Gemeinderätin und Stadtführerin Catherine Peer marschiert zielsicher und zügig vor der Delegation tschechischer Schulleiter durch Dietikon. Die Pädagogen weilten während dreier Tage hier, um mehr über das hiesige Bildungssystem zu erfahren. Am Donnerstagnachmittag ging es jedoch darum, etwas über die Schweizer Partnerstadt zu erfahren und so führte Peer die elfköpfige Gruppe durch die Dietiker Stadtgeschichte. Stets an ihrer Seite war der Bürgermeister der Partnerstadt Kolín. Vít Rakušan ist studierter Germanist und übersetzte die Ausführungen für seine Delegation.

«Die Unterschiede zwischen unseren beiden Schulsystemen sind gar nicht so gross», sagt Rakušan im Anschluss. In Tschechien habe man schon viel von den Qualitäten des schweizerischen Schulsystems gehört. «Dass es jedoch nicht nur eines, sondern 26 verschiedene Schulsysteme gibt», das habe er erst in Dietikon erfahren. Am Mittwoch kam die elfköpfige Delegation an, traf sich am Donnerstag mit Schulvorsteher Jean-Pierre Balbiani (SVP) und Schulleiter Gerold Schoch zu Präsentationen und lernte am Freitag die Schulen Luberzen, Wolfsmatt und Fondli kennen.

Das Augenmerk bei diesem Besuch sei auf die Integration von fremdsprachigen Kindern in der Volksschule gelegt worden, erklärt Balbiani. Dies sei von Rakušan so gewünscht worden. Diese Entwicklung sei für seine Stadt, gar sein ganzes Land, eine neue, so Rakušan. «Bis vor einigen Jahren hatten wir bei uns einen geringen Anteil fremdsprachiger Kinder», sagt er und fügt an, dass dieser aber nun kontinuierlich wachse, vor allem wegen Flüchtlingen aus der Ukraine. Dietikon hingegen schaut auf eine lange Tradition der schulischen Integration von fremdsprachigen Kindern zurück, so Balbiani.

Löhne interessieren

Ein Thema, welches dies- und jenseits der Donau wohl jeden Lehrer interessiert, ist die Frage nach der Entlöhnung. So ist es in Tschechien der Staat, welcher die Saläre ausbezahlt. Dass es in der Schweiz die Gemeinde selber ist, lässt die Delegation staunen. Welche Kompetenzen und Verantwortlichkeiten die Schulleiter hier in der Schweiz haben, wollte Petr Strejoek wissen. Er ist Schulverantwortlicher in Kolin und ist froh um den Austausch mit seinem Dietiker Pendant, Gerold Schoch: «Wir nehmen viel Interessantes aus Dietikon mit.»

Die Partnerschaft zwischen den beiden Städten besteht seit Anfang der 1990er Jahre. Damals habe der Austausch darin bestanden, dass Pfadfinder sich regelmässig besuchten. Nachdem der Gesamtstadtrat gemeinsam mit der Dietiker Stadtmusik im vergangenen Jahr das «Kmochuv» — ein grosses Blasmusik-Festival in Kolin — besuchte, kam man auf die Idee, dieser Freundschaft neues Leben einzuhauchen, so Balbiani. Dies sei nun die erste Massnahme dieser neuen Zusammenarbeit. Neben der Schule würden sich auch andere Themen für einen Austausch zwischen den beiden Städten anbieten, wie Rakušan erläutert. Er denkt dabei an Bereiche wie Verwaltung, Vereinswesen und Kultur. So hat er die Verantwortlichen der Dietiker Schule bereits nach Kolin eingeladen.