Dass Motten das Licht suchen, ist hinlänglich bekannt. Doch welche Art von Licht gut für sie ist und welche nicht, blieb bis anhin im Verborgenen. Die eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in Birmensdorf startet dieser Tage gemeinsam mit den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ) ein Pilotprojekt in Regensdorf und Urdorf, um dies herauszufinden.

Die Standortwahl kommt nicht von ungefähr, denn beide dieser Testgemeinden verfügen über Strassenabschnitte, die mit verkehrsbeobachtendem Licht ausgestattet sind. Jene in Urdorf befindet sich an der Birmensdorferstrasse und besteht auf einer Strecke von rund einem Kilometer aus 27 LED-Leuchten. In Betrieb genommen wurden sie im September 2015.

Der Clou bei diesen Leuchten ist, dass sie ihre Lichtemission dem nächtlichen Verkehrsaufkommen anpassen. Da sie bei viel Betrieb auf der Strasse heller werden und sich bei wenig Aktivität verdunkeln, könne Stromverbrauch und auch Lichtemission drastisch verringert werden, heisst es in einer gemeinsamen Medienmitteilung von WSL und EKZ. An zehn dieser Leuchten entlang der Birmensdorferstrasse wurden nun Insektenfallen und Fledermaussensoren angebracht. Denn die Forscher wollen herausfinden, welchen Einfluss die sogenannten bedarfsorientierte Strassenbeleuchtung auf die Biodiversität hat.

Lichtwechsel im Wochentakt

An den mit Fallen und Sensoren ausgestatteten Strassenlampen wird im Turnus von jeweils einer Woche zwischen den Modi «Volllicht» und «Bedarfsorientiert» gewechselt. «Jeweils in den Nächten von Montag bis Donnerstag werden die Insektenfallen betrieben und die Ultraschallechoortungslaute der Fledermäuse aufgenommen», heisst es in der Mitteilung. Die Insektenfallen bestehen hauptsächlich aus transparenter Folie und wiegen rund 1,2 Kilogramm. «Wochentags werden sie jeweils in der Morgendämmerung geleert, damit keine tagaktiven Insekten gefangen werden.» Darüber hinaus zeichnen die Forscher mithilfe von nächtlichen Luftaufnahmen entlang der Strasse die Lichtverteilung auf.

Damit will das Forschungsteam in Erfahrung bringen, welchen Einfluss das Volllicht beziehungsweise das bedarfsorientierte Licht auf die Anzahl gefangener Insekten hat. Auch soll eruiert werden, ob ein Zusammenhang zwischen der Jagdaktivität von Fledermäusen, der Anzahl gefangener Insekten und dem Beleuchtungsregime besteht. Das wissenschaftliche Projekt dauert voraussichtlich bis Juli 2017.

30 Prozent weniger Verbrauch

Das bedarfsorientierte Licht an der Urdorfer Birmensdorferstrasse erhielt nach Ablauf der über einjährigen Pilotphase gute Noten. Erst im vergangenen Dezember zogen die EKZ eine positive Bilanz. Demnach sei die öffentliche Beleuchtung der Zukunft smart. Denn während sich die Lichtemissionen verringerten, sank der Energieverbrauch um fast einen Drittel – «ohne Kompromisse bei der Sicherheit», schrieben die EKZ. Zudem hätten die 27 LED-Leuchten zuverlässig funktioniert. Durch die fliessende Absenkung des Lichtniveaus sank die Lichtemission markant, was für die Anwohner mehr Lebensqualität zur Folge gehabt habe.

«Das Projekt ist wegweisende für Einsparungen bei den Energiekosten und kann einen Beitrag an den Schutz der Nacht leisten, der immer mehr an Bedeutung gewinnt», so Kantonsingenieur Felix Muff. Ob die Leuchten auch in Sachen Wirtschaftlichkeit überzeugen, könne erst nach einem längerfristigen Einsatz beurteilt werden. «Denn dies hängt von der Lebensdauer und den Unterhaltskosten ab. Nach lediglich einem Jahr Betrieb ist es zu früh, um diese Faktoren zu beurteilen», so Muff weiter.

Veränderung kaum wahrnehmbar

Insbesondere in dicht besiedelten Gebieten gäbe es mit der neuen Beleuchtungsmethode völlig neue Optionen, liess sich Jörg Haller, Leiter der öffentlichen Beleuchtung der EKZ, zitieren. «Eine sich den Gegebenheiten anpassendes Lichtniveau ist die Zukunft der öffentlichen Beleuchtung», sagte er weiter.

Die Funktionsweise der Beleuchtung im Pilotprojekt ist neuartig. Ein an den Kandelabern angebrachter optischer Sensor misst das Verkehrsaufkommen und übermittelt diese Werte an eine zentrale Steuerungseinheit. Dort werden die Werte mit den gespeicherten Grenzwerten verglichen und daraufhin die Lichtstärke eingestellt. Zentral dabei ist, dass sich das Licht fliessend und somit kaum wahrnehmbar verändert, heisst es in der Auswertung der EKZ. Die Stärke des Lichts kann dabei zwischen 100 und 40 Prozent variieren.