Am deutlichsten wurde Josef Wiederkehr: «Wenn die Vorlage nicht angenommen wird, sind wir wieder beim alten Zustand. Dann bricht hier Anarchie aus.» Die fast schon dramatisch anmutende Ansage des Vizepräsidenten der CVP Dietikon fiel an der gestrigen Pressekonferenz, welche die Abstimmungskampagne zur Planungsvorlage Silbern -Lerzen-Stierenmatt (SLS) einläutete.

Die Aussage macht deutlich, was die Befürworter der Vorlage befürchten, sollte diese abgelehnt werden: dass durch fehlende Rahmenbedingungen die Bautätigkeit ausser Kontrolle gerät und sich das schon heute belastende Verkehrschaos in der « Silbern » noch verstärkt.

Befürwortet wird die Vorlage von SVP, FDP, CVP, EVP und DP, die sich zum Komitee «Zukunft Silbern - Ja» zusammengeschlossen haben, um für ihr Anliegen zu kämpfen.

Ein Kompromiss

Über die Silbern -Vorlage - dazu gehört die Teilrevision der kommunalen Richtplanung und der öffentliche Gestaltungsplan für das Industriegebiet SLS - befindet das Dietiker Stimmvolk am 11. März. Es ist ein Geschäft mit einer langen Vorgeschichte.

Die aktuell nun zur Debatte stehende Vorlage ist nicht nur eine Zwischenetappe auf dem Weg zur Umsetzung einer Vision für das Gebiet SLS, wie der Stadtrat schon öfters betonte. Sie ist auch «ein Kompromiss», wie Martin Müller, Präsident der DP gestern sagte. So muss die Ausnützungsziffer aufgrund der heute fehlenden verkehrlichen Erschliessung beschränkt werden. Dies zeige, dass nicht nur einseitig für die Grundeigentümer geplant worden sei, sagte Müller: «Sie mussten diese Kröte schlucken.»
Ausserdem komme mit der Planung von mehr Freiraumflächen, dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs und einer Minergie-Vorgabe für neue Gebäude auch «der ökologische Gedanke nicht zu kurz», so Müller.

«Wir sind zuversichtlich»

Der ursprüngliche Plan hinter der Vorlage, nämlich, den überbordenden Verkehr einzudämmen, sei nicht ganz einfach umzusetzen, sagte Markus Erni, Präsident der SVP. Man habe dies jedoch versucht, indem verkehrsintensive Nutzungen nur noch im Gebiet der Riedstrasse zugelassen werden sollen. «Wir sind zuversichtlich, dass wir so ein qualitatives Wachstum erreichen», so Erni.

Das Komitee begrüsse es ausserdem, sagte Thomas Wirth, Präsident der EVP, dass Wohnnutzung nur im Gebiet Stierenmatt, neben dem Limmatfeld, möglich und im Gebiet Silbern sowie Lerzen ausgeschlossen ist. «Es ist erwiesenermassen so, dass sich Wohnen und Gewerbe eher schlecht vertragen», sagte Wirth, der damit Bezug auf Konflikte bezüglich Lärm, Verkehr und Licht nahm. Man solle daher, wie geplant, «das Wohnen Wohnen sein lassen» und das Gebiet Silbern der Industrie überlassen.

Doppelt so viele Arbeitsplätze

Nicht zuletzt seien auch die Arbeitsplätze im Gebiet SLS zentral, sagte Werner Hogg, Präsident der FDP. Es sind bereits heute etwa 6000; wird die Vorlage angenommen, könnten laut Stadtplanungsamt weitere 6200 dazukommen. «Auf die Steuerzahler», so Hogg, «ist Dietikon angewiesen.» Ausserdem brauche es im Gebiet SLS dringend eine Planungssicherheit: «Mit dieser Vorlage bieten wir diese.»

Linke sind dagegen

Bereits in der Parlamentssitzung vom Oktober 2011 hatten sich SP, GP und AL klar gegen die Vorlage gestellt. Ernst Joss (AL) bemängelte, dass man das Gebiet für Tausende von weiteren Arbeitsplätzen öffnen wolle, statt für eine Nutzung mit Wohnungen und Grünflächen. Lucas Neff (Grüne) kritisierte, dass keine ökologische Pufferflächen eingeplant seien. Peter Wettler (SP) nannte das Ganze «ein Diktat der Grundeigentümer».

Dem widersprach Müller gestern: Nicht wenn die Vorlage angenommen werde, sondern wenn sie abgelehnt werde, könnten die Grundeigentümer «einfach machen, was sie wollen», sagte er: «Zum Beispiel überall neue Megastores aufstellen.» Dies gelte es zu verhindern - damit das Gebiet nicht einem Verkehrskollaps erliege