Im Flur entlang der Cafeteria im Spital Limmattal hängen dreissig Farbfotos der Thurgauer Journalistin und Pressefotografin Maya Heizmann. Da balgen sich zwei Mädchen. Ein Jugendlicher kommuniziert mit Bildkarten. Stolz zeigt ein Junge seinen Fussball. Oder ein Mädchen guckt sehnsüchtig den Seifenblasen nach. «Es sind festgehaltene Momente von einer von den Kindern anders wahrgenommenen Welt, die wir nicht immer verstehen können», sagt die Fotografin, «daher ist es mir ein Anliegen diese Kinder und Jugendlichen mittels Porträts einem grösseren Publikum vorzustellen. Und ich möchte, dass man von ihnen erfährt.»

Gute Einblicke in den Schulalltag

So hat Maya Heizmann im vergangenen Jahr während einigen Besuchen die Schülerinnen und Schüler der Tagessonderschule der Stiftung Kind und Autismus in Urdorf mit ihrer Kamera begleitet. Sie erhielt dabei gute Einblicke in den Schulalltag und in die speziellen Aktivitäten. «Die Möglichkeit, diese jungen Menschen kennen zu lernen, war für mich etwas ganz Besonderes», ist Maya Heizmann überzeugt. «Die intensiven und geduldigen Arbeiten der Pädagoginnen und Therapeutinnen haben mich tief beeindruckt.»

Doch wie ist Maya Heizmann zu diesem Auftrag gekommen? «Als der Leiter der Schule, Louis Küffer, mich wegen Fotos in der Tagesschule Stiftung Kind und Autismus angefragt hat, habe ich ohne zu zögern sofort Ja gesagt», erzählt Heizmann. Louis Küffer kenne sie schon lange – aus der Zeit, als er Heimleiter der Stiftung Sonnenhalde in Münchwilen im Thurgau tätig war. Dort im Behindertenwohnheim habe sie eine Langzeit-Fotostudie von den Bewohnern gemacht. «Der Begriff Autismus ist mir schon lange bekannt, doch die Verhaltensweisen der Kinder waren mir völlig fremd», bemerkt Heizmann.

Berührt von Arbeit der Pädagogen

«Zuerst musste ich mich mit den Schülern vertraut machen, sie beobachten und erst mal abwarten», erzählt sie. «Obwohl ich keinen direkten Kontakt zu den Schülern aufnehmen konnte, haben sie mich akzeptiert, eigentlich wenig beachtet. So konnte ich unverfälschte Momente mit meiner Kamera festhalten.» Diese Fotografien seien keine inszenierten Situationen, sie würden authentische Momentaufnahmen darstellen.

Für sie gäben die Fotos keinen umfassenden, jedoch einen kleinen Einblick in die Tagesschule an der Bergstrasse 28 in Urdorf. «Ich bin sehr berührt von der Arbeit der Pädagogen, die mit sehr viel Einfühlungsvermögen und Verständnis den Kindern helfen, ihren Alltag zu bewältigen», betont Maya Heizmann und fährt weiter: «Ich werde mit ihnen bestimmt in Verbindung bleiben.»

Bewunderung bei Besuchern

Zu den zahlreichen Vernissagebesucherinnen zählte auch die Urdorferin Jeanine Eberle: «Ich schreibe in diesem Jahr meine Maturaarbeit zum Thema Autismus.» Sie sei am Thema sehr interessiert, da sie in ihrer Klasse einen Autisten habe. «Die ausgestellten Bilder finde ich sehr beeindruckend», so die 17-jährige Kantischülerin. «Wenn ich diese Kinder auf den Fotos anschaue, komme ich gar nicht auf die Idee, dass diese irgendein Problem haben könnten», meinte Martin Masafret, der mit seiner Lebenspartnerin und Fotografin Silvia Oberhänsli die Ausstellung besuchte.

Die Bilder würden die ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen den Pädagogen und den Schülern eindrücklich aufzeigen. «Man spürt auch sehr schön, dass die Kinder die Fotografin gar nicht wahrgenommen haben», stellte der Redaktor und Leiter der Aus- und Weiterbildung Sport beim Schweizer Fernsehen fest. Dies könne nach seiner Meinung zwei Gründe haben: Zum einen seien die Kinder voll auf ihre Tätigkeit fokussiert gewesen oder sie hätten halt wirklich Mühe, die Aussenwelt wahrzunehmen.

Silvia Oberhänsli, selber Fotografin im thurgauischen Wallenwil, fügte hinzu: «Ich bewundere echt, was da herausgekommen ist.»

Die Fotoausstellung «EinBlick» ist noch bis Donnerstag, 26. Mai 2011 täglich bis 20 Uhr im Spital Limmattal beim Haupteingang geöffnet.