Silbern

«Froh, ist der Entscheid gekommen»: Das sagen die Akteure zum Moorschutz-Urteil

Teilsieg für die Grundbesitzer: Das Gericht entschärft das Licht- und Lärmverbot im Flachmoor des Industriegebiets Silbern.

Teilsieg für die Grundbesitzer: Das Gericht entschärft das Licht- und Lärmverbot im Flachmoor des Industriegebiets Silbern.

Bereits zehn Jahre warten die Beteiligten auf den definitiven Gestaltungsplan. Das nun erfolgte Urteil, das die Moorschutzverordnung leicht abschwächt, freut die Wirtschaftsverbände und die Stadt.

Nach jahrelangem Seilziehen hat das Zürcher Baurekursgericht über die Rekurse gegen die Moorschutzverordnung geurteilt (die Limmattaler Zeitung berichtete gestern). Die Grundeigentümer atmen auf: Ihren Forderungen wurde in vier von bis zu einem Dutzend Punkten entsprochen. Insbesondere die Regeln hinsichtlich Lärm- und Licht wurden teilweise entschärft. Die Naturschutzvereinigung Bird-Life blitzte mit ihrem Rekurs hingegen vollumfänglich ab.

Die Moorschutzverordnung soll das Flachmoor im Industriegebiet Silbern schützen. Sobald die Verordnung definitiv angenommen wird, kann die Bau- und Zonengestaltung des Gebiets Silbern-Lerzen-Stierenmatt (SLS) weiterverfolgt werden.

«Endlich weiterentwickeln»

«Wir warten schon seit zehn Jahren auf den definitiven Gestaltungsplan», sagt Urs Jenny, Präsident der Interessensgemeinschaft Silbern. Mit dem Urteil ist nun die Rechtssicherheit für die Unternehmen gewährleistet. «Mit dem definitiven Gestaltungsplan nach der notwendigen Überarbeitung können wir uns im Gebiet Silbern nach der langen Leidenszeit endlich weiterentwickeln», sagt er.

Einige Unternehmer hätten bereits Baupläne, die sie verwirklichen möchten. Jenny hofft, dass sich nun alle Beteiligten zufriedengeben und nicht wieder Rekurs einreichen – weder die Grundeigentümer noch Bird-Life. Dieser Meinung ist auch Josef Wiederkehr, Präsident des Industrie- und Handelsvereins Dietikon. Er sagt: «Beide Parteien wünschten sich wohl noch mehr Zugeständnisse. Doch ich hoffe, dass nun sämtliche Betroffene zur Einsicht gelangen, dass dieses Urteil der bestmögliche Weg für alle ist.»

Auch für die Stadt Dietikon ist das Urteil zumindest vorläufig das Ende einer langen und zeitaufwendigen Geschichte. Anfang 2015 beteiligte sich die Stadt Dietikon mit 15'000 Franken an der Ausarbeitung der Schutzverordnung. Diese war schon seit Jahrzehnten fällig. 2017 erliess die Baudirektion dann die Dietiker Moorschutzverordnung. Prompt legten Bird-Life Schweiz, Bird-Life Zürich und vier Grundeigentümer Rekurs ein. Doch die Anliegen hätten konträrer nicht sein können: Die Naturschützer bemängelten, dass die Verordnung dem Schutz der Auengebiete nicht ausreichend Rechnung trage und zu verschärfen sei. Die Immobilienbesitzer monierten unter anderem, dass die Richtlinien über die Lichtemissionen zu scharf seien und «nach aktuellem Forschungsstand ausreichender wissenschaftlicher Grundlagen entbehren».

Umso glücklicher ist Stadtpräsident Otto Müller über das Urteil, das die Moorschutzverordnung zu einem grossen Teil stützt. «Ich bin froh, ist der Entscheid schon gekommen. Besonders wichtig ist, dass die zwei Fachgutachten vom Gericht anerkannt sind und zeigen, dass die Moorschutzverordnung korrekt ist», sagt er. Schliesslich änderte das Baurekursgericht nur wenige Punkte in der Verordnung. «Die kleinen Änderungen, die nach dem Urteil gemacht werden müssen, beeinträchtigen den Schutz des Moores nicht», sagt Müller.

Bird-Life: Kritik am Gericht

Die Naturschutzorganisationen Bird-Life und Bird-Life Schweiz scheiterten mit all ihren Rekursbegehren vor dem Gericht. Ob sie das Urteil weiterziehen wolle, könne sie zur Zeit noch nicht sagen. «Wir sind mit dem Rechtsanwalt im Gespräch», sagt Christa Glauser, stellvertretende Geschäftsführerin von Bird-Life zum aktuellen Stand. Einzig so viel: «Es gibt Fehler in der Argumentation des Gerichts.»

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