Dietikon
Frage an den ältesten Dietiker: «Herr Klenk, wie wird man 102?»

Karl Klenk, der älteste Einwohner der Stadt, zeigt fast keine Alterserscheinungen. An seinem 102. Geburtstag teilt er seine Gesundheitstipps mit allen, die auch so alt werden möchten.

Sophie Rüesch
Merken
Drucken
Teilen
Karl Klenk hat bis heute keinen Tropfen Bier getrunken. Foto: Rue

Karl Klenk hat bis heute keinen Tropfen Bier getrunken. Foto: Rue

Karl Klenk wartet am Eingang seines Einfamilienhäuschens an der Dietiker Holzmattstrasse. Auf dem Weg zu seinen Gartenbeeten, die er mittlerweile mit der Hilfe des Sigrists der reformierten Kirche bestellt, bückt er sich, um einen verfaulten Apfel aufzulesen. Treffsicher versenkt er ihn im Komposthaufen hinter den Gemüsebeeten. «Es geht alles etwas langsamer und mühsamer», sagt er. «Aber es geht noch alles.»

Heute wird Karl Klenk 102 Jahre alt. Auch wenn er mittlerweile etwas gebückter geht als auch schon – sein hohes Alter merkt man ihm kaum an. Im Geiste wirkt der Dietiker Ehrenbürger vif wie eh und je. Und er denkt nicht daran, vom Leben loszulassen: «Von mir aus könnte es gerne noch ein paar Jahre so weitergehen», sagt er und lacht. Wer sich nun fragt, wie man so unbeschadet so lange leben kann, dem gibt Karl Klenk gerne Auskunft:

Gene : «Das Allerwichtigste kann man leider selber gar nicht beeinflussen, denn es sind dies die Erbanlagen. Man müsste also bei der Geburt die richtigen Eltern auswählen können, keine solchen, die Herzfehler, Bluthochdruck und andere Krankheiten weitervererben!»

Bewegung: «Man sorge für genügend Bewegung. Dies erreiche ich, indem ich jeden Tag von meinem Haus in die Stadt herunterwandere, um auf der Post, in der Bank, im Lebensmittelladen oder im Ortsmuseum eine Kleinigkeit zu erledigen.»

Trinken: «Ebenso wichtig wie die Körperbewegung ist das richtige Trinken. Um Mitternacht stelle ich jeden Tag zwei Liter Brunnenwasser bereit, die nach 24 Stunden mehr oder weniger getrunken sein müssen.»

Essen : «Auch das vorsichtige Essen spielt eine grosse Rolle bei der Erhaltung der Gesundheit. Deshalb: Kein Salz, kein Zucker und keine tierischen Fette, wobei ‹kein› eigentlich ‹sehr wenig› bedeutet. Denn Salz ausreichend ist in Brot und Käse, Zucker in Früchten und tierische Fette in Milch und Käse enthalten.»

Kein Alkohol: «Schon im Jahr 1924 wendete ich mich dem Alkohol ab. Später trat ich auch in den Hoffnungsbund der Abstinenten ein. Ich trank bis heute keinen Tropfen Bier, Wein oder Schnaps, denn ‹Versprechen und Halten gilt Jungen und Alten!›»

Kein Nikotin: «Als Student war ich ein Kettenraucher. Ich hörte von einem Tag auf den anderen auf und verspürte, da ich erst wenige Jahre lang geraucht hatte, keine Entzugserscheinungen, hatte aber plötzlich viel mehr Sackgeld.»

Kein Koffein: «Jeden Morgen waren die ersten Worte meiner Frau: ‹I muen en Kafi ha!› Sie hatte einen niederen Blutdruck und der Kaffee machte sie munter. Sie starb vor 23 Jahren und seither trinke ich keinen Kaffee mehr, denn mein Blutdruck ist ja normal.»

Eigenwillig sein: «Wenn mir irgendetwas gut und wünschenswert erschien, dann verwirklichte ich den erstrebenswerten Zustand meinen Kräften entsprechend, ohne irgendjemanden um Erlaubnis zu bitten.»