Ein Brummen und Rattern erfüllt den Raum, es riecht durchdringend nach Leder und Farbe. Gestelle voller Schuhe, Tische mit Werkzeug und mannshohe Maschinen lassen den Raum trotz grosszügiger Fenster kleiner erscheinen, als er ist. Hier im ersten Stock der Schuhmacherei Huwyler in Birmensdorf durchlaufen die Schuhe manchen Arbeitsschritt. Rund 300 Paar werden in diesem Raum repariert - pro Tag.

Während im oberen Stockwerk ein emsiges Treiben herrscht, ist es im Erdgeschoss mucksmäuschenstill. Chef Fritz Huwyler öffnet die Tür zum Lagerraum; bis zur Decke reichen die Regale hier, gefüllt sind sie mit Ledern in allen Farben, Sohlen und Holzleisten.

Es geht weiter in den Verkaufsraum für Herrenschuhe. In einem Gestell sind schwarze Lederschuhe aufgereiht. «Diese Schuhe repräsentieren die verschiedenen Schlupfgrössen. Denn ein Fuss ist niemals nur lang, sondern geht auch immer in die Breite», sagt Huwyler. Nachdem die Schuhgrösse feststeht, können Damen wie Herren nach Baukastenprinzip ihre Schuhe von Sohle bis Schnürsenkel selbst designen.

«Ein guter Schuh stützt den Fuss»

«Wir machen Schuhe, nicht Fussbekleidung», sagt Huwyler. Er hält nicht viel von den billigen Schuhen, die man überall kaufen kann. Ein wirklich guter Schuh habe seinen Preis, alles unter 500 Franken sei ein Kompromiss. «Tragen Sie zum Beispiel den ganzen Tag über einen günstigen Turnschuh, sind Ihre Füsse am Abend müde», sagt er. Bei einem qualitativ hochstehenden Lederschuh geschehe das jedoch nicht, denn: «Ein guter Schuh stützt den Fuss.»

Bei den Damen- und Herrenschuhen, die bei Huwyler hergestellt werden, ist alles aus Leder. Heute sei es jedoch üblich, einen Schuh als echten Lederschuh anzupreisen, obwohl grosse Teile gar nicht aus dem Material seien. Bei der Reparatur komme dieser Schwindel dann zum Vorschein: Da finden sich Kartonschichten oder ganze Gummiabsätze, die lediglich mit einer dünnen Lederschicht überzogen sind.

Huwyler findet es schade, dass viele heute nicht mehr bereit seien, für gute Qualität etwas mehr zu zahlen. «Alles muss billig sein», sagt er. Manche Kunden würden ihre Schuhpreise wohl abschrecken. Er rechnet aber vor, dass ein Huwyler-Schuh, der locker zehn Jahre hält und in dieser Zeit zweimal neu besohlt wird, im Schnitt nur noch 100 Franken pro Jahr kostet.

Er schaue bei allen Menschen zuerst auf die Schuhe und die Hände, sagt Huwyler. «Dabei ist es egal, wie teuer die Schuhe sind, die jemand trägt. Aber gepflegt müssen sie sein.» Leder brauche wie unsere Haut auch Pflege, einmal pro Woche müsse man die Schuhe sicher eincremen. Jedes Jahr im November bietet die Schuhmacherei Huwyler in Zusammenarbeit mit dem Münchner Traditionsschuhaus Eduard Meier daher ein Schuhpflegeseminar in Birmensdorf durch. Dieses sei jeweils sehr gut besucht.

Einzigartig in Europa

22 Jahre ist es inzwischen her, seit der frühere Banker und Aktienhändler die Schuhmacherei des Vaters übernahm. Fritz Huwyler erzählt voller Herzblut von seiner Arbeit. «Klar habe ich als Börsenhändler mehr verdient. Aber hier kann ich etwas Handfestes machen.»

Sein Vater erlebte als Schuhmacher den Beginn der Produktionsauslagerung ins Ausland mit. Die Schuhbranche sei seither eine ganz andere geworden, sagt Huwyler. Doch während sich grosse Schweizer Schuhhäuser wie Bally kaum mehr behaupten konnten, hat Huwyler mit seiner traditionellen Schuhmacherei die Veränderungen unbeschadet überstanden.

Man habe beispielsweise die Reparatur in Birmensdorf zentralisiert, wo für jeden Arbeitsschritt jeweils ein Schuhmacher, ein Orthopädieschuhmacher, ein Färber oder ein Schäftemacher zuständig ist. «Dadurch ist höchste Qualität gewährleistet, denn jeder ist ein Profi auf seinem Gebiet», erklärt Huwyler.

Rund 20 Angestellte beschäftigt Huwyler heute. In den letzten Jahren wurden zudem zehn Lehrlinge ausgebildet. In Zürich, Basel und Bern entstanden Verkaufsstellen, orthopädische Massschuhe werden in Birmensdorf genauso gefertigt wie auch verblichene Farben von Handtaschen wieder aufgefrischt werden. «Einen solchen Vollservice findet man sonst nirgends in Europa», sagt Huwyler.