Mein Ding: Hunde
«Freche Hunde gibt es nicht»

In der Rubrik «Mein Ding» stellen Limmattaler ihre Leidenschaft vor. Diese Woche steht die Liebe von Nadine Keller aus Urdorf zu ihren Hunden im Zentrum.

Zoé Iten
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Milo und Chewie (r.) fliegen regelmässig mit Nadine Keller in die Ferien.

Milo und Chewie (r.) fliegen regelmässig mit Nadine Keller in die Ferien.

Zur Verfügung gestellt

Die beiden Hunde Milo und Chewie haben schon viel von der Welt gesehen. Jedes Jahr geht es in die Slowakei. Und letztes Jahr flogen die zwei nach Fuerteventura und unternahmen eine Vulkanwanderung. Mit dabei war auch ihr Frauchen, Nadine Keller, die die beiden aus dem Tierheim zu sich holte.

Keller liebt Hunde, seit sie denken kann. «In meiner Familie waren immer Pflegehunde untergebracht, die durch uns ein neues Zuhause fanden.» Auch später, als die 24-Jährige auf Reisen ging, kam sie immer wieder mit Hunden in Kontakt. «Während Auslandaufenthalten sah ich enorm viele Strassenhunde. Oft bin ich dann auch in einem Tierheim für eine Woche hängengeblieben und habe dort ausgeholfen.»

Wieder zurück zu Hause in Urdorf, machte Keller sich als Hundesitterin einen Namen. Der Service sei von Anfang an sehr gefragt gewesen. Irgendwann war es aber zu viel. «Ich musste es schliesslich beenden. Rund um die Uhr waren Hunde bei mir, das schränkte mich massiv ein. Insbesondere auch im Hinblick auf das Ziel, eine eigene Hundeschule zu gründen.»
Neben den zwei Chihuahuas wohnt ab und an ein Pflegehund bei der Urdorferin, was einerseits recht fordere, andererseits auch den Erfahrungshorizont erweitern würde.

Psychologie schulte Erziehung

Keller arbeitet mittlerweile an ihrem Master in Psychologie. Der psychologische Hintergrund habe grossen Einfluss auf die Herangehensweise bei der Erziehung ihrer Hunde gehabt. «Ich wollte wissen, warum das Tier auf eine bestimmte Art reagiert. Über den ‹richtigen› Weg zur Erziehung der Hunde existieren zahllose Meinungen.»

Schliesslich folgte der Entschluss, eine eigene Hundeschule zu gründen. So will sie anderen Menschen mit dem erlernten Wissen helfen, den Hund auf einer anderen Ebene zu verstehen. Ein gewaltfreier Umgang würde so gefördert werden. In Birmensdorf hat sich Keller einen Platz gemietet, auf welchem sie regelmässig Kurse gibt. Zudem arbeitet sie als Teilselbstständige in Zürich und gibt dort während der ganzen Woche Hundekurse. Das alles sei mit dem Studium gut unter einen Hut zu bringen. Oft kümmert sich auch ihr Partner um die Hunde.

Bevor sie im Februar mit ihrer kleinen Unternehmung «Oh My Dog» startete, absolvierte Keller im letzten Jahr den Instruktoren-Basiskurs sowie die Ausbildung zur Hundetrainerin. Im letzten November startete Keller zudem als unbezahlte Praktikantin in einer Hundeschule in Zürich. Praxiserfahrung vorzuweisen, war ihr ein grosses Anliegen.

Bestrafung als Lernprozess

«Der Hund sollte auf keinen Fall verniedlicht werden. Das sehe ich ganz rational. Er ist ein Lebewesen wie wir auch und verfügt über dieselben Lernmechanismen.» Kellers Philosophie ist schnell erklärt. Keine Gewalt und Angstmacherei. Das heisst aber nicht, dass es keine Strafen gibt.

«Eine Strafe dient dazu, dem Hund die Gelegenheit zu geben, Konsequenzen zu erkennen.» Eine Strafe könne sein, dass man an der Leine stehen bleibt, sodass der Hund nicht weiterkommt. Keller nervt sich, wenn die Tiere als stur oder frech bezeichnet werden. «Was heisst schon stur? Das heisst einfach, dass er es nicht anders gelernt hat. Am schlimmsten finde ich, wenn Hunde bestraft werden für ein von uns als unangemessen eingestuftes Verhalten, welches vom Besitzer gefördert wurde.»

Auf ihre nächsten Ziele mit der Hundeschule angesprochen, überlegt Keller einen Moment. «Ein Hundezentrum mit eigenen Physiotherapeuten und Trainern wäre grossartig. Aber das steht alles noch in den Sternen.»

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