Dies veranlasste den Geroldswiler Wildhüter Martin Peter dazu, eine Meldung auf die Homepage der Gemeinde setzen zu lassen. Darin mahnt er die Hundehalter, ihre Haustiere im Freien an der Leine zu führen sowie Wald- und Feldwege nicht zu verlassen. Zusätzlich zu der Meldung auf der Website wurden Plakate an den Wegen angebracht.

Nicht alle beachten Leinenzwang

Die Leinenpflicht ist im kantonalen Hundegesetz vorgeschrieben und gilt im Kanton Zürich für die Monate Mai und Juni, die Zeit, in der die meisten Rehe ihre Jungen zur Welt bringen. Gemäss Wildhüter Peter, der für die Gemeinden Geroldswil, Oetwil und Weiningen zuständig ist, müsse zu dieser Zeit «überall mit Kitzen gerechnet werden». Die Rehgeissen lassen sich zum Gebären nicht nur in ihren angestammten Plätzen in Wäldern und Waldrändern nieder, sondern auch auf Wiesen. Ein Grund für die Flucht auf Wiesen sei die Tatsache, dass sich die Rehe in den Wäldern zunehmend gestört fühlen von Joggern, Bikern oder Reitern, sagt Peter. Sie weichen daher auf vermeintlich ruhigere Plätze aus.

Gerade dort drohe aber die Gefahr freilaufender Hunde. Entdeckt ein Hund die leichte Beute, so kann es sein, dass der Jagdtrieb mit ihm durchgeht und er das Wild reisst. Denn nicht alle Hundebesitzer halten sich an den Leinenzwang. «Es ist jedes Jahr dasselbe. Viele Leute meinen, ihr Hund tue so etwas nicht», sagt Peter. Doch dem sei nicht so: Denn auch vermeintlich gehorsame Hunde haben den Jagdtrieb in den Genen. «Ist dieser erst einmal aktiviert, hilft oft kein Rufen und Pfeifen mehr», sagt der Wildhüter. Nur wer seinen Hund wirklich im Griff habe, könne dann noch einschreiten.

Die beiden von einem Hund getöteten Rehe in Weiningen wurden laut Peter trotz Meldepflicht nicht gemeldet. Oftmals würde es vom Hundehalter nicht einmal bemerkt, wenn ihr Hund wildere, sagt Peter. Er rechnet daher mit einer hohen Dunkelziffer an gerissenem Wild. Sollte ein Hund bei einem Wildriss erwischt werden, so droht dem Halter wegen Verletzung der Aufsichtspflicht gemäss kantonalem Hundegesetz eine hohe Busse. Der Hund kann in bestimmten Fällen gar eingeschläfert werden.

Dass sich die Rehgeissen zum Gebären im hohen Gras niederlassen, ist nicht nur für Hundehalter ein Problem. Immer wieder geraten Rehe und ihre Jungen unter die Mähmaschinen der Landwirte. Mittlerweile wird Peter allerdings über den bevorstehenden Mäh-Termin orientiert, sodass die Wiesen rechtzeitig auf Rehe abgesucht werden können.