«Bei dieser Stadtführung fokussieren wir uns auf Frauen von Dietikon, die vor allem während und nach dem Zweiten Weltkrieg speziell aufgefallen sind», erklärte Edith Schelling vom Stadtverein Dietikon den Teilnehmern des historischen Stadtrundgangs. Zum Start der Tour, die sie zusammen mit Elfie Rabenbauer führte, warteten auf dem Rapidplatz gleich zwei historische Perlen: «Als eine der wenigen Frauen absolvierte Mathilde Planzer kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs die Fahrprüfung, sodass sie das Transportunternehmen ihres Mannes weiterführen konnte, währenddessen dieser dem Vaterland diente.»


Auch das Chride-Röösi, wie man Rosa Zgraggen in Dietikon nannte, war eine bekannte Unternehmerin im heutigen Limmatfeld. Sie hatte im Jahr 1933 die erste Kreidenfabrik in der Schweiz gegründet, sagte Schelling weiter. Die Musiklehrerin hat bereits ihr ganzes Leben in Dietikon verbracht und engagiert sich seit zwei Jahren für den Stadtverein.

Beim Schächli-Areal erinnert Schelling an Paula Müller-Jucker. Diese war Mitgründerin der Baugenossenschaft Schächli und ehemalige Sozialamtleiterin. Von dort aus lotsten die Stadtführerinnen am Samstagvormittag die zehn Teilnehmer zum Bahnhofsplatz. Alice Seiler sei eine witzige und hilfreiche Person gewesen – nicht umsonst nannte man sie auch «die gute Seele», erzählte Schelling. «Seiler erbte das Restaurant Neuer Bahnhof von ihrem Vater.

Während des Krieges bediente sie rund 6 000 Soldaten, welche in Dietikon stationiert wurden», berichtet die Stadtführerin weiter. Als bekannt wurde, dass die Stadt den «Neuen Bahnhof» enteignen wollte, protestierte Seiler stark dagegen und brachte eine schwarze Flagge auf dem Dach des Restaurants an. «Diese Frau war ein Original», sagte Schelling und schmunzelte.

Die erste Organistin

Anschliessend ging es weiter zum Kirchplatz. Fräulein Häseli sei die zweite Organistin der Kirche St. Agatha gewesen, erzählte Schelling und blickte zur Kirche hinüber. Die Stadtführerin zeigte ein Bild der Organistin in einem weissen Gewand, das ihre Unterschenkel erblicken lässt. «Hildegard Häseli wollte nicht, dass dieses Bild an die Öffentlichkeit kommt, denn sie schämte sich für ihre starken Waden. Doch wir verfügen nur über dieses eine Bild der Organistin», sagte Schelling entschuldigend.

Weiter führte der Rundgang zum Restaurant Krone, welches die Wirtin Anna Gstrein während der Zeit des Kriegs selbstständig führte.
Die letzte Etappe der anderhalbstündigen Besichtigung führte über die laut Rabenbauer «schönste Strasse der Stadt», die Bühlstrasse, zum Stadthaus Dietikon.

Die gelernte Informatikerin Rabenbauer führt Interessierte bereits seit zehn Jahren durch die Stadt: «Ich wollte mehr über diesen interessanten Ort erfahren – deshalb bin ich ehrenamtlich als Stadtführerin tätig geworden.»

Beim Stadthaus stellte sie einige besonders wichtige Lehrerinnen der Primarschule und Oberstufe vor. Darunter Mina Hess, Gründerin des Frauenvereins und Mitinitiantin des ersten Kindergartens in der Stadt, die mit der Bebauung des Limmatfelds im städtischen Strassennetz verewigt wurde: Ihr zu Ehren wurde die Mina-Hess-Strasse benannt.