Die Aktion freiwillig auf den Glencore-Profit zu verzichten ist kein durchschlagender Erfolg. Der Urdorfer Initiant Toni Blaser fordert die Bewohner der Gemeinde seit Beginn dieses Jahres zur freiwilligen Spende auf. Vor dem Hintergrund, dass Urdorf durch den kantonalen Finanzausgleich in den Genuss von 2,4 Millionen Franken Mehreinnahmen kam, die aus dem Börsengang des umstrittenen Rohstoffherstellers stammen, wollte Blaser Geld sammeln. Unter dem Motto: Wir brauchen das Glencore-Geld nicht, rief er Anfang Jahr in der Gemeindezeitung «Urdorf aktuell» zu Spenden auf. Bisher kamen drei Promille der 2,4 Millionen zusammen, was in absoluten Zahlen gerade mal 7800 Franken entspricht.

Im Zuge des Börsengangs des Rohstoffkonzerns Glencore im Jahr 2011 kam Rüschlikon, die Wohngemeinde des Firmenchefs Ivan Glasenberg, zu einem einmaligen Geldsegen. Rund 200 Millionen Franken musste die Gemeinde daraufhin in den kantonalen Finanzausgleich einzahlen. Fünf Säuliämter Gemeinden — Hausen, Affoltern, Kappel, Obfelden und Mettmenstetten — , die Empfänger des Ausgleichstopfs waren, entschieden per Volksentscheid insgesamt 400 000 Franken an Hilfswerke zu spenden, die sich um Folgeschäden des Rohstoffabbaus kümmern (die Limmattaler Zeitung berichtete).

Verschiedene Versuche anderer Gemeinden und Städte diesem Vorbild zu folgen, scheiterten. So wurde vom Zuger Stadtparlament — hier hat Glencore seinen Hauptsitz — eine von den Alternativen eingereichte Initiative, die eine symbolische Spende von 100 000 Franken vorsah, haushoch abgelehnt. Auch in Rüschlikon, Wald und Uster blieben Versuche, das Glencore-Geld zu spenden erfolglos. Auch in Dietikon wollte der AL-Gemeinderat Ernst Joss das Stadtparlament davon überzeugen, ein Prozent der rund elf Millionen Zusatzeinnahmen für die Stadt, an Bedürftige zu spenden. Ohne Erfolg.

Einen Ansatz, der nicht durch die Mühlen der Politik führt, sondern auf Freiwilligkeit basiert, wählte der Urdorfer Primarlehrer Toni Blaser. Dem Verein «Freiwillige Weitergabe des Glencore-Profits» sollten die Urdorfer Spenden für Projekte in Dritt-Welt-Länder entrichten. Auf einen Steuerbetrag von 10 000 Franken rechnete Blaser einen Beitrag von rund 400 Franken vor, um auf die 2,4 Millionen Franken zu kommen, die Urdorf aus dem Ausgleichstopf erhielt.

Nun, ein gutes halbes Jahr später, stellt sich Ernüchterung ein. Blaser gibt auf Anfrage bekannt, dass erst rund 7800 Franken zusammengekommen sind. «Natürlich dachte ich nicht, dass die Urdorferinnen und Urdorfer 2,4 Millionen Franken spenden würden. Aber einen Betrag von zwischen 10 000 und 30 000 Franken hatte ich mir schon erhofft», so Blaser. Seine Erwartungen hat der Aktivist inzwischen heruntergeschraubt: In Anbetracht des bisher gespendeten Betrags wäre Blaser froh, wenn bis Ende Jahr eine fünfstellige Summe zusammenkommen würde.

«Natürlich bin ich enttäuscht», sagt Blaser nach seiner Befindlichkeit gefragt. Dennoch steht er zu seiner Ansicht, dass die Bewohner nicht via Gemeinde zu einer Spende verknurrt werden sollten. «Dass Hedingen via Urnenabstimmung eine Spende von 110 000 Franken spricht, ist natürlich schön, zumal das Dorf im Knonauer Amt nicht einmal halb so viele Einwohner zählt wie Urdorf», sagt er. Dort habe ein neunköpfiges Initiativkomitee sehr aktiv für sein Anliegen geworben, während er selber mit seinen Mitstreitern einen anderen, etwas stilleren Weg gewählt habe.

Die Aktion läuft noch bis Ende Jahr. Zusätzliche Werbemassnahmen wird Toni Blaser aber nicht mehr ergreifen. «Via ‹Urdorf aktuell› soll nochmals ein Aufruf publiziert werden. Zusätzlich hoffe ich auf Mundpropaganda», so Blaser. Dass es effizienter gewesen wäre, eine Initiative einzureichen, über welche die Gemeindeversammlung hätte abstimmen können, glaubt er nicht. Blaser weiss: «Dies wäre sicherlich eine sehr umstrittene Vorlage gewesen, die in Anbetracht der knappen finanziellen Verhältnisse Urdorfs, wahrscheinlich abgelehnt worden wäre.»