Gross war der Besucherandrang im Quartierzentrum Föhrewäldli. Hier in der Fahrweid feierten die Geroldswiler und Weininger dieses Jahr gemeinsam den 1. August. Die Köche des Quartiervereins Fahrweid, die die Gäste mit Pasta verwöhnten, hatten dementsprechend viel zu tun.

Bevor allerdings die Verköstigung auf dem Programm stand, ging der offizielle Teil der Feier über die Bühne. «Als Gemeinschaft mit Überzeugung Berge versetzen. Darum geht es in der diesjährigen Festrede», kündigte Geroldswils Gemeindepräsident Michael Deplazes (parteilos) seinen Weininger Amtskollegen Mario Okle (parteilos) an. Der neue Gemeindepräsident verriet, dass es bereits seine zweite Rede sei. Die erste habe er vor 27 Jahren auf dem Rütli vor versammelter militärischer und politischer Führung gehalten. «Das habe ich offensichtlich ohne nachhaltigen Schaden überlebt», meinte Okle.

Der Kern seiner Ansprache war aber ein anderer. «Was feiern wir wirklich am 1. August?», fragte er. Jedenfalls nicht die Sagen und Mythen, die sich um die Entstehung der Eidgenossenschaft ranken. «Diese Überlieferungen sind nur die Rahmenhandlungen der Inhalte, die sie transportieren. Es geht nicht um Tell, sondern seine Auflehnung gegen die empfundene Ungerechtigkeit, die Unterdrückung. Es geht nicht um den Schwur der drei Eidgenossen an sich, aber den Willen, zusammenzustehen und füreinander einzustehen, nicht um den Winkelried, aber das Füreinander und die Aufopferung für die Gemeinschaft», sagte Okle.

Vielfältigen Grund zum Feiern

Wir würden aber nicht nur das Gedankengut der alten Eidgenossen feiern, sondern auch das, was uns als Gemeinschaft ausmache, ja stark mache, so Okle. «Wir feiern eine Kappeler Milchsuppe als einen der Grundsteine unserer religiösen und damit auch kulturellen Vielfalt im selben Staat. Wir feiern eine demokratische Grundhaltung, einen Gesellschaftsvertrag nach Rousseau und wir feiern unsere industriellen Pioniere als Vorreiter einer liberalen Wirtschaft», hielt er fest.

Weiter würden wir einerseits unseren eidgenössischen Zusammenhalt feiern und andererseits unsere kantonale Unabhängigkeit. «Wir feiern einen Rütlirapport und die Überzeugung der Notwendigkeit einer Landesverteidigung, und gleichzeitig feiern wir die Freiheit, eine Initiative zur Abschaffung der Armee lancieren zu können. Wir feiern heute ein Frauenstimmrecht auf allen Ebenen, das kaum älter ist als unser nationaler Feiertag, und wir feiern eine institutionalisierte Partizipation der Kinder in der Schule», so Okle. Auch eine Schweiz, die seit dem Bau der Gotthard-Eisenbahnlinie einen der grössten Ausländeranteile Europas hat und mitunter genau deshalb wachse und gedeihe, werde am 1. August gefeiert. «Wir feiern das, was uns geformt und zu dem gemacht hat, was wir sind.»