Es war am 30. Juli 2013, als in Dietikon bei der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis ein Vergleichsgespräch zwischen einem Algerier und einem aus dem Kosovo stammenden Schweizer stattfand. Nach mehreren gegenseitigen Provokationen gingen die beiden Männer plötzlich aufeinander los. Dabei nahm der Nordafrikaner seinen am Boden liegenden Gegner in den Schwitzkasten.

Polizist stoppte die Frau

Vor Ort war auch die heute 24-jährige Tochter des bedrängten Schweizers. Sie eilte ihrem um Luft ringenden Vater zu Hilfe, indem sie dem Algerier eine Ladung Pfefferspray ins Gesicht sprühte. Als dies scheinbar nichts bewirkte, ergriff sie einen Stuhl und wollte diesen auf ihren Kontrahenten herunterschlagen. Im letzten Augenblick konnte ein alarmierter Kantonspolizist die Frau abfangen und eine Verletzung verhindern. Weitere Polizeibeamte brachten die beiden Männer auseinander.

Strafuntersuchung gegen Tochter

Der Eklat zog rechtliche Folgen nach sich. So leitete die Staatsanwaltschaft eine Strafuntersuchung ein – auch gegen die für zwei Tage inhaftierte Tochter.

Bereits am 19. August wurde die Studentin per Strafbefehl wegen versuchter Körperverletzung zu einer bedingten Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu 80 Franken sowie zu einer Busse von 200 Franken verurteilt. «Da es sich beim Tatort um ein Amtsgebäude handelte und sich ausgebildete Kantonspolizisten in den umliegenden Räumlichkeiten befanden, hätte die Beschuldigte davon ausgehen können und müssen, dass diese rechtzeitig eintreffen würden, um die beiden Männer voneinander zu trennen», lautete der zentrale Vorwurf.

Die Studentin legte Einsprache gegen den Strafbefehl ein und erzwang damit bereits im letzten November am Bezirksgericht Dietikon einen ersten Strafprozess.

Freispruch wegen Notwehrhilfe

Das Bezirksgericht vertrat eine andere Auffassung als die Staatsanwaltschaft und sprach die Limmattalerin umfassend frei. Der zuständige Einzelrichter hielt fest, dass die Beschuldigte den Anfang der Rangelei nicht mitbekommen habe und danach in Panik geraten sei. Sie sei grundsätzlich berechtigt gewesen, ihrem sich in einer Notlage befindlichen Vater zu helfen, schrieb der Richter und ging bei seinem Freispruch von einer rechtfertigenden Notwehrhilfe aus.

Die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis legte Berufung ein, weshalb der Fall am vergangenen Mittwoch auch das Zürcher Obergericht beschäftigt hätte. Allerdings wurde nichts mehr daraus. So zog die Staatsanwaltschaft laut Obergericht ihre Anträge kurz vor dem Berufungsprozess aus unbekannten Gründen zurück und akzeptierte damit den erstinstanzlichen Freispruch. Damit wurde der entlasteten Studentin eine Entschädigung von 4000 Franken zugesprochen.