Bezirksgericht Dietikon
Frau will im Fricktal nicht selbst gerast sein – Gericht überführt sie trotzdem

Eine Geschäftsführerin aus Uitikon ist mit rund 160 Stundenkilometern über die Autobahn im Aargau gerast. Der Polizei sagte sie, dass eine andere gefahren sei. Vor Gericht flog das Lügengebilde auf. Die Raserin bekommt eine saftige Busse.

Attila Szenogrady
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Die Raserin gab zunächst jemand anderem die Schuld, um dann doch zu gestehen (Symbolbild).

Die Raserin gab zunächst jemand anderem die Schuld, um dann doch zu gestehen (Symbolbild).

Keystone

Eine unwahre Schutzbehauptung ist einer Geschäftsführerin aus Uitikon zum Verhängnis geworden. So musste sie sich am Dienstag nicht nur wegen einer Raserfahrt, sondern auch wegen falscher Anschuldigung vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten.

Die Anklage ging auf den 30. September 2012 zurück. An jenem Sonntag fuhr die heute 27-jährige Beschuldigte mit ihrem Rennwagen der Marke Porsche im Kanton Aargau bei Eiken über die Autobahn. Kurz vor Mitternacht tappte sie mit einem Tempo von rund 160 Kilometern pro Stunde in eine Radarfalle der Polizei.

Schuld auf Frau aus Osteuropa geschoben

Bereits am nächsten Tag erhielt die Limmattalerin von der Kantonspolizei Aargau ein Schreiben, worin sie auf den Tempoexzess aufmerksam gemacht wurde. Zwei Wochen später schrieb die Automobilistin zurück und führte dabei auf, dass sie zum Tatzeitpunkt gar nicht gefahren sei.

Sie gab namentlich eine Osteuropäerin als Lenkerin an und schob damit die Schuld auf eine andere Person ab. Allerdings vergebens: Die erstaunlich gute Qualität des Radarfotos ergab, dass die Uitikerin selbst über die Autobahn gerast war.

Irrtum geltend gemacht

Vor dem Bezirksgericht Dietikon gab die Mutter nun zu, dass sie tatsächlich viel zu schnell gefahren sei. Obwohl sie den Blitz des Radarkastens gar nicht bemerkt habe. Auch die falsche Anschuldigung gestand sie in objektiver Hinsicht ein. Trotzdem liess sie ihren Rechtsanwalt auf einen vollen Freispruch von diesem Hauptvorwurf plädieren.

So sei sie tatsächlich überzeugt gewesen, dass sie damals ihren Porsche einer Kollegin für eine Probefahrt ausgeliehen habe, erklärte sie. Auch der Verteidiger zeigte sich überzeugt, dass seine Klientin nicht vorsätzlich gehandelt, sondern sich in einem Irrtum befunden habe.

Ohnehin habe die Beschuldigte Mühe mit Daten und Zahlen. Zudem habe sie im Herbst 2012 unter psychischen Problemen gelitten. «Meine Mandantin hat nicht wider besseren Wissens eine andere Person beschuldigt», sagte der Anwalt und sah nur die fahrlässige Raserfahrt als Delikt erfüllt an. Dafür sei eine Busse von 750 Franken angemessen.

Gericht folgt der Anklage

Das Gericht sah es anders und folgte umfassend den Anträgen der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis. Demnach wurde die Geschäftsführerin nicht nur wegen fahrlässiger Verletzung von Verkehrsregeln, sondern auch wegen falscher Anschuldigung anklagegemäss zu einer bedingten Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu 120 Franken sowie zu einer Busse von 1000 Franken verurteilt. Zudem muss sie die Gerichtsgebühr von mindestens 1600 Franken tragen.

In Widersprüche verstrickt

Das Gericht kaufte der Frau den angeblichen Irrtum nicht ab und lastete ihr Widersprüche in der Untersuchung an. Beispielsweise hatte sie einmal angegeben, dass sie sich während der angeblichen Probefahrt in den Ferien befunden habe. Zudem ging der zuständige Einzelrichter davon aus, dass die Lenkerin den Blitz sehr wohl bemerkt haben musste. «Es war damals dunkel und die Autobahn leer», erklärte der Vorsitzende dazu.

Nicht zuletzt habe die Beschuldigte während der Ermittlungen ausgeführt, dass sie ihren Wagen an verschiedene Personen ausgeliehen habe. Wieso sie dann ausgerechnet die Osteuropäerin als Lenkerin benannt habe, konnte sich das Gericht auch nicht erklären. Ob die Geschäftsführerin den Entscheid akzeptiert, war nach dem Urteil noch unklar.