Oswald Grendelmeier ist ein Ur-Dietiker. 1931 geboren und aufgewachsen auf einem Bauernhof an der Vorstadtstrasse hat er erlebt, wie sich das einstige Dorf zu einer Agglomerationsgemeinde entwickelte. Entsprechend reich sind seine Erinnerungen. Am Sonntag liess er Interessierte während der Matinée «Mis Dietike» daran teilhaben.

Musikalisch umrahmt wurde der Anlass vom Trio «Trello». Esther Arnet (Akkordeon), Guido Arnet (Geige) und Silvan Fischbacher (Klarinette) spielten Musik aus Irland, Griechenland und dem Balkan. Eigens arrangiert und einstudiert hatte das Trio Oswald Grendelmeiers erklärtes Lieblingslied «Urnerbode-Kafi».

Helene Arnet führte das Gespräch mit Oswald Grendelmeier.

Helene Arnet führte das Gespräch mit Oswald Grendelmeier.

Im Gespräch mit der Dietiker Journalistin Helene Arnet ging Oswald Grendelmeier weit zurück in eine Zeit, als in Dietikon westlich der Salamifabrik Cattaneo noch keine Häuser standen, als sein Vater, der Fuhrhalter, wöchentlich abtransportierte, was die drei Strassenwischer Dietikons zusammengefegt hatten, und als Kinder unterhalb des Wehrs beim Marmoriweiher in der Reppisch badeten.

Damals, so Grendelmeier, habe es eben in Dietikon noch kein Schwimmbad gegeben. Zu Fuss seien sie mit ihrem Lehrer Karl Klenk in die Badi nach Wettingen marschiert. «Die Hälfte der Klasse konnte schwimmen, die andere Hälfte tat so als ob», erinnerte er sich mit einem Schmunzeln. Über 40 Kinder zählte damals eine Primarklasse. Ein Klassenfoto aus jener Zeit, das an die Wand projiziert wurde, machte dies deutlich. Den kleinen Oswald hatten die Anwesenden nach kurzer Zeit lokalisiert.

Mostclub feiert Wahlerfolg

Dass im Publikum viele Leute sassen, denen die erwähnten Orte und Namen vertraut sind, zeigte sich bald. Immer wieder war zustimmendes Gemurmel zu hören, während Oswald Grendelmeier über die alten Zeiten berichtete. Und immer mal wieder half jemand aus dem Publikum, wenn ihn sein Gedächtnis im Stich liess. Lebhaft in Erinnerung ist ihm der legendäre Mostclub.

1951 im Restaurant Frohsinn aus einer Laune heraus gegründet, kandidierte dieser mit einer siebenköpfigen Liste für den Gemeinderat. Mit Joseph Wietlisbach schafften sie den Einzug in den Rat. Die Wahlkommission habe aber den Namen Mostclub nicht zugelassen, weshalb man sich eben umbenannt habe in Freie Bürger. Ein politisches Programm gab es keines, erinnert sich Oswald Grendelmeier. «Jeder hatte halt so seine eigene Meinung. Bei einem Bier hat man sich dann wieder versöhnt.»

Der 2. Weltkrieg prägte

Lebendig ist Oswald Grendelmeier auch die Zeit während des 2. Weltkriegs, als in Dietikon bis zu 3000 Soldaten stationiert waren. Schule fand damals im Wohnhaus der Schreinerei Öchslin an der Schöneggstrasse statt, während die Soldaten im Schulhaus einquartiert waren. «Abends bettelten wir Kinder in der Militärküche um übrig gebliebene Suppe.» Dass auch Krankheit eine Familie zu jener Zeit in arge Bedrängnis bringen konnte, weiss Oswald Grendelmeier aus eigener Erfahrung, musste die Familie doch Land verkaufen, um die Spitalkosten für den erkrankten Vater zu bezahlen.

Als dieser 1945 verstarb, fand seine Mutter Arbeit in der Salamifabrik Cattaneo in Dietikon. Eine Arbeit allerdings, die ihr wohl wenig Freude bereitet hat, musste sie doch den ganzen Tag lang Salamiwürste umlagern.

An die Zeiten des Mostclubs kann sich auch Joseph Wietlisbach gut erinnern. Eigens für diese Matinée unterbrach er seine Ferien in Grindelwald. «Da musste ich einfach dabei sein. Ich bin 400 Meter von Oswald entfernt aufgewachsen, auf der anderen Seite der Reppisch.» Noch heute ist Wietlisbach Vizepräsident des Mostclubs.

«Immer noch acht Mitglieder zählt der Club heute», erzählte er. Früher seien es immer 13 gewesen, denn es ging vor allem ums Fussballspielen. «Wir haben an allen Grümpelturnieren der Region teilgenommen und sind sogar bis nach Basel gereist. Es war eine schöne Zeit», sagte er mit leiser Wehmut.

Wehmütig hat auch Oswald Grendelmeier von seinem alten Dietikon Abschied genommen. «Unsere Wirtschaften gibt es nicht mehr. Die Zusammenkünfte des Mostclubs finden jetzt im ‹Sternen› in Rudolfstetten statt.»