Einfrauorchester
Fräulein Da Capo: Das Alt- und Dickaussehen überlässt sie Giacobbo/Müller

Mit Loopgerät und diversen Instrumenten servierte Frölein Da Capo am Freitagabend ihr «Gemischtes Plättli» dem Dietiker Publikum im Stadthaus.

Anina Gepp
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Mit der Loopstation wird aus Frölein Da Capo ein vielstimmiges Einfrauorchester.

Mit der Loopstation wird aus Frölein Da Capo ein vielstimmiges Einfrauorchester.

Anina Gepp

Irene Brügger, alias Frölein da Capo, bestens bekannt aus der Satiresendung «Giacobbo/Müller», trat als Einfrauorchester und mit abendfüllendem Programm im Dietiker Stadthaus auf. Im Fernsehen sei sie ausgestiegen, weil man da älter und dicker aussehe als im wahren Leben, so Frölein Da Capo vorweg. Das Alt- und Dickaussehen überlasse sie fortan lieber den anderen beiden.

Die Frau im Petticoat bringt für ihren Auftritt das halbe Wohnzimmer mit. Nebst Gartenzwerg Erwin, den sie dem Publikum als Choreografen an ihrer Seite vorstellt, bringt sie auch Teppich und Nachttischlämpchen mit. Um sie herum aufgebaut stehen zahlreiche Instrumente. Zu ihren Füssen ihr wohl wichtigstes: das Loopgerät. Damit kann Frölein Da Capo mehrere Spuren übereinander aufnehmen und zusammen abspielen.

Ihr Programm «Gemischtes Plättli» ist pfiffig gewürzt und raffiniert abgeschmeckt. Von mild bis rezent und säuerlich bis zuckersüss ist alles dabei. Das verheiratete Frölein nimmt besonders gerne die Männer auf die Schippe. Ihr eigener gehe oft bügeln, wenn es ihm zu viel werde mit ihren sehr emanzipierten Liedern, so Frölein Da Capo. Männerfeindlich seien ihre Texte nämlich keineswegs. «Nur sehr, sehr, sehr emanzipiert eben.»

Frölein Da Capo serviert ihr «Gemischtes Plättli» mit genussvollen Geschichten, die direkt aus ihrem Leben oberhalb des beschaulichen Willisau stammen. Das Leben auf dem Lande wird in allerlei witzige Geschichten verpackt und mit einer Prise augenzwinkernden Humors verfeinert.

Nebst ihrem Loopgerät hat Frölein Da Capo auch eine Gitarre, eine Trompete und eine Tuba mitgebracht. Ertönen die Klänge aus Letzterer einmal nicht so rein wie gewünscht, schiebt sie dies der Blasmusikschule zu, die sie in ihrem Dorf einst besuchte.

Nicht nur zum Lachen bringen kann Frölein Da Capo. Auch die Kunst über sich selbst zu lachen, präsentiert sie dem Publikum. So wackelt sie kräftig mit ihren Oberarmen, um den Zuschauern ihre Beziehung zum Sport klarzumachen, und beklagt sich über ihre kleine Oberweite.

Mit ihren Liedern besingt Frölein Da Capo scheinbar wahre Probleme des Lebens. So beispielsweise die alte Jogginghose ihres Mannes aus den 90er-Jahren in Violett mit Neonstreifen. «So eine habe ich auch zu Hause», flüstert so mancher Mann im Publikum vor sich hin und die Frauen lachen darüber, dass Frölein Da Capo die ihres Mannes längst im Kamin verbrannte.

Charmant jodelnd oder auch beatboxend lässt Frölein Da Capo das Dietiker Publikum an ihrem Landleben teilhaben. Weder eine Schöpfungsgeschichte à la Alice Schwarzer noch eine leidenschaftliche Schrebergartengeschichte zwischen Elfride und Kurt darf da fehlen.

Zum Schluss schüttelt die Sängerin noch ein besonderes Lied aus dem Ärmel. Sie habe dieses extra für die Kulturkommission Dietikon geschrieben. Nach diesem Lied und etlichen Zugaben, verschwindet Frölein Da Capo begleitet von tosendem Applaus aus dem Saal.