Dietikon
Freiluft-Lagerung des stinkenden Mülls war vom Kanton nicht bewilligt

Der Kanton erfuhr aus den Medien, dass vor der Verbrennungsanlage im Silbernquartier der Abfall frei herumliegt— erlaubt waren nur Müll-Ballen. Folgen muss die Betreiberin aber nicht fürchten.

Alex Rudolf
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Müll türmt sich in der Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) in Dietikon
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Bis dahin muss der Müll jedoch erst verkleinert...
... und im Anschluss verpackt werden
Bis dahin muss der Müll jedoch erst verkleindert
Patrik Feusi, Geschäftsführer der Betreiberin Limeco, erklärt, dass man nun an der Verpackung arbeiten werde
Der Abfallberg ist nur eine Übergangslösung. Bald wird er in luftdichte Ballen verpackt.
Für das angrenzende Naturschutzgebiet bestehen keine Folgen.
Leider riecht es auf dem Areal sehr unangenehm, vor allem auch, da die Temperaturen zu dieser Jahreszeit relativ hoch sind.

Müll türmt sich in der Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) in Dietikon

Senada Haralcic

Derzeit stauen sich mehrere Tonnen Abfall vor der Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) im Dietiker Silbernquartier. Der Grund: Weil umliegende KVAs Revisionen an ihren Verbrennungsanlagen ausführen, kommt mehr Abfall auf diejenige in Dietikon zu. Dass das Zürcher Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) diese Form der Freiluft-Lagerung gar nicht bewilligt hat, zeigen Recherchen der Limmattaler Zeitung. Franz Adam, Leiter der Awel-Abteilung Abfallwirtschaft und Betriebe, sagt auf Anfrage, dass eine zeitlich befristete Bewilligung für eine Freiluft-Lagerung in Ballenform, vergleichbar mit Siloballen in Landwirtschaftsbetrieben, vorliege. Dass in der letzten Woche zwar Abfälle angeliefert, aber noch nicht in Ballen gepresst wurden, erfuhr das Awel aber aus Medienberichten. Dabei handelt es sich um einen Bericht der Gratiszeitung «20 Minuten», der den Stein ins Rollen brachte.

Mit einem Leserfoto des Müllbergs beschwerte sich ein Arbeitnehmer einer angrenzenden Liegenschaft über den Gestank, der von der KVA Dietikon ausgeht. Patrik Feusi, Geschäftsleiter der Betreibergesellschaft Limeco, erklärt auf Anfrage, dass sich dieser Müllhaufen erst seit drei bis vier Wochen anhäufe: «Öfen der KVAs in Turgi und Hagenholz in Zürich befanden sich zeitgleich in der alljährlichen Revision», sagt er. Dies sei jedoch nicht der einzige Grund dafür, dass das KVA Dietikon derzeit von Müll überrollt wird. Neben dem Siedlungsabfall der Limeco-Trägergemeinden komme noch Marktabfall verschiedener Unternehmen hinzu. «Dieser Anteil ist im vergangenen Monat um rund 25 Prozent höher als erwartet ausgefallen», so Feusi. Der Grund: Firmen — diese können selber entscheiden, wo sie ihren Abfall abgeben — nutzen den Standort Dietikon wegen seiner guten Verkehrsanbindung oft.

Hinzu kommt, dass gestern die Revision einer der beiden Dietiker Brennöfen begann. Deswegen wird sich die Kapazität des KVA Dietikon während der nächsten beiden Wochen von täglich rund 240 Tonnen auf die Hälfte reduzieren. Aus diesem Grund sprach das Awel per 3. Oktober eine Bewilligung für Freiluft-Lagerung von Abfallballen aus, die noch bis Ende Februar 2015 gültig ist. Bis dann sollen die verpackten Müllberge sukzessive abgebaut werden, so Feusi.

Bis Freitag ist alles erledigt

Nun zeigt sich jedoch, dass diese Art der Freiluft-Lagerung nicht bewilligt war. Awel-Bereichsleiter Abfallwirtschaft und Betriebe Franz Adam: «Wir erteilten eine Bewilligung für die Lagerung in Ballenform. Dass dies nicht so gehandhabt wird, darauf wurden wir durch Medienberichte aufmerksam gemacht», sagt er und verweist darauf, dass man mit der Limeco-Leitung vereinbart habe, den gesamten Müll bis Ende dieser Woche in solche Ballen zu verpacken. Patrik Feusi sagt, dass diese Vorgabe des Awel von Beginn weg schwierig einzuhalten war. Denn: «Damit Abfall in Ballen verpackt werden kann, braucht es erst eine gewisse Menge an Material als Grundlage.» Vergangene Woche habe man sich noch in dieser Ansammlungsphase befunden. Ein weiteres Problem: In der Schweiz gebe es nur eine Handvoll Firmen, die sich auf die Ballierung von Abfall spezialisiert haben. «Diese waren bis letzte Woche komplett ausgebucht. Einen Termin haben wir erst jetzt erhalten», so Feusi. So könne es noch zwei bis drei Tage länger dauern.

Weiter räumt er ein, dass auch ein Kommunikationsproblem zwischen Awel und Limeco eine Rolle für die aktuelle Situation gespielt habe. Muss die Limeco nun eine Strafe fürchten? Feusi verneint. Der Müllberg werde nun so rasch wie möglich verpackt. Danach sei die Sache erledigt.