«Ich bin froh über den Zürcher Entscheid», sagt die Dietiker SP-Präsidentin und Gemeinderätin Rosmarie Joss. Zukünftig sollen mindestens 35 Prozent Frauen im Kader der Zürcher Stadtverwaltung vertreten sein, wie eine Mehrheit des Gemeinderats beschloss.

Schliesslich sei in der Vergangenheit zwar viel über Gleichstellung diskutiert worden, Taten folgten den Worten jedoch selten. «Mit der Frauenquote setzt man ein Zeichen. Sie ist ein Schritt in die richtige Richtung.»

Auch Béatrice Bürgin, Präsidentin der SP Schlieren, begrüsst den Entscheid: «Zürich geht mit gutem Beispiel voran.»

Limmattal ist anders

Darf man auch im Limmattal bald mit Frauenquoten im Kader der Verwaltungen rechnen? Für den Dietiker Stadtpräsident Otto Müller (FDP) ist dies keine Option.

Er weist darauf hin, dass in Dietikon bereits zwei von sieben Verwaltungsabteilungen von Frauen geführt würden. Die Nachricht aus dem Zürcher Stadthaus habe ihn überrascht: «Für mich ist der Entscheid schwer nachvollziehbar.Ich bin der Meinung, das Geschlecht sollte nicht ausschlaggebend sein für die Ausübung einer Tätigkeit.»

Skeptisch gegenüber strikten Quoten ist auch Toni Brühlmann-Jecklin (SP), Stadtpräsident von Schlieren: «Uns ist bewusst, dass wir in Schlieren nach wie vor wenig Frauen im obersten Kader der Verwaltung haben.»

Zur Zeit werden in Schlieren sechs der acht Abteilungen von Männern geführt. Eine Frauenquote erachtet Brühlmann allerdings nicht als geeignetes Instrument, um dem entgegenzuwirken.

«Bereits heute ist es in unserem kleinen Betrieb nicht einfach, die offenen Stellen der Verwaltung mit geeigneten Kandidatinnen oder Kandidaten besetzen. Die Einführung einer Quote würde dies zusätzlich erschweren.»

In Zürich habe man andere Voraussetzungen, meint Brühlmann. «Die Schlieremer Verwaltung ist an Grösse und Attraktivität der Posten nicht vergleichbar mit der Stadt Zürich.»

Je kleiner die politische Gemeinde, desto schwieriger sei die Umsetzung einer strikten Quote. Zusätzlich seien bei einigen Abteilungen seien vor allem Berufe gefragt, die von Frauen ohnehin eher selten wahrgenommen würden.

Kompetenzen entscheiden

«Gleichstellung ist uns ein wichtiges Anliegen. Dies kommt beispielsweise bei der Beförderungsquote zum Ausdruck», räumt Brühlmann ein und betont, dass Frauen im Bewerbungsprozess absolut dieselben Chancen haben müssten wie Männer.

«Den Ausschlag geben aber die fachlichen Kompetenzen.» Wichtig und richtig finden das auch die beiden SP-Frauen: «Es darf nicht sein, dass aufgrund einer Quote die Anforderungen sinken», meint dazu Joss.

Hoffnung auf Dialog

Die Frauenquote war bisher kein Thema bei den beiden SP-Sektionen Schlieren und Dietikon. «Wir haben uns in letzter Zeit mehr auf das Thema faire Löhne konzentriert», sagt Joss.

Nichtsdestotrotz, mit dem Zürcher Entscheid wird die Gleichstellung der Geschlechter am Arbeitsplatz auch im Limmattal wieder vermehrt zum Thema. «Wir werden den Punkt in der SP Schlieren sicher diskutieren», sagt Bürgin.

Einer Frauenquote in Schlieren räumt sie politisch allerdings wenig Chancen ein: «Im Parlament wird sich kaum eine Mehrheit für einen solchen Vorschlag finden», ist sie überzeugt.

Auch sie ist aus Gründen der Umsetzung gegen eine Frauenquote im Limmattal, hofft aber auf den Dialog. «Wir müssen die Einführung der Frauenquote in Zürich als Signal verstehen, das Thema Gleichstellung öffentlich zu diskutieren.»