Der Angreifer machte vor Obergericht vergeblich Notwehr geltend und kassierte eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Es war ausgerechnet an einem Sonntag, als am 27. Februar 2011 ein aus dem Kosovo stammendes Schweizer Ehepaar in den Abendstunden am Wohnort seiner Tochter in Dietikon auftauchte. Die beiden Eltern wollten ihrem Kind zu Hilfe eilen. So hatte sich die Dietikerin mit ihrem polnischen Freund massiv zerstritten. Die aufgebrachte Mutter drang zuerst in die Wohnung ein. Dicht gefolgt von ihrem mit einem Holzknüppel bewaffneten Mann.

Schläge und ein Messerstich

Laut Anklage setzte sich der heute 38-jährige Pole mit einem Küchenmesser zur Wehr und fügte der Mutter eine Schnittverletzung am rechten Unterarm zu. Worauf der aufgebrachte Vater mit dem Knüppel auf den Freund seiner Tochter einschlug. So stark, dass dieser das Messer fallen liess und zum Wohnzimmer wegrannte. Verfolgt vom Beschuldigten, der die Stichwaffe ergriff und damit in die linke Flanke des eingeholten Opfers stiess. Dieses schloss sich danach mit einer erheblichen Verletzung in das Badezimmer ein und alarmierte mit seinem Natel die Polizei.

Notwehr geltend gemacht

Der heute 63-jährige Vater stand gestern Dienstag vor dem Zürcher Obergericht und wehrte sich gegen den Vorwurf einer versuchten schweren Körperverletzung. Er und sein Verteidiger machten vielmehr eine Notwehrlage geltend und verlangten einen Freispruch. «Ich fühlte mich in Gefahr», erklärte der seit 2004 eingebürgerte IV-Rentner, der kaum Deutsch verstand und eine Dolmetscherin beanspruchte. Er wisse auch nicht mehr, wie er den Geschädigten mit dem Messer verletzt habe, führte er aus. Worauf ihn der Gerichtsvorsitzende Christoph Spiess daran erinnerte, dass er bei der ersten polizeilichen Einvernahme noch zugegeben hatte, wie er seinen Gegner verfolgt und in den Rückenbereich gestochen habe.

Zwei Jahre bedingt

Das Obergericht verwarf die Notwehrthese eindeutig. So hätte der Beschuldigte nach der Eroberung des Messers die Möglichkeit besessen, sich rechtzeitig zurückzuziehen, hatte der Vorsitzende Spiess schon während der Befragung geltend gemacht. Stattdessen sei der Vater dem Privatkläger gefolgt und habe zugestochen. Die Oberrichter kamen deshalb zu einem Schuldspruch und bestätigten damit ein erstinstanzliches Urteil des Bezirksgerichts Dietikon.

Demnach kassierte der ehemalige Bauarbeiter wegen versuchter schwerer Körperverletzung eine gerade noch bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten. Er wurde zudem verpflichtet, dem Geschädigten einen Schadenersatz von 342 Franken sowie eine Genugtuung von 3000 Franken zu bezahlen.