Dietikon
«Früh übt sich» in Dietikon: Kinder sollen Grundfähigkeiten lernen

Mit Workshops für Eltern und Kinder leistet die Schule Dietikon Pionierarbeit. Kinder und Eltern profitieren von den Tipps der Schul-Profis.

Senada Haralcic
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Die Schulpflegerin, Alma Portmann, und der Leiter der Schulabteilung, Gerold Schoch, haben mit dem Projekt «Schulerfolg ist kein Zufall» Pionierarbeit im Kanton Zürich geleistet.

Die Schulpflegerin, Alma Portmann, und der Leiter der Schulabteilung, Gerold Schoch, haben mit dem Projekt «Schulerfolg ist kein Zufall» Pionierarbeit im Kanton Zürich geleistet.

Senada Haralcic

«Sich selber anziehen oder mal etwas mit der Schere und verschiedenen Materialen basteln – gerade an solch fundamentale Fähigkeiten sollten sich Kinder schon sehr früh herantasten», sagt Gerold Schoch, Leiter der Schulabteilung Dietikon. Aber auch Deutschkenntnisse sollen nicht erst im Kindergarten erworben werden. «Wenn Kindern erst im Kindergarten ein gewisses geistiges und praktisches Können beigebracht werden soll, wird es schwierig. Ein solcher Rückstand beim Schuleintritt ist später fast nicht mehr aufzuholen», so der Schulabteilungsleiter. Dies hätten sowohl die Praxis in Dietiker Kindergärten und Schulen als auch neueste Studien gezeigt. Mit dem Projekt «Schulerfolg ist kein Zufall» soll die Situation nun verbessert werden.

Jeweils im Juni und nach den Sommerferien werden seit diesem Jahr Eltern aus Dietikon zu Veranstaltungen eingeladen. Ihre Kinder werden in einem oder in zwei Jahren in den Kindergarten eintreten. «Wir wollen Eltern bei den Veranstaltungen ermutigen, ihre Kinder bereits im Vorschulalter geschickt und interessant an Grundfähigkeiten heranzuführen», so Schoch.

Mit dem Rüstmesser schneiden

Der erste Informationsanlass im Juni sei ein Erfolg gewesen. Dabei wurde den Eltern beispielsweise anhand von kurzen Filmen gezeigt, welche Aktivitäten sie ihren Sprösslingen bereits im frühen Alter zutrauen dürfen. Dazu gehört etwa das Gemüseschneiden mit dem Rüstmesser oder aber mal einen Kuchen zu backen mit den Eltern. «Das sind Aufgaben, die sowohl die sozialen und kognitiven als auch die motorischen Fähigkeiten fördern», erklärt Schoch. Der Grossteil solcher basalen Fähigkeiten, welche die Kinder erlernen sollten, liege letztlich in der Verantwortung der Eltern.

Nun findet die zweite Veranstaltung statt: An verschiedenen Posten in Dietiker Kindergärten werden über 100 Eltern mit ihren Kindern heute Vormittag malen, basteln und im Freien klettern. Am Schluss der Veranstaltung werde ein «gesunder Znüni» offeriert. «Mit diesen Veranstaltungen leisten wir Pionierarbeit», sagt Schoch stolz. Denn nirgends sonst im Kanton Zürich werden die Eltern und Kinder auf diese Weise auf den Schuleintritt vorbereitet. Das habe sich nun auch herumgesprochen und das Interesse weiterer Schulen und Kindergarten geweckt. «Wir wurden von der Bildungsdirektion des Kantons Zürich eingeladen, unser Projekt vorzustellen, um auch weiteren Gemeinden bei der Einführung der Workshops zu helfen», so Schoch, darüber freue sich die Schule Dietikon sehr.

Bessere Deutschkenntnisse

Es sei kein Zufall, dass das Projekt gerade in Dietikon aus dem Boden gestampft wurde. Denn die Unterschiede zwischen den Kindern bei den sozialen, kognitiven und motorischen Fähigkeiten seien beim Kindergarteneintritt teilweise doch sehr gross. «Vielen Kindern mangelt es an Deutschkenntnissen», sagt die Schulpflegerin Alma Portmann, die ebenfalls seit Beginn der Planung des Projekts dabei ist. Es sei dann eine zusätzliche Herausforderung, auch noch weitere Fähigkeiten zu erlernen: «Je mehr die Kinder schon vor dem Kindergarten und der Schule können, desto leichter haben sie es später», sagt Portmann. Am zweiten, handlungsorientierten Workshop begleiten mehrere Übersetzer die Eltern, die kein Deutsch verstehen. «Uns ist es wichtig, dass uns alle Eltern verstehen und wertvolle Tipps dazu erhalten, was sie ihren Kindern schon zutrauen dürfen», so Portmann. Das Projekt resultierte aus der Zusammenarbeit zwischen dem Integrationsforum Dietikon, der Schulleitung, der Schulpflege und den Kindergartenlehrpersonen.

Die Veranstaltungen seien für alle Eltern gedacht: «Manche sollen ermutigt werden, den Kindern auch mal eine Schere in die Hand zu geben. Andere wollen wir inspirieren, wie sie ihre Kinder altersgerecht am besten fördern können. Und dann gibt es auch jene, die sich in unseren Veranstaltungen bestätigt fühlen, in dem, was sie schon leisten», erklärt die Schulpflegerin.

Und nicht nur der Kanton habe Gefallen am Projekt gefunden, das die Kinder ganz nach dem Motto «früh übt sich» an fundamentale Fähigkeiten heranführt. «Vonseiten der Eltern als auch der Lehrpersonen haben wir positive Rückmeldungen erhalten», so die Schulpflegerin.