Fridays for free!

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Ab November schäme ich mich immer pausenlos. Es ist die Schlafscham, die mich jeweils für das Restjahr befällt – und darüber hinaus, bis in den späten März. Gucksch Du aus dem Fenster um 5.30 Uhr früh: St.Agatha im Dunkeln. Um 6.30 Uhr: St. Agatha im Dunkeln. Um 7 Uhr: St.Agatha im Dunkeln, bimmelt aber penetrant. Tja, da hälfe doch nur eins: Sich auf die andere Seite wälzen und weiterschlafen.

Aber ich schäme mich so! Denn im Schädel dröhnt es unaufhörlich: Auf, auf, alter Freund und Kupferstecher, die Wirtschaft wartet, das Bruttosozialprodukt lechzt nach mehr, Vermieter und Versicherung wollen ihren Stutz! Dann schleicht sie hoch, die Schlafscham, macht sich vor deinen Augen breit wie ein Strafgericht und predigt unaufhörlich Disziplin und Gewissen. Pennen ist für Penner – schäl dich endlich raus aus den Federn!

Darum fordere ich: «Fridays for free»! Heute schon fangen wir damit an und befördern den Donnerstag vom zweiten Podestplatz der beliebtesten Arbeitstage auf den ersten und machen ihn zum Arbeitswochenabschlusstag. Das wäre auch fürs Klima gut, denn die Automobile blieben freitags zu Hause, die Züge bräuchten weniger Energie, sämtliche Bürokaffeemaschinen sparten Strom, weil unbenutzt.

Lasst uns also «Fridays for free» proklamieren! Sie helfen der Menschheit, Schlafscham zu überwinden. Ich meine, Samstag und Sonntag beweisen doch eindrücklich, dass es geht mit dem Freimachen. Sie schämen sich doch nicht etwa, wenn an einem trüben Novembersonntagmorgen der Nebel zwischen Hasenberg und Gubrist rumlümmelt und die Matratze um neun Uhr verzweifelt flüstert: «Bitte, bitte, geh nicht weg!» Darum: «Fridays for free»!

Doch was gilt der Prolet im eigenen Lande… Völker, hört die Signale – nur stetes Klopfen hilft hinein! Kein Fussbreit der Schlafscham! Haben wir die erste Hürde geknackt und geniessen die freien Freitage, machen wir uns an die Donnerstage und Mittwoche ran, danach an die Montage, weil die sind auch immer schlimm. Und irgendwann langst auch dem Dienstag.

Also, gute Nacht, schlafen Sie morgen aus – und schämen Sie sich nicht!