Dietikon

Fotos, Fahnen und Pokale: Ausstellung über aufgelösten Männerchor ist eröffnet

Das Ortsmuseum widmet dem 2016 aufgelösten Männerchor Dietikon eine Ausstellung. Die Vernissage löst Wemnut aus.

Es war viel Wehmut dabei, als der Männerchor Dietikon im November 2016 sein Abschiedskonzert in der Kirche St. Agatha gab. Ähnlich präsentierte sich die Gemütslage gestern, als im Ortsmuseum die Ausstellung über die Geschichte des Vereins eröffnet wurde. «Die Ausstellung ist grossartig. Schade, dass es den Verein nicht mehr gibt», sagte Stadtpräsident Otto Müller.

In der Ausstellung im Vereinszimmer des Ortsmuseums sind alte Fotos, Protokollbücher und Fahnen zu sehen. Denn mit der Auflösung des 135-jährigen Vereins waren auch Räumungsarbeiten verbunden. So waren etwa im Estrich des Zentralschulhauses Liedblätter der Sänger gelagert. «Zwei volle Container Liedblätter haben wir entsorgt», sagte Christian Steiner, der seit 2011 im Vorstand des Männerchors war.

Man habe gewusst, dass dort alte Fotos – das älteste datiert von 1900 – lagerten. Überrascht sei man gewesen, dass man dann auch auf handschriftliche Protokollbücher und Vorstandssitzungsnotizen gestossen sei, die bis ins Jahr 1902 reichen. Weitere Materialien befanden sich bei ehemaligen Vereinspräsidenten und Vorstandsmitgliedern. Im Vereinslokal, dem Restaurant Heimat, waren noch Pokale, Urkunden und gar eine Seidenfahne aus dem Jahr 1907 aufbewahrt.

Der aufgelöste Verein nahm Kontakt mit dem Ortsmuseum Dietikon auf. «Der Männerchor war ein wichtiger Verein, der das Gemeindeleben bereicherte», sagte Ortsmuseumsleiterin Regula Stauber. Es sei klar gewesen, dass man die Materialien rund um den Männerchor im Ortsmuseum ausstellen und später archivieren werde.

Der aufgelöste Männerchor singt im Ortsmuseum an der Vernissage

Der aufgelöste Männerchor singt im Ortsmuseum an der Vernissage

Der aufgeloeste Männerchor singt im Ortsmuseum an der Vernissage Quel mazzolin di fiori

Liebevoll gestaltete Ausstellung

Zudem schrieb Bobby Kölzer für die Ausstellung Texte zur Geschichte des Vereins. Darunter findet sich auch eine lustige Episode aus dem Jahr 1922, als der Chor so wütend über eine Bewertung an einem Wettbewerb war, dass einige dem Jurypräsidenten die Hand so stark schüttelten, dass ihm die Brille von der Nase fiel. Zusätzlich stellte Robert Müller eine Grafik zusammen, in der man die Entwicklung der Mitgliederzahl von 1928 bis zur Auflösung nachverfolgen konnte. Am meisten Mitglieder zählte der Männerchor im Jahr 1960 mit 76 Aktiven. Im Schnitt bestand der Verein aus 52 Sängern. Bei der Auflösung waren es nur noch 22.

Peter Brem, der seit 1974 im Verein dabei war, bekam die Aufgabe, die Gruppenfotos, etwa jene aus den Jahren 1954 und 1955, zu beschriften. Noch fehlen einige Namen. Diese können die Besucher ergänzen. Die Ausstellung sei so interaktiv gestaltet worden, damit man genauer hinschaue und sich mit dem Inhalt identifiziere, sagten die Ausstellungsmacher Regula Stauber und Christian Steiner.

Die Chor-Männer treffen sich immer noch einmal im Monat bei einem Höck, wo sie zusammen singen und Geselligkeit geniessen. An der Vernissage gaben sie drei Lieder als Ständchen zum Besten: «Das Morgenrot», «Quel mazzolin di fiori» und «Kamerade». Damit lösten sie wiederum viel Wehmut aus.

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