Limmattal
Frauenlobby setzt sich gegen ungleiche Löhne ein

Elfie Rabenbauer von der Frauenlobby Limmatal spricht darüber, wie wichtig der Tag zur Lohngleichheit ist. Die Lohndiskriminierung ist nach wie vor ein aktuelles Thema.

Sandro Zimmerli
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Elfie Rabenbauer will Frauen über die Lohnungleichheit informieren. zim

Elfie Rabenbauer will Frauen über die Lohnungleichheit informieren. zim

Elfie Rabenbauer, am Equal Pay Day vom 11. März wird auf die Lohnungleichheit zwischen Mann und Frau aufmerksam gemacht. Auch die Frauenlobby Limmattal beteiligt sich an der Aktion. Weshalb gibt es diese Lohnunterschiede?

Elfie Rabenbauer: Im Schnitt verdient eine Frau in der Schweiz 19,3 Prozent weniger als ein Mann. Rund 60 Prozent dieses Unterschieds sind erklärbar, haben mit der Ausbildung oder der Erfahrung zu tun. Hier sprechen wir von der Lohndifferenz.

Und bei den restlichen 40 Prozent?

Hier sprechen wir von Lohndiskriminierung.

An diesem Punkt setzt der Equal Pay Day an?

Darauf wollen wir aufmerksam machen. Werden diese Lohnunterschiede auf die ganze Karriere umgerechnet, ergeben sich ganz schöne Summen. Letztes Jahr hat die Frauenlobby erstmals einen Aktionsstand geführt. Viele Frauen haben uns gesagt, dass sie mit ihrem Lohn zufrieden sind. Erklärt man ihnen, dass der männliche Kollege für die gleiche Arbeit mehr verdient, ist ihnen das nicht bekannt.

Wie reagieren die Frauen, wenn sie erfahren, dass sie für die gleiche Arbeit weniger verdienen als ihr männlicher Kollege?

Einige sind überrascht. Sie finden es wichtig, dass man darauf aufmerksam macht. Es gibt solche, die sich nicht angesprochen fühlen und nicht einmal überprüfen wollen, ob sie einen gerechten Lohn erhalten.

Weshalb sind viele Frauen nur schlecht über die Lohnunterschiede informiert?

Generell spricht man bei uns nicht über den Lohn. Frauen, die einen Vorgesetztenjob haben, sind eher über die Lohnstruktur in ihrem Unternehmen informiert. Für andere Angestellte ist es schwieriger. Wir raten den Frauen, sich zu informieren.

Wie macht man das am besten?

Als Erstes soll sie das Gespräch mit dem Vorgesetzten suchen. Dafür soll sie sich gut vorbereiten. Wichtig ist ein mutiger Auftritt. Meistens fordert man zu wenig, ist schnell zufrieden.

Welchen Vorschlag haben Sie für eine solche Gesprächsvorbereitung?

Wir verweisen auf das Internet, auf die Seite des Equal Pay Day oder auf die Fachstelle für Gleichstellung. Dort findet man Lohnrechner, über die man seine Daten eingeben kann. So wird der branchenübliche Lohn errechnet. Man kann sich auch beim jeweiligen Branchenverband.

Weshalb geben sich Frauen so schnell zufrieden?

Vielleicht liegt das daran, dass eben der Vergleich fehlt. Einige Frauen haben möglicherweise auch Hemmungen, bei einem ersten Lohngespräch zu viel zu verlangen.

Was kann sonst noch unternommen werden, um diese Ungleichheit aus der Welt zu schaffen?

Wir unterstützen Frauen, die in die Politik wollen. An den Schalthebeln kann man etwas bewirken. Deshalb unser Aufruf an die Frauen, sich auch politisch zu engagieren. Wir hören oft, dass die Gleichstellung erreicht sei. Aber in der Realität ist die Arbeit noch lange nicht getan.

Wo sehen Sie den grössten Handlungsbedarf?

Viele Frauen wollen trotz Kindern ihre berufliche Laufbahn nicht unterbrechen. Wenn der Staat, zum Beispiel mit Betreuungsangeboten, gute Voraussetzungen schafft, dann müssen diese Frauen ihren Job nicht aufgeben. Das ist wichtig, weil sich die Gesellschaft gewandelt hat.

Inwiefern?

Früher hiess es, ein Mann muss eine Familie ernähren. Denken Sie an die vielen alleinerziehenden Mütter. Auch sie müssen eine Familie ernähren können. Es ist uns auch ein Anliegen, die Firmen zum Handeln aufzurufen.

Wie meinen Sie das?

Oft sind sich Firmen einer Ungleichbehandlung nicht direkt bewusst. Sie können aber bei der Überprüfung der Lohnstrukturen das Label «Equal Salary» erwerben. Eine Firma zeigt damit, dass sie ethische Werte vertritt und faire Löhne bezahlt.

Im Zusammenhang mit der Gleichstellung wird oft der Ruf nach einer Quotenregelung laut.

Keine Frau will eine Quotenfrau sein. Wenn man aber mit einer Quote gewisse Strukturen aufbrechen kann, dann bin auch ich dafür.