Affoltern am Albis

Forschung erhält grünes Licht für Feldversuch mit Gen-Mais

Eingezäunt: Der Test wird auf der sogenannten Protected Site der Agroscope durchgeführt.

Eingezäunt: Der Test wird auf der sogenannten Protected Site der Agroscope durchgeführt.

Vor den Toren Zürichs kann ab diesem Frühling ein Freisetzungsversuch mit gentechnisch verändertem Mais starten. Auf dem Gelände der Forschungsanstalt Agroscope gelten jedoch Auflagen. Auch sind noch Beschwerden möglich.

Wie das Bundesamt für Umwelt (Bafu) gestern mitteilte, hat es ein entsprechendes Gesuch der Universität Zürich bewilligt. Die Versuche werden unter strengen Auflagen am Standort Reckenholz der eidgenössischen Forschungsanstalt Agroscope in Zürich Affoltern durchgeführt.

In der landwirtschaftlichen Produktion ist der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen verboten – dies aufgrund eines Moratoriums, das noch bis Ende 2021 gilt. Zu Forschungszwecken dürfen Gentech-Pflanzen kultiviert werden, allerdings ­besteht eine Bewilligungspflicht. Eine solche erteilte das Bafu im Reckenholz schon mehrmals, zuletzt im vergangenen Juni für gentechnisch veränderte Gerste.

Beim neusten Freisetzungsversuch mit Gentech-Mais geht es darum, die Resistenz gegen Pilzkrankheiten zu testen. Die Forscher haben den Pflanzen ein Resistenzgen des Weizens eingebracht, weil dieser gegen bestimmte Pilze eine natürliche Immunität aufweist. Im Gewächshaus waren die Resultate der veränderten Maispflanzen positiv. Nun gilt es herauszufinden, ob sich dies auf dem Feld ebenso verhält.

Männliche Blüten müssen entfernt werden

Die bis 2023 bewilligten Feldversuche sind streng kontrolliert und werden auf der sogenannten Protected Site der Agroscope durchgeführt. Die Universität Zürich muss Massnahmen treffen, damit sich kein gentechnisch verändertes Material ausserhalb des Versuchsgeländes verbreitet. Unter anderem muss sie dem Bafu jedes Jahr vor der Aussaat die Grösse der Versuchsfläche mitteilen. Zusätzlich müssen die Forscher die männlichen Blüten der Maispflanzen entfernen. Damit wird verhindert, dass Bienen gentechnisch veränderte Pollen sammeln und verbreiten. Dies forderten Imker während der öffentlichen Auflage des Gesuchs.

Der Freisetzungsversuch kann erst ein Jahr später be­ginnen als geplant. Ursprünglich war er ab Frühling 2019 vor­gesehen. Die Verzögerung sei nicht aussergewöhnlich, sondern auf das Einsprachever­fahren bei Freisetzungs­gesuchen zurückzuführen, sagt Anne-Gabrielle Wüst Saucy, Chefin der Sektion Biotechno­logie beim Bafu.

Gemäss Wüst haben während der öffentlichen Auflage des Gesuchs 13 Personen respektive Organisationen Einwendungen gemacht, die das Amt unter Anhörung der Gesuchstellerin bearbeiten musste. Theoretisch könnten noch Beschwerden gegen die Bewilligung des Gesuches erfolgen – ob dies geschieht, ist aber offen.

Die Universität Zürich ist diesbezüglich guter Dinge, weil das Bafu den Imkern entgegengekommen ist, wie Teresa Koller vom Institut für Pflanzen- und Mikrobiologie auf Anfrage sagt. Die Forscher hoffen, dass sie noch dieses Jahr aussäen können. Geschehen müsste dies Ende Mai. Allfällige Einsprachen könnten zu einer weiteren Verzögerung führen.

Generell hat Teresa Koller aber den Eindruck, dass in den vergangenen Jahren die Ängste der Bevölkerung vor Gentechnologie eher abgenommen haben. «Wir nehmen sie aber nach wie vor sehr ernst.» Aus Sicht der Wissenschaftler seien die Sorgen aber unbegründet.

In der Vergangenheit sahen sich Forscher teils heftigen ­Reaktionen ausgesetzt, da Kri­tiker solche Gentech-Versuche für zu riskant halten. So drangen 2008 über dreissig Personen auf ein Feld im Reckenholz ein. Damals lief dort ein Freiland­versuch mit genverändertem Weizen. Die maskierten Personen durchschnitten den Zaum, mähten mit Sicheln die gentechnisch veränderten Pflanzen nieder und verbrannten sie im Wald.

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