Nase. Im Lamborghini wendete er auf der Autobahn. Nun verurteilte ihn das Bezirksgericht zu einem Freiheitsentzug von fünf Jahren für all seine Vergehen.

Lagerung und Handel mit Amphetamin, Handel mit Kokain und anderen Drogen, fahren ohne Fahrausweis, fahren in nicht fahrfähigem Zustand, wenden auf der Autobahn, Ferraris, Lamborghinis, Escort-Girls und ein Jahresgewinn von rund 200'000 Franken: Das waren die Eckwerte im Prozess gegen einen Schweizer Autovermieter vor dem Bezirksgericht Dietikon am Mittwoch.

Für all die Vergehen verurteilte ihn das Bezirksgericht unter der Leitung von Präsident Stephan Aechbacher zu einem Freiheitsentzug von fünf Jahren, einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 80 Franken und einer Busse von 1000 Franken. Zudem werden 69'000 Franken eingezogen. Mit dem Freiheitsentzug ging das Gericht über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus. Aeschbacher begründete dies ausführlich. Die vom Gesetz vorgesehenen Strafen für die einzelnen Delikte summierten sich. Allein zur Geisterfahrt sagte Aeschbacher: «So etwas habe ich noch nie gesehen.» In der Untersuchung hatte der Beschuldigte alle ihm zur Last gelegten Taten zugegeben. Auf Aeschbachers Frage, ob er den Sach­verhalt in der Anklage anerkenne, antwortet der Angeklagte: «Das ist richtig.»

Das Amphetamin, dessen Reinheitsgrad während der Untersuchung lange nicht abgeklärt worden war, hatte der Mittdreissiger in seinem Geschäftsraum im Limmat-Tower im Dietiker Limmatfeld gelagert. Zuvor in den Aargau gezügelt, hatte er dort einen Raum gemietet, damit er seinen Firmensitz im Kanton Zürich halten konnte. «Ich wollte nicht in den Aargau», sagte er vor Gericht. Zum Amphetamin kam der Schweizer, weil er einem Unbekannten 30000 Franken als Anzahlung für einen Ferrari gegeben hatte. Da ­dieser den Wagen nicht liefern konnte, übergab er seinem Kunden die 30 Kilogramm Amphe­tamin als Pfand. Auf die Frage von Aeschbacher, was er damit machen wollte, antwortete der Angeklagte: «Ich habe keine Verwendung dafür.» Wie dieser Handel weitergegangen wäre, ist offen, denn im November 2018 wurde der Mann ­verhaftet.

Als Geisterfahrer vor der Polizei geflüchtet

Zur Last gelegt wurde ihm weiter der Kauf von einem Kilogramm Kokain in Spreitenbach. Das sei, sagte der Angeklagte, für den Eigenkonsum gewesen. Mit seinem Drogenhandel wollte er den «eigenen Konsum decken und etwas Sackgeld verdienen». Durch seine Hände waren praktisch alle gängigen Drogen in grösseren Mengen gegangen, zum Beispiel auch Ecstasy, Marihuana und Haschisch.

In den frühen Morgenstunden des 25. Juni 2018 war der Drogenhändler mit einem Lamborghini auf dem Westring unterwegs. Beim Hafnerberg-Tunnel in Birmensdorf führte die Polizei eine Verkehrskontrolle durch. Der Täter hatte bereits keinen Fahrausweis mehr. Und er hatte zuvor Kokain konsumiert. Um sich der Kontrolle zu entziehen, fuhr er zurück und wendete dann sogar, auf einer Einfahrt verliess er die Autobahn. Als Geisterfahrer fuhr er rund zwei Kilometer auf der falschen Strassenseite. Die Blutwerte ergaben, dass er nicht mehr hätte fahren dürfen.

Der amtliche Verteidiger, Ivo Harb vom berühmten Anwaltsbüro Landmann, wies in seinem Plädoyer vor allem auf die «ernsthaften Drogenprobleme» seines Klienten und dessen Wille hin, sein Leben zu ändern. Unter Kokain verhalte dieser sich anders. Als Beweis führte er dessen Verhalten gegenüber einer Kanzleikollegin an, die noch über wenig Erfahrung verfüge. Als unzuverlässig bezeichnete er einen Psychiater, der den Täter abklärte. Ob er noch Kokain konsumiert, wurde am Prozess nicht klar. Harb sieht in ihm einen «zuvorkommenden und anständigen» Menschen. Er habe ein umfassendes Geständnis abgelegt. Dank der Aussagen hätten weitere Drogenlieferanten verhaftet werden können. Der Verteidiger hatte deshalb die Strafe zu Gunsten von Ersatzmassnahmen aufschieben wollen. Der Argumentation des Verteidigers zur Kokainsucht folgte das Gericht nicht.

Die Ursache für den Niedergang seiner Firma sieht der Täter in der Untersuchungshaft und in der Coronakrise. Er vermietet Luxuswagen: «Meine Kunden sind Hotels und Reisebüros.» Das Geschäft sei gut gelaufen, er habe einen Jahresumsatz von rund 500'000 Franken erreicht, führte er vor Gericht aus. 200'000 Franken davon war der Gewinn, sagte er zu ­Gerichtspräsident Aeschbacher. Die Coronakrise brachte auch sein Geschäft zum Erliegen. Er ­beanspruchte einen Coronakredit von 50'000 Franken. ­Damit habe er die Miete bezahlt und einen VW Touareg als Zugfahrzeug gekauft, antwortete er auf die Frage nach der Verwendung des Geldes. Um seiner Firma wieder auf die Beine zu helfen, will er künftig auch einen Kurierservice anbieten. Die Website habe er bereits erneuert.

Aus finanziellen Gründen gibt er die Wohnung auf. Er will zu seiner langjährigen Freundin in eine sehr steuergünstige Aargauer Gemeinde ziehen. Das Urteil dürfte diesen Plan nun verzögern.

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