Bergdietikon

«Frau Tesa» und die Erfindung des Klebebands

Hier werden Etiketten für Kosmetik, Pharma, Food und Logistik hergestellt: Blick in die Produktionshalle der Tesa Bandfix in Bergdietikon.  BHI Blick in die Produktionshalle der Tesa Bandfix in Bergdietikon.  BHI

Hier werden Etiketten für Kosmetik, Pharma, Food und Logistik hergestellt: Blick in die Produktionshalle der Tesa Bandfix in Bergdietikon. BHI Blick in die Produktionshalle der Tesa Bandfix in Bergdietikon. BHI

Dass ein berühmtes Kautschukband seinen 75. Geburtstag feiert, freut auch eine Limmattaler Firma: Das Bergdietiker Unternehmen Tesa Bandfix AG, welches eine Tochtergesellschaft der Tesa ist,

«Frau Tesa» hatte doch nur ein bisschen mit ihrem eigenen Namen herumgespielt. Doch dass sie dereinst so bezeichnet, ja sogar als «Mutter von Tesa», dem berühmten Klebestreifen, gelten würde, davon konnte die junge Frau selbstverständlich wenig bis nichts ahnen, damals, im Jahr 1906. Elsa Tesmer, die als Sekretärin für die Firma Beiersdorf in Hamburg arbeitete, war da gerade einmal 19 Jahre alt. Als sie und ihre Arbeitskolleginnen in der Schreibstube gebeten wurden, im Rahmen eines Wettbewerbs Produktnamen zu kreieren, setzte sie aus zwei Silben ihres Vor- und Nachnamens das Wort «Tesa» zusammen. Für ihre Vorgesetzten stand fest: Der Name – kurz, einprägsam und international verwendbar – wird ein Hit.

Vorher bedeutungslos

Damit hatten sie zwar recht. Doch es sollte noch Jahrzehnte dauern, bis der Name, der damals auf Vorrat geschützt wurde, erfolgreich wurde. Ein junger, neuer Mitarbeiter hatte sich in den Kopf gesetzt, den bis anhin bedeutungslosen Beiersdorf Kautschuk-Klebefilm, den das Unternehmen schon Ende des 19.Jahrhunderts erfunden hatte, zum Erfolg zu führen. Er gab ihm den Namen «Tesa» und beschloss, das Klebeband für den Bürogebrauch umzufunktionieren, indem er es mit einem Abroller produzieren und patentieren liess.

Das war 1936 und «die Geburtsstunde des Tesafilms», wie Kurt Walker sagt. Er ist Geschäftsführer des Bergdietiker Unternehmens Tesa Bandfix AG, welches eine Tochtergesellschaft der Tesa ist, welche wiederum eine Tochtergesellschaft des Beiersdorf-Konzerns ist. «Vorher ist es schlicht niemandem in den Sinn gekommen, das Klebeband für den Bürobereich einzusetzen», sagt Walker, während er durch die Bergdietiker Produktionshallen führt.

Hier ist heute nicht mehr viel von den Zeiten zu spüren, in denen man die Menschen noch mit schlichten Slogans wie «Zum Kleben, Flicken, Basteln» oder «Mit Tesa (k)lebt sich’s leichter» überzeugen konnte. «Heute verkauft man nicht nur Klebeprodukte, sondern ein Gefühl. Man muss eine Botschaft haben», sagt Walker, der seit 23 Jahren für das Unternehmen arbeitet.

Auch für Flugzeuge und Fassaden

Auch die Produkte hätten heute nicht mehr viel mit dem ursprünglichen Klebeband zu tun, räumt der Geschäftsführer ein. Umweltschutz und Nachhaltigkeit würden immer wichtiger, so Walker: «Heute wird alles ohne Lösungsmittel hergestellt.» Doch während das Unternehmen nichts dagegen hat, dass Tesa nach wie vor zuerst einmal mit dem Klebeband in Verbindung gebracht wird – das Wort ist sogar im Duden als allgemein bekannte Marke für Klebefilm eingetragen –, will man heute nicht mehr bloss darauf reduziert werden. Denn das Unternehmen produziert heute nicht weniger als 6500 verschiedene Klebeprodukte, die unter anderem in Autos, Mobiltelefonen, Laptops, Bildschirmen oder Digitalkameras zu finden sind. Selbst die Propeller von Windkraftanlagen oder Solarpanel werden mit Produkten von Tesa geklebt.

Laut CEO Walker gibt es jedoch noch viel unausgeschöpftes Potenzial: «Es gibt immer mehr Anwendungen für Klebeprodukte.» Sogar bei der Befestigung von Häuserfassaden oder der Montage von Flugzeugen werde unterdessen teilweise mit Klebetechnik gearbeitet. Kein Wunder, sagt Walker, dass auch das renommierte deutsche Fraunhofer-Institut erklärt habe, Klebetechnik entwickle sich «zur Verbindungstechnik Nummer eins des 21.Jahrhunderts». Um bei neuen Erfindungen immer die Nase vorne zu haben, beschäftige das Unternehmen in Hamburg rund 200 Entwickler, sagt Walker.

Auch in Bergdietikon wird entwickelt – wenn auch in einem etwas alltäglicheren Bereich. Nebst dem Vertrieb des berühmten Klebebands hat sich die Tesa Bandfix AG auf die Entwicklung und Herstellung von Klebeetiketten spezialisiert. Rund 155 der 180 Mitarbeitenden sind in diesem Bereich beschäftigt. «Wir produzieren vor allem für die Bereiche Kosmetik, Pharma, Food und Logistik», erläutert der Geschäftsführer. Die Kosmetikbranche nennt er dabei «die Königsdisziplin», da die Ansprüche an den Druck «enorm hoch» seien.

Bis zu vier verschiedene Verfahren

Was er damit meint, zeigt sich im Produktionsbetrieb anschaulich. Rollen von Etiketten für Duschgel oder Körpermilch bewegen sich hier in rasender Geschwindigkeit über meterlange Produktionswege hinweg, winden sich über Rollen, ducken sich an unzähligen Knöpfen und Kabeln vorbei, um bis zu vier verschiedene Druckverfahren zu durchlaufen. «Frau Tesa» wäre wohl zu Recht ins Staunen geraten.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1