Dietikon
Freilufttheatertag: Chümmel und Bartholomäus legen sich mit einem Kobold an

Der 23. Freilufttheatertag zieht junge und ältere Besucher in seinen Bann. Das Programm reicht von Musik über Theater bis hin zu Comedy und bietet die Gelegenheit für Neuentdeckungen.

Franziska Schädel
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23. Freilufttheatertag in Dietikon
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23. Freilufttheatertag in Dietikon

Limmattaler Zeitung

Regennass glänzt die leere Bühne vor dem Stadthaus. Drinnen im Stadthaus tanzen bunte Luftballons, das Sousafon brummt, die Menschen lachen, plaudern, essen. Es ist Kleinkunsttheatertag in Dietikon und wieder einmal regnet es.

«Die letzten drei Jahre hatten wir mit dem Wetter tatsächlich Pech», lacht Irene Brioschi vom Verein Theater Dietikon. «Die Atmosphäre ist draussen schöner und es wird auch mehr konsumiert. Das Publikum kommt aber trotzdem immer und im Improvisieren, da haben wir nach so vielen Jahren Erfahrung», sagt sie.

Familientauglichkeit ist wichtig

Zum 23. Mal hat der Verein ein attraktives Programm auf die Beine gestellt, das für alle Generationen etwas bietet und familientauglich ist. Das, so Irene Brioschi, sei auch Voraussetzung bei der Auswahl der Künstler.

Und es müssten Künstler sein, die bereit seien, draussen zu spielen. In der Kleinkunstszene scheuen offenbar viele die besonderen Herausforderungen von Umgebungslärm und unsicheren Witterungsverhältnissen.

Für Chümmel und Bartholomäus ist der Regen kein Problem, stranden die beiden mit ihrem Waschzuber, nach langer Irrfahrt auf dem Meer, ohnehin auf einer merkwürdigen, wackligen Insel. Sie scheint unbewohnt. Aber nach und nach merken sie, dass es da jemanden gibt, der keine Freude daran hat, wie sie seine Früchte aufessen und alles leer trinken.

Ein kleiner roter Kobold beginnt, die beiden beim Schlafen zu ärgern, er schreibt ihnen Bussenzettel, stiehlt die Fische, die sie im Meer geangelt haben. Er setzt alles dran, die Gestrandeten wieder zu vertreiben.

Als Chümmel einen Nagel in den Boden hämmert, kommt es fast zur Katastrophe. Die Insel verliert Luft und droht zu sinken. Gut, findet sich ein Velo. Chümmel und Mäus strampeln, was das Zeug hält und schaffen es so, den Vulkan-Generator in Gang zu setzen. Gemeinsam retten sie die Insel vor dem Untergang und merken: Ein Zuhause und gute Freunde, das ist das Wichtigste - und, so Chümmel - auch noch etwas Gutes zu essen.

Punkrocker unterhält Kinder

Zum grossen Gaudi der Kinder, die das Geschehen auf der Bühne gespannt verfolgen, zanken sich Chümmel und Mäus bei jeder Gelegenheit und kommen dabei immer wieder zu ganz erstaunlichen Erkenntnissen: Einen Freund muss man immer fragen, aber nur das, was er weiss. Aber wie weiss man, was er weiss? Das weiss man eben nicht. Für die 11-jährige Dalia Schilling hat das Stück «uiii...Mapanga Inslä» des Theaters Dampf einen tieferen Sinn. «Die beiden haben ja fast die Insel versenkt. Vielleicht hätte das heissen sollen, sie sind die Menschen, die die Welt kaputt machen», meint sie. Für ihre Familie gehört der Freilufttheatertag zum Standard-Sommerprogramm. «Wir richten sogar unsere Ferien danach», sagt Dalias Mutter.

Den Auftakt des Freilufttheatertags machten Heidi Christen und Stefan Baier von der Theateria mit ihrem Programm «Blickfang und Ohrenwurm». Nart, Bausch & Rellstab sorgten mit Saxofon, Akkordeon und Sousafon für Musik im Stadthaus und bei «Kinderschreck» von Dominic Deville, Punkrocker, Entertainer und Kindergärtner in Schlieren, lachten wohl nicht nur Pädagogen. Für Irene Brioschi ist Deville eine Neuentdeckung. «Als ich ihn das erste Mal hörte, wusste ich, den müssen wir engagieren.» Der Komiker Michael Elsener überzeugte das Abendpublikum davon, dass eine Bundesratswahl durch das Volk fatale Folgen hätte. Spätestens da wurde klar: Bei diesem Programm spielt das Wetter gar keine Rolle.